Medizinelektronik Chinas Chip-Hersteller drängen auf den Smart-Health-Markt

Autor / Redakteur: Henrik Bork / Michael Eckstein

Der Smart-Health-Markt wächst – besonders schnell in China. In den Entwicklungsabteilungen kommen meist EKG-Chips von Firmen wie Texas Instruments oder Analog Devices zum Einsatz. Nun schicken sich chinesische IC-Hersteller an, den Platzhirschen Konkurrenz zu machen.

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In China gibt es einen Run auf Fitness Tracker. Den wachsenden Markt wollen einheimische Chip-Hersteller nicht den prominenten Platzhirschen überlassen.
In China gibt es einen Run auf Fitness Tracker. Den wachsenden Markt wollen einheimische Chip-Hersteller nicht den prominenten Platzhirschen überlassen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Chinas Elektronikindustrie hat EKG-Chips als große Marktchance entdeckt. Nachdem die Gesundheitsfunktionen der Apple Watch in China gerade offiziell zugelassen worden sind, haben auch chinesische Hersteller eigene „tragbare Messgeräte“ angekündigt. Eine Reihe heimischer Chipfabrikanten, darunter Cyzur Semiconductor und Goodix schicken sich nun an, ausländischen Marktführern im Bereich der Bioelektronik-Chips ernste Konkurrenz zu machen.

„Wearable devices“ mit immer mehr und immer besseren Gesundheitsfunktionen sind auch in China ein großer Trend. Eine große und schnell alternde Bevölkerung, deren Gesundheitsversorgung noch suboptimal ist, ist genau wie die Konsumenten im Westen stark an Schritt- und Herzschlags-Aufzeichnungen, Monitoren zur Überwachung der Schlafqualität oder der Sättigung von Sauerstoff im Blut interessiert.

Die meisten Spezialchips kommen von ausländischen Konzernen

Noch dominieren ausländische Konzerne wie Texas Instruments oder Analog Devices global den Markt für die Spezialchips, mit denen die schwachen bioelektrischen Signale etwa am Handgelenk aufgefangen werden können. Doch die chinesischen Aufsteiger der Branche sind ihnen seit kurzem dicht auf den Fersen.

Cyzur Semiconductor, ein in Shanghai beheimatetes chinesisches Unternehmen, hat einen eigenen Bio-Chip entwickelt, der EKG-, Elektromyographie (EMG-) und Elektroenzephalogramm (EEG)-Aufzeichnungen ermöglicht.

Chinesische Chiphersteller zielen auf Smart Health als Wachstumsmarkt

„Die meisten dieser Chips kommen momentan noch aus dem Ausland nach China,“ sagte Deng Chenxi, der CEO von Cyzur Semiconductor (auf Englisch auch unter dem Namen „CyzurTech“ bekannt) Mitte September auf einer Industrie-Veranstaltung in Shanghai. Das wollten er und seine Konkurrenten in China nun ändern, sagte er. „Vor dem Hintergrund der Ära der heimischen Substitution gibt es für die Entwicklung von Chips für solche Produkte noch beachtliche Zukunftschancen,“ sagte der Chef des führenden chinesischen Bio-Chip-Fabrikanten.

Sein neuester Chip habe bereits einen „hohen Grad an Integration“ erzielt und zeichne sich durch einen „sehr geringen Energieverbrauch“ aus, sagte der CEO auf einem Diskussionsforum der Halbleiter-Industrie im Industriepark Lingang bei Shanghai. Anders als bei Chips für die traditionellen medizinischen Messgeräte in Krankenhaus seien solche Eigenschaften für Smart Watches und andere „Out-of-hospital“-Anwendungen besonders wichtig, sagte Deng.

Rasantes Wachstum bei Smart Watches

Seine Firma erwarte, dass die Produktion von tragbaren Geräten wie etwa Smart Watches, von denen sehr viele in China produziert werden, in den kommenden fünf Jahren von derzeit rund 445 Millionen Einheiten auf mehr als 1,3 Milliarden Einheiten wachsen werden, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 25% entspreche, sagte der chinesische CEO.

Das chinesische Unternehmen Goodix macht ebenfalls beachtliche Fortschritte im selben Segment. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres habe Goodix seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 82% steigern können, berichtet das chinesische Wirtschaftsblatt Meiri Jingji Xinwen, auf 840 Millionen Yuan (rund 111 Millionen Euro).

Marktreife Messchips erfassen Gesundheitsparameter

Goodix Technology, eigenen Angaben zufolge ein „integrierter Anbieter von Lösungen für Anwendungen, die auf IC-Design und Software-Entwicklungen beruhen” in Shenzhen, hat eine dreifache Monitor-Anwendung für den Herzschlag, den Blutsauerstoffgehalt und ein EKG entwickelt und zur Marktreife gebracht.

Noch sind die meisten chinesischen Chips und maßgeschneiderten Anwendungen in diesem Bereich ihren ausländischen Konkurrenten, vor allem Texas Instruments (TI) und Analog Devices (ADI), technisch noch unterlegen.

China fördert heimische Chipindustrie massiv

Doch die chinesischen Verfolger vereint ein großer Vorteil: Die Demütigung, die der ehemalige US-Präsident Donald Trump mit seinem Halbleiter-Boykott und dem Imageschaden für Chinas Vorzeige-Unternehmen Huawei erzielen konnte, hat in den Korridoren der Macht den unbedingten Willen zu einer unabhängigen chinesischen Halbleiter-Industrie bekräftigt. Peking fördert heimische Chip-Fabrikanten seither wo es nur kann.

Huawei habe bereits vier medizinische Geräte bei den Gesundheitsbehörden zur Lizenzierung angemeldet – ein EKG-Blutdruck-Messgerät, eine System zur Analyse der EKG-Werte, eines zur Analyse von Herzrhythmus-Störungen, sowie einen speziellen EKG-Kollektor für das Handgelenkt, berichtet das Wirtschaftsmagazin Caijing. Auch Oppo, ein weiterer chinesischer Elektronikhersteller, ist inzwischen in dem Segment unterwegs.

Die Popularität der Gesundheitsfunktionen lässt den chinesischen Markt für entsprechende Smart Watches wachsen, während die erwähnte politische Konstellation die Marktchance für heimische, chinesische Chip-Produzenten in dem Segment gerade deutlich verbessert hat.

* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den chinesischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.

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