Statt Übernahme durch Intel Chip-Hersteller GlobalFoundries plant baldigen Börsengang

Redakteur: Michael Eckstein

Wilder Tanz auf dem Börsenparkett statt stiller Vermählung mit Intel: Wie Reuters berichtet, plant IC-Hersteller GlobalFoundries den Gang an die Börse – und zwar so schnell wie möglich. Offenbar laufen die Vorbereitungen für das IPO bereits.

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Anbau: Um mehr Chips produzieren zu können, plant GlobalFoundries eine Vergrößerung seiner Fertigungskapazitäten unter anderen am Hauptstandort in Malta, New York.
Anbau: Um mehr Chips produzieren zu können, plant GlobalFoundries eine Vergrößerung seiner Fertigungskapazitäten unter anderen am Hauptstandort in Malta, New York.
(Bild: GlobalFoundries)

Chip-Hersteller GlobalFoundries (GF) hat bei den US-Regulierungsbehörden einen vertraulichen Antrag für einen Börsengang (IPO) in New York gestellt – das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Der Sprung auf das Handelsparkett könnte das Unternehmen mit rund 25 Milliarden US-Dollar bewerten, hätten mit der Angelegenheit vertraute Personen geschätzt.

Laut Reuters ist dieser Schritt das bisher deutlichste Zeichen dafür, dass GF nicht auf die Avancen von Chip-Riese Intel für eine Übernahme eingehen will. Unter anderem das Wall Street Journal hatte darüber berichtet, dass der kalifornische Konzern mit GF genau darüber verhandelt.

Bis dato befindet sich die aus dem Halbleiterfertigungsbereich von Advanced Micro Devices Inc (AMD) hervorgegangene IC-Schmiede im Besitz von Mubadala Investment Co, einem Staatsfonds von Abu Dhabi.

IPO könnte noch zum Jahresende kommen

Nach Angaben der Insider-Informanten von Reuters arbeitet GF mit mehreren Banken an der Vorbereitung des Börsengangs: Morgan Stanley, Bank of America Corp, JPMorgan Chase & Co, Citigroup Inc und Credit Suisse Group AG. Im Oktober werde voraussichtlich der IPO-Antrag eingereicht, Ende 2021/Anfang 2022 könnte dann der Gang an die Börse folgen – das genaue Datum hänge einerseits von der US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) ab, andererseits auch von den Marktbedingungen.

Der Börsengang von GF würde inmitten eines Booms auf den Kapitalmärkten stattfinden: In diesem Jahr sind bereits andere bekannte Namen an die Börse gegangen, etwa Robinhood Markets, Coinbase Global und Roblox Corp.

Zusammenschluss mit Intel könnten Kunden verärgern

Offiziell hat Intel noch kein Angebot für GF abgegeben – und wird dies möglicherweise auch nicht tun. In der Branche wurden rund 30 Milliarden US-Dollar (ca. 25,4 Mrd. Euro) als möglicher Kaufpreis kolportiert. Nach Angaben der Reuters-Quellen befürchtet GF jedoch, dass ein Zusammenschluss mit Intel einige seiner wichtigsten Kunden verärgern könnte – nämlich zum Beispiel diejenigen, die auch mit Intel konkurrieren, etwa Advanced Micro Devices Inc (AMD).

Außerdem könnte das Unternehmen mit einer intensiven kartellrechtlichen Prüfung durch die Regierung von US-Präsident Joe Biden konfrontiert werden, die laut den Insider transformativen Fusionen zunehmend feindlich gegenüberstehe. Mubadala, GF und Intel lehnten eine Stellungnahme ab. Die Banken, die US-Börsenaufsicht SEC, AMD und das Weiße Haus reagierten nicht sofort auf Anfrage um eine Stellungnahme.

Hohe Chip-Nachfrage: GF will sich vergrößern

GF stellt unter anderem Hochfrequenz-Kommunikationschips für 5G, Automotive und andere spezialisierte Halbleiter her und hat sich zu einer wichtigen Ressource für Unternehmen wie Intel und AMDentwickelt, die Teile ihrer Chip-Produktion dorthin ausgelagert haben. Das Unternehmen entstand, als AMD 2009 seine Fertigungsanlagen ausgliederte und Haupteigner Mubadala es später mit der übernommenen Chartered Semiconductor Manufacturing Ltd. in Singapur zusammenführte. Nach Analysen von Marktforscher Trendforce ist GF zurzeit der viertgrößte Chipauftragsfertiger weltweit – nach TSMC, Samsung und UMC.

Erst im Juli hatte der CEO von GF, Tom Caulfield, gegenüber Reuters erklärt, dass der Chiphersteller einen Börsengang im Jahr 2022 plane. GF hat sich zudem verpflichtet, die Produktion zu erhöhen, um die weltweit hohe Nachfrage nach Halbleitererzeugnissen zu befriedigen. Dafür plant das Unternehmen den Bau einer zweiten Fabrik in der Nähe seines Hauptsitzes in Malta, New York.

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