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Chiphersteller blicken positiv ins nächste Quartal

Autor / Redakteur: mit Material von dpa / Sebastian Gerstl

Für den Halbleitermarkt scheint ein Ende der Coronakrise in Sicht. Große Chiphersteller wie Texas Instruments, NXP oder ST Microelectronics äußern sich nach dem dritten Geschäftsquartal 2020 positiv über Zukunftsaussichten. Auch für Infineon schätzen Analysten die Lage eher rosig ein.

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Der Halbleitermarkt zieht kräftig an. Trotz Coronakrise legen Chiphersteller, Auftragsfertiger und Ausrüstungslieferanten im dritten Quartal 2020 kräftiger zu als erwartet. Das liegt an einer höheren Nachfrage in der Autoindustrie, aber auch größerem Bedarf aus Consumerelektronik und Rechenzentren.
Der Halbleitermarkt zieht kräftig an. Trotz Coronakrise legen Chiphersteller, Auftragsfertiger und Ausrüstungslieferanten im dritten Quartal 2020 kräftiger zu als erwartet. Das liegt an einer höheren Nachfrage in der Autoindustrie, aber auch größerem Bedarf aus Consumerelektronik und Rechenzentren.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Der US-Chipkonzern Texas Instruments hat Experten mit seinem Blick auf das angelaufene Jahresviertel erstaunt. Beim Umsatz sei mit 3,41 bis 3,69 Milliarden US-$ zu rechnen, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. Analysten hatten für diesen Zeitraum nur 3,35 Milliarden US-$ (rund 2,83 Mrd Euro) erwartet.

Im dritten Quartal war der Umsatz dank starker Nachfrage aus der Automobilindustrie und steigendem Bedarf bei Herstellern von Konsumelektronik um 18 % zum Vorquartal auf 3,8 Milliarden US-Dollar gestiegen. Im Vergleich zum dritten Jahresviertel 2019 legten die Erlöse noch um 1 Prozent zu.

Auch europäische Chiphersteller zuversichtlich

Texas Instruments ist der erste große US-Chiphersteller, der Quartalszahlen vorlegt. Generell legte die US-Hightechbörse Nasdaq in den vergangenen beiden Wochen stark zu, was mit etwas Nachwirkung auch deutsche bzw. europäische Technologietitel mit nach oben zieht. Die meisten europäischen Halbleiterfirmen hatten ihre Zahlen bereits in den letzten Wochen gemeldet.

Der Halbleiterhersteller STMicroelectronics hatte ebenfalls ein besser als erwartet verlaufenes drittes Geschäftsquartal und blickt entsprechend optimistischer auf den weiteren Jahresverlauf. Demnach rechnet der Konzern für 2020 nun mit Erlösen von mehr als 9,65 Milliarden US-$ (rund 8,2 Milliarden Euro), wie das Unternehmen bei der Vorlage vorläufiger Quartalszahlen mitteilte. Bislang wurden 9,25 bis 9,65 Milliarden US-$ in Aussicht gestellt.

Im dritten Geschäftsquartal erwirtschaftete das Unternehmen Erlöse in Höhe von 2,67 Milliarden US-$ und damit rund 28 Prozent mehr als im Vorquartal. Damit lag der Konzern eigenen Angaben zufolge um 6,9 Prozentpunkte über dem oberen Ende seiner ursprünglichen Erwartungsspanne für den Berichtszeitraum.

Es ist bereits das zweite Mal, dass STMicro seinen Ausblick für das Gesamtjahr erhöht. Im ersten Quartal 2020 hatte die eintreffende Coronakrise den Chiphersteller zunächst besonders schwer getroffen. In Standorten in früh befallenen Regionen, sowohl in China als auch in Italien und später Frankreich, musste die Produktion vorübergehend ausgesetzt werden, was sich entsprechend auf die Zahlen im ersten Jahresviertel ausgewirkt hatte. Vor allem ein Anziehen der Nachfrage nach Produkten für die Autoindustrie und nach Mikrocontrollern ließ die Umsätze aber im dritten Quartal wieder deutlich anschwellen.

Auch der Ausblick von NXP Semiconductor habe sich deutlich verbessert, schreibt Analystin Olivia Honychurch vom Handelshaus Liberum. Über alle Endmärkte hinweg habe die Nachfrage angezogen, vor allem im Automobilbau und im Mobilfunk.

Gute Entwicklungen auch im deutschen Sektor

Ähnlich positive Nachrichten hatte auch beim deutsch-britischen Halbleiterhersteller Dialog Semiconductor gegeben. Wie Dialog meldet, dürfte der Umsatz im dritten Quartal bei etwa 386 Millionen US-$ liegen. Anfang August hatte Dialog noch Erlöse von 340 bis 380 Millionen US-$ avisiert. Der Umsatzanstieg sei einem verbesserten Trend in allen Bereichen zu verdanken, hieß es weiter. Dabei wurde die anhaltende Konsumnachfrage zum Beispiel nach Kopfhörern, Digitaluhren, Notebooks und Tablets besonders hervorgehoben. Dieser Trend werde sich nach Einschätzung des Unternehmens im vierten Quartal fortsetzen.

