Neuer Wachstumsplan Chinesischer Eigner nimmt Kuka von der Börse

Von Sebastian Gerstl

Fünf Jahre nach der Übernahme Kukas will der chinesische Investor Midea das deutsche Unternehmen von der Börse nehmen. Ziel dieses Schritts sei ein Wachstumsplan, der den Augsburger Roboterhersteller bis 2025 zum Marktführer machen soll.

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Ein Kuka-Roboter des Typs KR Quantec . Der chinesische Midea-Konzern plant, auch die letzten Minderheitsanteile des Augsburger Roboterbauers Kuka zu übernehmen. Der Schritt weg von der Börse soll „für einen effektiveren Wachstumsweg und einen klaren Fokus auf das operative Geschäft“ sorgen.
Ein Kuka-Roboter des Typs KR Quantec . Der chinesische Midea-Konzern plant, auch die letzten Minderheitsanteile des Augsburger Roboterbauers Kuka zu übernehmen. Der Schritt weg von der Börse soll „für einen effektiveren Wachstumsweg und einen klaren Fokus auf das operative Geschäft“ sorgen.
(Bild: Kuka)

Bei Kuka stehen die Zeichen auf Aufbruch – wenn es nach dem Willen des chinesischen Mehrheitseigners, der Midea Group, geht. Wie die Tageszeitung Augsburger Allgemeine berichtet, haben Midea und Kuka einen gemeinsamen Wachstumsplan definiert, der den Augsburger Roboterhersteller bis zum Jahr 2025 in eine dominante

Position auf dem Weltmarkt bringen soll. Ein erster Schritt sei dafür das Unternehmen von der Börse zu nehmen: Midea, das 95% aller Aktienanteile an Kuka hält, hat ein Squeeze-Out-Verfahren eingeleitet. Das erlaubt es dem chinesischen Konzern, die verbliebenen Anteilsscheine der restlichen Anteilseigner gegen eine Abfindungszahlung zu übernehmen und zum alleinigen Eigentümer zu werden.

Unabhängigkeit von Börse soll Weg für neue Investitionen und Forschung ebnen

Hauptzweck dieses Schrittes soll sein, „Robotik-Expertise und Applikations-Know-how weltweit und über alle Geschäftsbereiche hinweg zu bündeln, um seine Produkte und Marktposition weiter zu verbessern", schreibt die Augsburger Allgemeine. Dazu zähle ein übergreifendes Portfolio mit regional angepassten Produkten sowie Lösungen für Wachstumsbranchen in der Robotik und Logistik, wie E-Commerce und Retail. Zu diesem Zweck sollen zudem die Investitionen für Forschung und Entwicklung in Augsburg bis 2025 um mindestens 15% erhöht werden.

Nach einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld und einem vor allem durch durch die im vergangenen Jahr einsetzende Corona-Krise verursachten Einbruch stehen bei Kuka die Zeichen im Jahr 2021 wieder auf Erfolg: Das Unternehmen möchte in diesem Jahr einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro erzielen und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von etwa 60 Millionen Euro verbuchen.

Standort in Augsburg soll „bis mindestens 2025“ erhalten bleiben

„Unser Ziel ist eine führende Rolle in der roboterbasierten Automatisierung bis 2025“, sagte Peter Mohnen, CEO der Kuka AG, gegenüber der Augsburger Allgemeinen. „Dafür brauchen wir einen klaren Fokus auf Technologieentwicklung und Innovation sowie die volle Unterstützung von Midea.“ Die gemeinsame Entscheidung mit dem Eigentümer ermögliche es dem Unternehmen, auch am Augsburger Heimatstandort wieder zu wachsen und als „attraktiver und zukunftsorientierter Arbeitgeber Talente zu gewinnen und zu fördern.“

Midea sagte im Zuge des eingeleiteten Squeeze-Out-Prozesses zu, dass bis mindestens 2025´der Produktionsstandort für Kuka in Augsburg verbleiben soll. Außerdem soll der Hauptsitz ebenfalls bis mindestens 2025 das führende R&D-Center für Kuka bleiben. Im Übrigen hat der chinesische Konzern erneut bestätigt, dass alle Zusagen aus der Investorenvereinbarung vom 28. Juni 2016 sowie der Abschirmungsvereinbarung vom 6. Oktober 2016 bis zum Ablauf dieser Vereinbarungen unverändert bestehen bleiben. Dazu gehört die Zusage, dass kein Beherrschungsvertrag abgeschlossen wird.

Der Übertragungsbeschluss für die restlichen Aktienanteile soll in der nächsten ordentlichen Hauptversammlung der KUKA gefasst werden. Diese soll voraussichtlich im Mai 2022 stattfinden.

Der chinesische Midea-Konzern hatte 2016 den deutschen Roboterhersteller übernommen, indem er den diversen Mehrheitseignern seine Aktienpakete aufkaufte. Dieser Schritt war die bis dato größte Firmenübernahme eines chinesischen Investors auf dem deutschen Markt und hatte für viel Diskussionen auch in der Politik in Berlin und Brüssel gesorgt. In der Folge wurden deutschland- wie auch EU-weit Maßnahmen diskutiert, um den Einstieg nicht-europäischer Investoren auf dem europäischen Markt schärferen Kontrollen zu unterziehen.

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