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China verbietet Einsteiger-Programmiersprache Scratch

| Redakteur: Margit Kuther

Scratch, die weit verbreitete visuelle Programmiersprache für Kinder, darf in China nicht mehr verbreitet werden. Der Bann könnte eine Retourkutsche für das geplante TikTok-Verbot in den USA sein.

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Scratch: Die Programmiersprache für Kinder ist etwa Teil des Raspberry OS.
Scratch: Die Programmiersprache für Kinder ist etwa Teil des Raspberry OS.
(Bild: The MagP, Learn to Code with scratch; raspberrypi.org)

Scratch, entwickelt vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), richtet sich primär an Kinder und Jugendliche, eignet sich aber für alle, die in die Programmierung einsteigen wollen. Denn im Gegensatz zu textbasierenden Programmiersprachen wie C können selbst Programmierneulinge mit dem auf Grafik basierenden Scratch binnen weniger Minuten kleine Programme erstellen.

Scratch ist unter anderem Teil des Betriebssystems Raspberry Pi OS (vormals Raspbian) für die Mini-PC-Platine Raspberry Pi. Das Programmiertool ist in über 150 Ländern und über 40 Sprachen verbreitet. Doch China hat das Tool nun verbannt, so Pressetext, denn laut chinesischen Behörden enthielten Projekte auf Scratch fälschliche Aussagen über die Volksrepublik, weswegen die Programmiersprache dort jetzt verboten sei.

Retourkutsche wegen TikTok

„Die Sperrung von Scratch könnte eine Retourkutsche gegen den geplanten TikTok-Bann der US-Regierung sein. Die USA sind schon lange Chinas größter Digitalsierungsgegner. Die Volksrepublik ist sehr bedacht darauf, die Datenhoheit zu behalten und digitale Inhalte zu kontrollieren. Das gilt besonders für die Ausbildung der Kinder, die von westlichen Einflüssen isoliert werden sollen. Durch die Abschottung findet in China eine eigene Form von Digitalisierung statt“, erklärt Kommunikationsexperte Christian Scherg.

Laut Online-Nachrichtenportal TechCrunch versucht China momentan, Programmieren im Lehrplan stärker zu fördern. Scratch war bislang dafür als Lernwerkzeug sehr beliebt, etwa drei Mio. registrierte User befinden sich in der Volksrepublik. Jedoch ist die Reichweite der Programmiersprache in Wahrheit deutlich größer, weil viele chinesische Entwickler sie als Basis für ähnliche Tools verwenden.

Hongkong und Taiwan als Staaten

Doch China sieht die Inhalte in den Scratch-Projekten als angriffig. Besonders problematisch sei staatlich geführten Medien zufolge, dass Hongkong, Taiwan und Macau darin als eigene Staaten angegeben sind. Außerdem müsse jeder Online-Service, der Informationen verbreitet, sich an lokale Regulierungen halten, was bei Scratch nicht der Fall sei.

Der Bann bedeutet nicht, dass die Programmiersprache in China komplett verschwinden wird. Das Programm "Scratch Editor" kann nach einem Download auch offline verwendet werden. Chinesische Nutzer, die Scratch bereits heruntergeladen haben, können die Anwendung also weiterhin nutzen. Scratch hat in China viele Rivalen, darunter das Shenzhen-Start-up ‘Code Mao’, welche das US-Tool obsolet machen sollen.

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