IT-Messe Cebit startet mit Bekenntnissen zur Datensicherheit

Autor / Redakteur: dpa / Peter Koller

Seltene Eintracht zum Cebit-Start: Politiker und Datenbosse bekennen sich zu Datenschutz und Verantwortung im Umgang mit Informationen der Nutzer. Die Computermesse, die jetzt auf Profi-Besucher ausgerichtet ist, gerät stärker als gedacht in die Ausläufer des NSA-Skandals.

Forderte zum Messeauftakt internationale Anstrengungen für eine neue Datenschutz-Politik: Bundeskanzlerin Angela Merkel
Forderte zum Messeauftakt internationale Anstrengungen für eine neue Datenschutz-Politik: Bundeskanzlerin Angela Merkel
(Deutsche Messe)

Die weltgrößte Computermesse Cebit startet heute mit dem Ruf nach mehr Datenschutz. Kanzlerin Angela Merkel forderte nach dem NSA-Skandal internationale Anstrengungen für eine neue Politik. „Ich glaube, wir sind erst am Anfang dessen, was da zu leisten ist, denn das kann natürlich national alleine nicht gemacht werden“, betonte sie in der Eröffnungsrede am Sonntagabend in Hannover. „Wir haben jetzt erst einmal unsere Hausaufgaben in Europa zu machen.“

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und Großbritanniens Premier David Cameron – Großbritannien ist in diesem Jahre Cebit-Partnerland – setzen sich gemeinsam für einen leistungsfähigen digitalen Binnenmarkt in Europa ein. „Der digitale Markt ist unsere Zukunft“, sagte Merkel bei ihrem traditionellen Rundgang auf der weltgrößten Computermesse CeBIT in Hannover. An der Seite von Cameron warb sie für ein gemeinsames europäisches Regelwerk, das die digitale Infrastruktur des Kontinents voranbringt. Es gehe auch um den Ausbau des Breitbandnetzes. Die Bundesregierung will auf der CeBIT ihre digitale Agenda vorstellen.

Cameron machte nur einen Teil des Messerundgangs mit, blieb den Ständen von auf Datenschutz und Verschlüsselungstechnik spezialisierten Unternehmen aber fern. Die Rolle der britischen NSA-Partnerdienstes GCHQ in dem seit Monaten köchelnden Überwachungsskandal wurde in Hannover nicht angesprochen. Merkel sagte zum Abschluss ihres Rundgangs, es sei ein guter Schachzug der Cebit gewesen, Großbritannien dieses Jahr zum Partnerland zu machen.

Mit Blick auf die deutsche IT-Industrie erklärte sie: „Die Cebit zeigt: Wir sind an vielen Stellen recht gut, aber wir müssen uns ran halten, dass nicht andere besser sind - und an einigen Bereichen müssen wir sogar aufholen, das muss man ganz nüchtern sehen.“ Es gelte, die jungen innovativen Firmen besser zu fördern als bisher. Bei den Anwendungen sei Deutschland in vielen Bereichen gut dabei.

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn schlug eine Allianz der Autobauer gegen Datenmissbrauch in vernetzten Fahrzeugen vor. „Das Auto darf nicht zur Datenkrake werden“, betonte er. Die Autobauer schützten ihre Kunden vor Gefahren wie Aquaplaning, Sekundenschlaf oder Staus. „Und mit dem gleichen Pflichtbewusstsein werden wir unsere Kunden auch vor dem Missbrauch ihrer Daten schützen“, sagte der VW-Chef. „Wir brauchen eine Art Selbstverpflichtung der Automobilindustrie.“

Schon in den ersten Ankündigungen am Sonntag war zu spüren, dass die IT-Branche die veränderte Stimmung nach den NSA-Enthüllungen auch als Chance nutzen will. So hat die Düsseldorfer Firma Secusmart, die Technik für abhörsichere Handys der Bundesregierung stellt, große Pläne für den Massenmarkt. Zusammen mit dem Mobilfunk-Riesen Vodafone soll Sprachverschlüsselung für Firmen und Verbraucher vermarktet werden.

Die Cebit-Macher hatten sich auf die Big Data genannte Auswertung großer Datenmengen zusammen mit einem verantwortungsvollen Umgang mit den Informationen als Leitmotiv für dieses Jahr eingestellt. Dafür erfanden sie das Kunstwort Datability. Die Diskussionen auf der Cebit drifteten allerdings darüber hinaus noch stärker zum Thema Datensicherheit ab.

„Wer Daten nutzen will, muss auch für ihren Schutz eintreten“, sagte der Präsident des IT-Branchenverbandes Bitkom, Dieter Kempf. Zugleich betonte er, die Vernetzung des Alltags sei nicht aufzuhalten: „Es wird alles digitalisiert werden, was sich digitalisieren lässt.“

Die VW-Tochter Audi demonstrierte zur Eröffnung als Weltpremiere einen Prototypen des Cockpits für ein selbstfahrendes Auto. Die Studie „James 2025“ hat ein Lenkrad, das sich im Autopilot-Modus auseinanderklappt und zurückweicht sowie eine in der Konsole verschwindende Instrumententafel.

Die Cebit richtet sich in diesem Jahr erstmals ausschließlich an professionelle Anwender. An den fünf Messetagen bis Freitag werden rund 230 000 Fachbesucher erwartet - so viele wie 2013. Damals kamen allerdings noch 43 000 Privatbesucher dazu. Erstmals seit 2008 kommen nach Angaben der Cebit mit 55 Prozent wieder mehr als die Hälfte der rund 3400 Aussteller aus dem Ausland. „Die Cebit ist die einzige Veranstaltung, die die Wertschöpfungskette der gesamten Branche abbildet“, betonte Messe-Chef Oliver Frese.

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