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China subventioniert Wasserstoff – Toyota steht bereit

| Autor / Redakteur: Henrik Bork* / Sven Prawitz

Toyota setzt auf Wasserstoff, wenn es um die Mobilität der Zukunft geht. Jetzt haben die Japaner einen neuen Partner gewonnen: China.

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Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
(Source: Deposit Photos)

Zwei eher unscheinbare Meldungen aus der Volksrepublik, beide aus den vergangenen Tagen, könnten als wichtiger Wendepunkt im Technologiestreit zwischen Elektrobatterien und Brennstoffzellen in die Geschichte eingehen.

Es gibt keinen zweiten Automobilmarkt mit einem solchen Gefühl von Geschwindigkeit.

Shigeki Terashi, Toyota

Die erste Meldung: Toyota hat mit fünf chinesischen Partnern ein Gemeinschaftsunternehmen für Brennstoffzellen für Nutzfahrzeuge gegründet. Gemeinsam mit gleich mehreren großen chinesischen Herstellern investieren die Japaner fünf Milliarden japanische Yen (rund 42 Millionen Euro) in ein Joint Venture, das in Peking die Zukunftstechnologie marktreif machen soll, zunächst durch gemeinsame Forschung und Entwicklung.

China setzt auf Wasserstoff

Und die zweite Meldung: Chinas Zentralplaner haben die Förderung von Wasserstoff gerade zum ersten Mal offiziell in ihre nationalen Entwicklungspläne aufgenommen. Dies hat große Implikationen für die internationale, vor allem auch die deutsche Automobilindustrie. Sollte sich die Technologie in China durchsetzen, was gerade ein gutes Stück wahrscheinlicher geworden ist, China also noch „grüner“ wird, müssten auch andere Hersteller ihre Zurückhaltung aufgeben. So ähnlich geschieht es gerade schon beim Thema Elektroautos.

Toyota gab am Freitag (5. Juni) bekannt, gemeinsam mit führenden chinesischen Autoherstellern die United Fuel Cell System R&D zu gründen – ein neues Forschungs-Joint-Venture, abgekürzt FCRD. Beteiligt sind auf chinesischer Seite die FAW Group, die Dongfeng Motor Corporation, die Beijing Automotive Group (BAIC) und der Brennstoffzellen-Entwickler Beijing Sino Hytec.

Der japanische Automobilhersteller, der seit langem auf Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb setzt, hält 65 Prozent der Anteile, Sino Hytec 15, und die anderen Teilhaber jeweils fünf Prozent. Das gemeinsame Ziel sei es, die „Verbreitung von Elektrofahrzeugen mit Brennstoffzellen zu fördern und wettbewerbsfähige Brennstoffzellen-Systeme zu entwickeln, die China gesetzlichen Bestimmungen entsprechen“, heißt es in Toyotas Presseerklärung.

Nationale Strategie für Wasserstoffindustrie

Beinahe zeitgleich, am 29. Mai, verabschiedete der Nationale Volkskongress in Peking den landesweiten wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsplan für 2020. Er fordert die Formulierung eines „nationalen, strategischen Plans für die Entwicklung der industriellen Wasserstoffindustrie“ und weitere Unterstützung von „New Energy Vehicles (NEV)“, zu denen Peking mit Lithiumbatterien betriebene Elektrofahrzeuge und Brennstoffzellen-Fahrzeuge zählt.

„Es ist bemerkenswert, dass Wasserstoffenergie zum ersten Mal im nationalen Entwicklungsplan enthalten ist“, schreibt das chinesische Auto-Fachportal gasgoo.com. Dies ebnet den Weg für mehr Förderungen für Brennstoffzellen-Fahrzeuge, wie sie bereits in einem Gesetzesentwurf für das neue Energiegesetz Chinas stehen.

Brennstoffzellen-Nutzfahrzeuge in Kommunen

In einem ersten Schritt werden mehr Kommunen angehalten werden, ihre Nutzfahrzeuge auf die umweltfreundliche Wasserstoff-Technik umzurüsten. Wasserstoff-Stationen zum Auftanken werden vom Staat gefördert werden. Und ein Normen- und Regelwerk für Brennstoffzellen soll forciert entwickelt werden.

„Es gibt keinen zweiten Automobilmarkt mit einem solchen Gefühl von Geschwindigkeit, und ich bin extrem zuversichtlich, dass wir hier Partner gewonnen haben, mit denen wir für das gemeinsame Ziel eines wachsenden Gebrauchs von Brennstoffzellen-Fahrzeugen arbeiten können“, sagte Shigeki Terashi, Geschäftsführer von Toyota, bei der Gründung des Joint-Ventures in Peking.

Experten sind sich einig, dass Brennstoffzellen der umweltfreundlichste Antrieb für Fahrzeuge ist, der bislang entwickelt worden ist. Nur Wassertropfen bleiben bei der Fahrt als Rückstand zurück, und zumindest beim Einsatz von „grünem Wasserstoff“ ist auch die gesamte Umweltbilanz viel besser als bei Lithiumbatterien.

Politik fördert Brennstoffzellen-Technologie

Ohne Unterstützung seitens der Politik kann sich die Technologie jedoch schlecht durchsetzen, vor allem weil der Aufbau von Wasserstoff-Tankstellen sehr teuer ist. Toyota baut in Nagoya in einem futuristischen, mit modernster Technologie ausgestattetem Autowerk seine Wasserstoff-Limousine Mirai, konnte bislang jedoch nur einige Tausend davon verkaufen.

Politischer Rückenwind in China, zunächst für Busse und Lkws, hat das Potenzial, der bislang von der Politik eher stiefmütterlich behandelten Brennstoffzellen-Industrie sowohl in China, wie auch international zum Durchbruch zu verhelfen. Dies macht Toyotas Joint-Venture-Gründung in Peking zu einem zeitlich hervorragend geplanten Schachzug. Die Japaner setzen darauf, dass dann auch für Passagierfahrzeuge langfristig kein Weg an den Brennstoffzellen vorbeiführen wird.

Diese Meldung stammt aus der Redaktion der Automobil Industrie.

Über den Autor

*Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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