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Schweben im Vakuum Chinesischer Highspeed-Zug soll in der Röhre 2900 km/h erreichen

| Autor: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Das Prinzip erinnert an die gute alte Rohrpost: Chinesische Wissenschaftler haben einen neuartigen Hochgeschwindigkeitszug entwickelt, der in einer evakuierten Röhre theoretisch 2900 km/h erreichen könnte.

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Professor Dr. Deng Zigang steuert das Super-Maglev-Modell bei der ersten Testfahrt. Theoretisch könnte ein solches Verkehrsmittel seiner Meinung nach in einer evakuierten Röhre eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 2900 km/h erreichen.
Professor Dr. Deng Zigang steuert das Super-Maglev-Modell bei der ersten Testfahrt. Theoretisch könnte ein solches Verkehrsmittel seiner Meinung nach in einer evakuierten Röhre eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 2900 km/h erreichen.
(Bild: Imaginechina/REX)

Der „Super-Maglev“ (Superconducting Magnetic Levitation) der Forscher an der chinesischen Southwest Jiaotong University (SWJTU) in Chengdu wäre mit 2900 km/h ungefähr dreimal so schnell wie ein moderner Passagierjet. Damit die Magnetschwebebahn ein derartiges Rekordtempo physikalisch überhaupt erreichen kann, muss sie sich innerhalb einer luftdichten Vakuumröhre fortbewegen, in der sie nicht vom Luftwiderstand ausgebremst wird.

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„Mithilfe der Maglev-Fortbewegungs-Technologie ist es uns in luftleeren Röhren möglich, den Luftwiderstand vollkommen auszuschalten und dadurch die Geschwindigkeit enorm zu erhöhen“, zitiert die chinesische Tageszeitung Shanghai Daily Deng Zigang, Associate Professor und Projektleiter am Applied Superconductivity Laboratory der SWJTU. Bei gegenwärtigen Magnetschwebebahnen würde durch den Luftwiderstand mehr als 83% der eingesetzten Energie verloren gehen, skizziert der Experte die Problematik. „Unser Forschungsansatz könnte eines Tages auch abseits des Landtransports eingesetzt werden, etwa im Bereich der Raumfahrt oder für spezielle militärische Zwecke“, ist Zigang überzeugt.

Erste Labortests im 12-Meter-Ring

Ob der Super-Maglev tatsächlich auch in der Praxis halten kann, was er in der Theorie verspricht, lässt sich im Moment noch nicht endgültig abschätzen. Im derzeitigen Projektstadium wurden jedoch bereits erste Labortests des vielversprechenden technischen Konzepts durchgeführt. Dazu hat das chinesische Forscherteam eine kreisförmige Teststrecke mit einem Durchmesser von 12 m errichtet.

„Aufgrund der beschränkten Größe dieses Rings ist auch die Maximalgeschwindigkeit des Zugs bislang auf 50 km/h limitiert“, betont Zigang. Diese ließe sich in weiterer Folge durch die Verwendung höherer Temperaturen und einer weitläufigeren Teststrecke aber noch deutlich steigern, wie der Wissenschaftler erläutert.

China als globaler Vorreiter der Magnetschwebetechnik

Wenn es um den Einsatz von Magnetschwebetechnologien im öffentlichen Transport geht, zählt China zu den globalen Vorreitern. Eine entsprechende Bahnlinie, die den Pudong International Airport mit einer U-Bahn-Station am östlichen Flussufer der Innenstadt von Shanghai verbindet, wurde bereits Ende 2002 als weltweit erste ihrer Art in Betrieb genommen. Sie erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 430 km/h und bringt Fahrgäste der rund 30 km langen Strecke in knapp unter acht Minuten an ihr Ziel.

Ernsthafte Konkurrenz kommt aus den USA

Im Kampf um den Geschwindigkeitsrekord wird sich der geplante Super-Maglev in China aber womöglich auch einer ernstzunehmenden Konkurrenz aus den USA stellen müssen. So hat das ET3-Konsortium bereits 2012 das ETT-Konzept (Evacuated Tube Transport) vorgestellt und patentieren lassen, das sogar eine Spitzengeschwindigkeit von 6500 km/h ermöglichen soll und auch Techmogul Elon Musk hat im vergangenen Jahr angekündigt, unter dem Namen „Hyperloop“ einen neuen Super-Schnellzug bauen zu wollen, der Reisende in weniger als einer Stunde von der Westküste der USA an die Ostküste bringen kann.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Redakteur, ELEKTRONIKPRAXIS - Wissen. Impulse. Kontakte.