Infineon hatte bereits im August gemeldet, dass sich das dritte Geschäftsquartal deutlich besser als erwartet entwickelt. Der geringe Verlust, den Infineon in dem Quartal gemacht hatte, ging auf Kosten von rund 280 Millionen in Zusammenhang mit dem Kauf des kalifornischen Chipunternehmens Cypress zurück. Ohne diese wäre Infineon in der Gewinnzone verblieben. Mit einer zunehmenden Nachfrage vor allem im Automobilgeschäft sehen Analysten auch hier einen großen Zuwachs im Umsatz auf das Unternehmen im kommenden Quartal zukommen.

Halbleiterfertigung im Allgemeinen erwartet Wachstum

Der südkoreanische Elektronik-Riese Samsung meldete ebenfalls für das abgelaufene Quartal dank der wieder anziehenden Nachfrage nach Smartphones seiner Galaxy-Reihe sowie eines robusten Chip-Geschäfts einen Gewinnsprung. Der operative Gewinn soll im dritten Quartal 2020 voraussichtlich bei 12,3 Billionen Won (9 Milliarden Euro) liegen, teilte das Unternehmen mit. Das wäre ein Anstieg um 58 Prozent im Jahresvergleich und mehr, als Analysten dem Marktführer bei Speicherchips, Smartphones und Fernsehern im Durchschnitt zugetraut hatten. Das Unternehmen profitierte in diesem Jahr vor allem vom zunehmenden Internetverkehr im Zuge der Covid-19-Pandemie. Das trieb seit Beginn der Krise die Nachfrage nach Speicherchips für Server und PCs an, da mehr Menschen von zuhause arbeiten.

Zwar gingen die Preise wegen eines Überangebots zuletzt wieder zurück. Doch Eilaufträge des chinesischen Telekommunikationsausrüsters Huawei hätten Samsung vor einem größeren Gewinneinbruch in der Sparte bewahrt, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Damit profitiert der südkoreanische Konzern wie auch diverse europäische Unternehmen auf diesem Weg vor dem immer noch anhaltenden Handelskrieg zwischen den USA und China im Fokus einer Blockade-Politik der US-Regierung.

Dies fördert auch die angekündigten Wachstumspläne des niederländischen Chipindustrie-Ausrüsters ASML. Demnach erwartet das Unternehmen für 2021 ein Wachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich, wie der im niederländischen Veldhovenansässige Konzern mitteilte. Zwar verwies Unternehmenschef Peter Wennink auf anhaltende Unsicherheiten, doch gehe er ungeachtet dessen davon aus, dass Zukunftstrends wie die neue 5G-Mobilfunktechnik oder Künstliche Intelligenz die Nachfrage nach Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie weiter anschieben dürften.

ASML zählt dabei ebenso zu den großen Profiteure des US-Amerikanischen Blockadepolitik zählen: Die Vereinigten Staaten haben ein Embargo ausgesprochen, wonach jedes Unternehmen, dass Halbleiter mit Hilfe von Fertigungstechnologien herstellen, die aus den USA stammen, eine Sondergenehmigung benötigt, eher sie Chip-Produkte an den chinesischen Huawei-Konzern liefern dürfen. Mit Blick auf Lithografie- uns Maskierungstechniken ist ASML der einzige nennenswerte internationale Ausrüstungsspezialist für Chipproduktion, der seinen Hauptsitz nicht in den USA hat.

Da TSMC bereits im Mai als Reaktion auf das US-Embargo angekündigt hatte, Chip-Lieferungen an Huawei einzustellen, hatten Analysten beim taiwanesischen Auftragsfertiger eine Stagnation der Umsatzzahlen erwartet. Doch gute Geschäfte mit Smartphone-Herstellern und der Digitalisierungsboom in der Corona-Krise liefern dem Chiphersteller Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) weiter Rückenwind. Mit nun 137,3 Milliarden taiwanesischen Dollar (4,07 Mrd. Euro) sei der Nettogewinn im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 36 Prozent gestiegen, teilte das Unternehmen zum dritten Quartal mit. Analysten hatten durchschnittlich mit 126 Milliarden taiwanesischen Dollar gerechnet. Zudem hatte TSMC noch vor Inkrafttreten des Embargos Großvorratsaufträge für Huawei angenommen, die noch bis September 2020 ausgeliefert wurden.

Als Apples wichtigster Chiphersteller profitierte TSMC insbesondere von der allmählichen Erholung der Wirtschaft, sowie der üblicherweise vor der Vorstellung der neuen iPhone-Modelle guten Auftragslage. Zudem brummen bei Computer- und Notebook-Herstellern die Geschäfte seit Monaten, da wegen der Corona-Krise viele Menschen im Home Office arbeiten. Gleichzeitig werden weltweit angesichts des Cloudwachstums Rechenzentren ausgebaut.

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