Head-Up-Displays Chinas Markt für Einblendanzeigen wächst

Autor / Redakteur: Henrik Bork / Michael Eckstein

Bislang dem Premiumsegment vieler Autobauer vorbehalten, kommen Head-Up-Displays verstärkt auch in Mittelklassefahrzeugen zum Einsatz. In China wächst nicht nur der Markt, sondern auch die einheimische Konkurrenz für Anbieter wie Continental.

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Sichtbar: Head-up-Displays blenden wichtige Informationen direkt in das Sichtfeld des Fahrers auf die Windschutzscheibe. So wird dieser nicht vom Verkehr abgelenkt.
Sichtbar: Head-up-Displays blenden wichtige Informationen direkt in das Sichtfeld des Fahrers auf die Windschutzscheibe. So wird dieser nicht vom Verkehr abgelenkt.
(Bild: Continental)

Mit der Popularität von E-Autos und smarten Cockpits wächst in China neuerdings auch die Nachfrage nach „Head-Up-Displays” (HUD). Und zwar stark. 2020 hätten sich die Auslieferungen der virtuellen Cockpit-Anzeigen im Vergleich zum Vorjahr glatt verdoppelt, auf 765.000 Stück, berichtet die chinesische Autozeitung Gasgoo.

„Die Welle der Smart Cars hat nun auch eine einsetzende Kettenreaktion im HUD-Markt ausgelöst,“ zitiert die chinesische Autozeitung einen Manager des chinesischen HUD-Lieferanten „Foryou Group“. Vorbei seien die Zeiten, wo solche Bildschirm-Komponenten, die dem Fahrer Warnungen des Fahrassistenz-Systems ins Blickfeld einblenden, nur im Premiumsegment zum Einsatz kommen.

HUD verstärkt auch im mittleren Preissegment

Vielmehr sorge die wachsende Konkurrenz unter den Autoherstellern in China, besonders bei modernen E-Autos, nun für eine schnelle Adoption der neuen Technik auch im mittleren Marktsegment, heißt es. In der ersten Hälfte dieses Jahres seien bereits 503.200 Sets ausgeliefert worden, was einer Marktpenetration von fünf Prozent entspreche, schreibt Gasgoo.

Damit beginnt für die Hersteller von HUD-Systemen in China nun eine goldene Ära. Da die Verbraucher in China immer größeren Wert auf Sicherheit legen, steige mit dem allmählichen Siegeszug des autonomen Fahrens auch die Nachfrage nach HUD, berichtet die chinesische Autozeitung. Schon im Jahr 2025 werde eine Marktpenetration von rund 40% erwartet, was einer Produktion von neun Millionen Einheiten entspricht, prognostiziert Gasgoo.

Gute Nachrichten für Continental & Co

Das sind gute Nachrichten für Hersteller wie die deutsche Continental AG oder auch NIPPON SEIKI aus Japan, die momentan mit HUD-Anlagen in China lukrative Geschäfte machen. Die fünf größten Hersteller, zu denen auch Denso aus Japan und Visteon aus den USA zählen, beherrschen zur Zeit noch 95% dieses Wachstumsmarktes in der Volksrepublik.

Doch die chinesischen Hersteller sind den Ausländern schon dicht auf den Fersen. In den vergangenen drei Jahren hätten sich „viele chinesische Lieferanten etabliert” und profitierten von explosivem Wachstum, darunter etwa die Foryou Group, Futurus, Crystal Optech und Raythink, heißt es in chinesischen Medien.

Besonders der Marktanteil der Foryou Group ist schnell gestiegen. Sowohl der chinesische Autohersteller Great Wall als auch Nissan zählen zu den Kunden des chinesischen Unternehmens. Seit Anfang dieses Jahres sind zudem neue Bestellungen von anderen chinesischen OEM bei Foryou eingegangen, etwa von Changan, GAC, BAIC oder Chery.

Nach W-HUD kommen AR-HUD

Momentan sind sogenannte W-HUD-Modelle noch am verbreitetsten, doch immer mehr Autofirmen stellen allmählich auf AR-HUD um. Die können bislang nur von internationalen Firmen wie Continental oder Nippon Seiki in Serie hergestellt werden.

Aber heimische, chinesische Hersteller sind „nicht mehr weit zurück“, hieß es. Bei der Foryou Group solle die Serienproduktion von AR-HUD auf der Basis von DLP- und TFT-Lösungen noch in diesem Jahr beginnen, schreibt Gasgoo.

Mit AR-HUD können Informationen der ADAS-Fahrassistenz-Systeme hinter die Windschutzscheibe in das Blickfeld der Fahrer projiziert werden, etwa Karten und Anweisungen zur Navigation, Warnungen vor Kollisionen oder Personen auf der Fahrbahn, sowie dem versehentlichen Verlassen der Fahrbahn.

Großes Marktpotenzial in China

International rechnen Marktforschungsinstitute damit, dass der Markt für solche Head-Up-Displays bis 2025 von derzeit rund 866 Millionen US-Dollar auf 3,4 Milliarden Dollar wachsen wird, berichtet das chinesische Autoportal Yicai.

Während für internationale Zulieferer die Konkurrenz in China immer stärker wird, wächst also gleichzeitig der „Kuchen“, von dem sich alle HUD-Hersteller ein Stück abschneiden können.

* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den chinesischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.

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