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Bauteilebeschaffung Chipentwicklung gemeinsam mit dem Kunden

| Autor / Redakteur: / Margit Kuther

Kleine Änderung eines Standardbauteils mit großem Nutzen für die Kunden, das kennzeichnet das Projekt EBVchips. Details verrät Eckart Voskamp, Leiter des EBVchips-Programms bei EBV.

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Dr. Eckart Voskamp: Verantwortet seit November 2013 als Director EBVChips die strategische Umsetzung und Weiterentwicklung des EBVChips-Programms.
Dr. Eckart Voskamp: Verantwortet seit November 2013 als Director EBVChips die strategische Umsetzung und Weiterentwicklung des EBVChips-Programms.
(Bild: EBV / CHRISTOPH VOHLER)

ELEKTRONIKPRAXIS: Herr Dr. Voskamp, was sind EBVchips?

Dr. Eckart Voskamp: Unter dem Namen EBVchips definiert EBV Elektronik seit 2010 eigene Halbleiterlösungen, die mit und für Kunden entwickelt werden. Ich spreche hier nicht nur von Chips, das können auch ICs, Module, Boards, diskrete Halbleiter bis hin zu Hard- und Softwarelösungen sein.

Diese EBVchips werden von EBVs Partnern hergestellt und erfüllen Sonderanforderungen, die von den aktuell auf dem Markt verfügbaren Produkten bisher nicht abgedeckt werden. Die EBVchips sind einmalig im Markt.

Was genau macht die EBVchips für Kunden so einmalig?

Bisher war das gängige Verfahren, dass Halbleiterhersteller ihre Chips und neuesten Technologien mit Blick auf ihre Tier-1-Kunden entwickelten. Die Tier-1- oder Level-1-Kunden sind sehr wichtige, aber nur einige wenige ganz große Abnehmer, denn mehr können die Hersteller nicht direkt betreuen.

Kleine und mittlere Unternehmen mussten sich mit Chips von der Stange zufrieden geben. Mit EBVchips werden EBV-Kunden über EBV nun zum Tier-1 des Halbleiterherstellers. Denn erstmals in der Geschichte der Halbleiterbranche kümmert sich ein Distributor darum, dass auch kleine und mittelständische Unternehmen speziell auf sie zugeschnittene Produkte in den neuesten Technologien erhalten – und das zu einem fairen Preis-Leistungsverhältnis. EBV ist somit via EBVchips der verlängerte Arm vieler tausend kleinerer Kunden zum Hersteller.

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Die EBVchips sind also neu entwickelte Halbleiterlösungen?

Ja und nein. EBVchips müssen nicht komplett neue Designs sein. So hat Freescale etwa mit zwei namhaften Unternehmen aus der Automobilbranche einen Chip zur hochgenauen Steuerung von Kraftstoffeinspritzsystemen für Diesel- und Benzinmotoren entwickelt – allerdings nur für einige Automotive-Kunden. EBV hat den IC weiterentwickelt.

Als Minerva löst er nun eine ganze Reihe von Entwicklungsproblemen in ganz anderen Applikationen und steht einem weitaus größeren Kundenkreis offen. EBVchips basieren oft auf einem offiziellen Chip des Herstellers, der nach Kundenanforderungen modifiziert wird. Diese Modifizierungen sind vielfach nicht einmal sehr komplex. Meist sind es kleine Änderungen des Ausgangsbausteins, allerdings mit einem großen Nutzen. Denn diese Sonderanforderungen werden von vergleichbaren Produkten nicht angeboten.

Ergänzendes zum Thema
EBVchips
Details zu Epona, Hermes, Minerva und Titan

Epona

In Zusammenarbeit von EBV, STMicroelectronics und Kunden entstand der Lichtmaschinenregler Epona (ehemals vTaric), mit dem sich die Effizienz der Generatoren in 24- und 12-Volt-Bordnetzen, etwa in landwirtschaftlich genutzten Fahrzeugen, deutlich steigern lässt. Lichtmaschinenhersteller erhalten einen universellen Steuerungschip von Lichtmaschinen, der eine Plattformlösung unabhängig von den individuellen Anforderungen eines einzelnen OEMs ermöglicht und damit die Anforderungen mehrerer Fahrzeughersteller mit einer einzigen Hardware-Lösung abdeckt.

Hermes

Hermes, ein Chip zur leistungsfähigen Vernetzung von Energiezählern, basiert auf einem seit Jahren bewährten IC von ON Semiconductor und erfüllt alle M-Bus Spezifikationen. Der Low-Power-Modus des M-Bus-Transceivers Hermes ermöglicht etwa hocheffiziente Schaltungen, insbesondere für Wireless-M-Bus-Anwendungen. Basis dieses EBVchips ist ein komplexes Mixed-Signal-Design.

Minerva

Minerva (ehemals Solexdrive) basiert auf einem Chip, der von Freescale zur präzisen Ansteuerung der Einspritzdüsen entwickelt wurde. Der EBVChip Minerva meistert nun alle Anwendungen, die Treiber für Aktorspulen, Ventile oder induktive Stellungsantriebe benötigen, etwa für flüssige und gasförmige Stoffe in der Durchflussmessung und -Steuerung. Das Besondere des Minerva-Chips: Er ist ein Treiber zur Ansteuerung mehrerer Kfz-Einspritz- oder industrieller Magnetventile. Minerva steuert MOSFET-Paare mit vielseitigen Steuerungsmöglichkeiten und optimierter Latenzzeit an. Vier programmierbare Sequenzer einschließlich RAM sind für Gate-Ansteuerung, Diagnose und Schutz vor externen Fehlern zuständig. Ladungspumpe und Treibervorstufen ergänzen den Funktionsumfang. Dank hoher Integrationsdichte, Programmierbarkeit und umfangreicher Diagnosefunktionen eignet sich Minerva bestens für Steuerungen von Motor-Einspritzsystemen mit strengsten Emissionsauflagen.

Titan

Titan ist eine Produktfamilie von robusten, industrietauglichen Drucksensoren mit 4 ... 20-mA-Schnittstelle. Seinen Ursprung hat sie in der Automobilindustrie: Drucksensoren sind dort seit Jahren ein preiswertes Standardprodukt, entsprechen aber dennoch den hohen Qualitätsansprüchen der Automobilbranche. Für den industriellen Einsatz fehlte ihnen aber die industrierelevante 4 ... 20-mA-Schnittstelle. Immer wieder erkundigten sich EBV-Kunden nach einem Pendant für die Industrie. In Sensata Technologies fand EBV dann einen Partner zur Umsetzung des Titan-Projekts. Die EBVChips-Drucksensoren sind in Messingausführungen für die vier Druckbereiche 0 - 10 bar, 0 - 16 bar, 0 - 20 bar und 0 - 35 bar sowie in rostfreiem Stahl für 0 - 45 bar erhältlich. //MK

Können EBVchips auch auf Standardprodukten basieren?

Ja natürlich. Ein Beispiel ist der EBVchip Hermes, der von EBV und ON Semiconductor gemeinsam entwickelt wurde. Dieser energieeffiziente M-Bus-Transceiver ist ein Upgrade eines ICs, der schon seit Jahren auf dem Markt ist und so alle M-Bus-Spezifikationen erfüllt. Der platzsparende und kostengünstige EBVchip Hermes bietet eine ganze Reihe zusätzlicher Funktionen: So ermöglicht etwa die Low-Power-Betriebsart hocheffiziente Entwicklungen für Wireless-M-Bus-Applikationen.

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