Chinas „Big Fund“ investiert Milliardenbeträge in High-End-Chips

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Technologischer Sprung nach vorn? China gibt jährlich 260 Milliarden Dollar für den Import elektronischer Geräte mit High-End-ICs aus. Chinas Integrated Circuit Industry Investment Fund, kurz "Big Fund", will eine vergleichbare Summe speziell in den Ausbau einer heimischen High-End-IC-Produktion investieren. Ziel ist die langfristige Unabhängigkeit vom Weltmarkt.
Technologischer Sprung nach vorn? China gibt jährlich 260 Milliarden Dollar für den Import elektronischer Geräte mit High-End-ICs aus. Chinas Integrated Circuit Industry Investment Fund, kurz "Big Fund", will eine vergleichbare Summe speziell in den Ausbau einer heimischen High-End-IC-Produktion investieren. Ziel ist die langfristige Unabhängigkeit vom Weltmarkt. (Bild: ©Maxim_Kazmin - stock.adobe.com)

China will sich von seinen Abhängigkeiten auf dem IC-Markt befreien: Der China Integrated Circuit Industry Investment Fund – volkstümlich „Big Fund“ genannt – plant, Milliardensummen in den Aufbau der chinesischen Chipindustrie zu pumpen.

Schon 2014 hatte China damit begonnen, in die Entwicklung von High-End-Chips investieren. Nun plant man offenbar einen großen Sprung nach Vorne: Milliardensummen in dreistelliger Höhe sollen in die Hand genommen werden, um sicherzustellen, dass nur qualitativ hochwertige Produkte hergestellt werden, sagte der Leiter des nationalen Halbleiterfonds des Landes. Ähnlich wie in der Automatisierungsbranche ist das Ziel, China so langfristig von den Importen der Chips unabhängig zu machen.

„Wir sollten uns auf jeden Fall auf die Entwicklung von High-End-Chips konzentrieren, insbesondere im Bereich CPUs, FPGAs und Speicherchips“, sagte Ding Wenwu, Präsident des China Integrated Circuit Industry Investment Fund, auch bekannt als „Big Fund“, in einer Rede auf der SEMICON China Messe am Donnerstag.

Der Fonds befindet sich nun in der zweiten Phase der Kapitalbeschaffung. In seiner ersten Phase im Jahr 2014 hatte der Fond knapp 22 Mrd. Dollar gesammelt. Damals wurde der „Big Fund“ mit Unterstützung des Finanzministeriums und anderer von Peking unterstützter Einrichtungen ins Leben gerufen. Der Kapitalinvestor ist Chinas prominentestes Investitionsvehikel. Ziel des Fonds ist, den Aufbau eines wettbewerbsfähigen Chip-Ökosystems in China voranzutreiben.Der Big Fund will vor allem dafür sorgen, dass die Investitionen abgestimmt verlaufen, dass die verschiedenen Beteiligten das Rad nicht zweimal erfinden, sich selber Konkurrenz machen und dass sie nicht in die Fertigung von Low-End-ICs investieren.

"Wir fordern die Kommunalverwaltungen nachdrücklich auf, rational in Halbleitersegmente zu investieren, und wir sind ausdrücklich gegen die Idee, dass sie ähnliche und Low-End-Chips bauen", sagte Ding auf die Frage, wie seine Agentur die Qualität der Investitionen sicherstellen würde, um eine Angebotsschwemme zu vermeiden.

Höhere Abhängigkeit von Chips als von Erdöl

Darüber hinaus fügte Ding hinzu, dass die Entwicklung der Halbleiterindustrie Chinas oberste Priorität sei. China importierte 2017 mehr als 260 Milliarden Dollar an Chip-bezogenen Produkten – eine viel größere Menge, als es für Öl ausgibt, so Ding. Daher haben die Produktion und Entwicklung insbesondere von hochleistungsfähigen ICs Auswirkungen auf die nationale Sicherheit und bilden einen starken Anreiz für China, unermüdlich an der Ausweitung des Sektors zu arbeiten.

China hat zwei namhafte Hersteller von mobilen Kernprozessoren - Huawei's Hisilicon Technologies und Tsinghua Unigroup's Unigroup Spreadtrum & RDA. Aber es besitzt keine substantiellen Speicherchip-Giganten wie Samsung Electronics, SK Hynix, Western Digital und Toshiba, größere Speicher-Player wie die in Taiwan ansässigen Innodisk und Winbond oder FPGA-Chiphersteller wie Xilinx und das von Intel einverleibte Altera, das nun als Intel PSG firmiert.

In den letzten drei Jahren investierte der Big Fund in eine Vielzahl von Unternehmen, darunter Semiconductor Manufacturing International, Jiangsu Changjiang Electronics Technology, Unigroup Spreadtrum & RDA und Yangtze Memory Technology. Letzteres Unternehmen will noch in diesem Jahr mit der Massenfertigung von NAND-ICs beginnen. Marktbeobachtern zufolge soll Smartphone- und Computerhersteller Apple bereits Interesse bekundet haben.

Der Fonds finanzierte auch Naura Microelectronics Equipment und Advanced Micro-fabrication Equipment - beides entfernte Pendants westlicher Chip-Getriebe-Giganten wie Applied Materials, Lam Research und ASML.

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