Ökodesign-Richtlinien

CE- und ErP-Leitfaden helfen Elektronik-Distributoren beim Umsetzen der Ökodesign-Anforderungen

16.09.2010 | Redakteur: Margit Kuther

Nadine Pelikan: „Die Leitfäden des FBDi, der CE- und der ErP-Leitfaden, helfen Distributoren durch den Dschungel der Ökodesign-Anforderungen.“
Nadine Pelikan: „Die Leitfäden des FBDi, der CE- und der ErP-Leitfaden, helfen Distributoren durch den Dschungel der Ökodesign-Anforderungen.“

Im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) sollen nur Produkte, die umweltgerecht gestaltet sind, im freien Warenverkehr zugelassen werden. Deshalb wird die Einhaltung der ErP-Richtlinie (2009/125/EG) und der CE-Richtlinien (93/68/EWG) verstärkt kontrolliert. Die Ökodesign-Anforderungen werden für den Distributor zunehmend zum Spießrutenlauf. Ist er nämlich Inverkehrbringer, muss er das CE-Zeichen anbringen und übernimmt alle Pflichten.

Bisher wurden z. B. schon die Durchführungsbestimmungen für Standby– und Scheinaus-Verluste, Set-Top-Boxen, Büro- und Straßenbeleuchtung und externe Stromversorgungseinheiten in Kraft gesetzt. Speziell Unternehmen mit kleinem Personalstamm stehen hier vor einer großen Herausforderung.

Nadine Pelikan, stellv. Vorsitzende des Arbeitskreises Umwelt & Compliance, FBDI e.V., stellt sich den Fragen der ELEKTRONIKPRAXIS.

ELEKTRONIKPRAXIS: Frau Pelikan, können Sie uns kurz die Problematik der CE- und ErP-Richtlinien für die Distribution erläutern?

Nadine Pelikan: Im Focus der Bauelemente-Distribution steht vor allem die ErP-Richtlinie (2009/125/EG). Diese wurde in Deutschland im Energiebetriebene-Produkte-Gesetz, kurz EBPG, in nationales Recht umgesetzt. Ebenfalls im Fokus steht die EMV-Richtlinie (2004/108/EG). Beide sind als CE-Richtlinien bekannt.

Ziel ist es, die Energieeffizienz energierelevanter Produkte zu verbessern. Die CE-Richtlinien umfassen ca. 30 geltende EU-Richtlinien. Produkte, die das CE-Kennzeichen tragen, müssen allen jeweils zutreffenden Richtlinien entsprechen. Gemäß ErP-Richtlinie ist ein Hersteller bzw. sein Beauftragter in der EU dazu verpflichtet, die Konformität des Produktes mit den Anforderungen der Richtlinie nachzuweisen und das Produkt mit dem CE-Kennzeichen zu versehen. Außerdem muss er das Konformitätsbewertungsverfahren in Form eines Prüfberichts nachweisen und eine EG-Konformitätserklärung erstellen. Ein in der EU ansässiger Importeur darf ohne Beauftragung durch den Hersteller das CE-Zeichen nicht anbringen.

Die neuen Richtlinien führen in der Branche sicher zur Verunsicherung?

Ja. Immer wieder treten Unsicherheiten auf, ob für die elektronischen Bauelemente eine CE-Kennzeichnungspflicht besteht oder nicht. Deshalb nehmen die neuen Leitfäden des FBDi – der CE-Leitfaden und der ErP-Leitfaden - auf diese beiden Richtlinien Bezug. Wie wir es bereits vom Traceability-Leitfaden kennen, fokussieren auch diese die speziellen Erfordernisse der Distribution und ihrer Kunden. Damit wirken sie einer aufwändigen Bürokratie entgegen, zudem tragen sie zu einer Vereinheitlichung der Argumente der Distributoren gegenüber den Herstellern bei.

Warum gewinnt die Marktüberwachung gerade jetzt so sehr an Aufmerksamkeit?

Im Zuge der europaweiten Harmonisierung wurden die Verordnungen 765/2008/EG und 768/2008/EG aktualisiert. Sie gelten übergreifend für alle EU-Richtlinien. Seit Jahresanfang sind die EU-Mitgliedsstaaten verstärkt aufgefordert, durch entsprechende Marktüberwachungsmaßnahmen die ordnungsgemäße Umsetzung zu kontrollieren. Das heißt, dass jetzt spezielle Marktüberwachungsbehörden, z.B. Zollbehörden oder die BAM, die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, verstärkt im Einsatz sind. Die Marktaufsicht ist auch auf Messen aktiv. Sie überprüft die korrekte Einhaltung aller EU-Richtlinien.

Vor welche Probleme stellt die CE-Kennzeichnung die Distributoren?

Settop-Box: In Kraft gesetzt sind bereits die Durchführungsbestimmungen für Standby– und Scheinaus-Verluste, Set-Top-Boxen, Büro- und Straßenbeleuchtung und externe Stromversorgungseinheiten
Settop-Box: In Kraft gesetzt sind bereits die Durchführungsbestimmungen für Standby– und Scheinaus-Verluste, Set-Top-Boxen, Büro- und Straßenbeleuchtung und externe Stromversorgungseinheiten

Falls der Hersteller keine Niederlassung im Land des Imports in die EU hat, kann er den Distributor als Inverkehrbringer beauftragen, das CE-Zeichen aufzubringen und die EG-Konformitätserklärung zu erstellen. Dann übernimmt der Distributor automatisch alle Pflichten. Hat der Hersteller keinen Beauftragten in der EU, dürfen die Produkte nicht in die EU eingeführt werden, es sei denn, der Importeur labelt um mit eigenem Logo. So wird er der Hersteller im Sinne der Richtlinien.

Bei der CE-Kennzeichnung muss der Distributor wissen, welche der derzeit ca. 30 geltenden EU-Richtlinien auf das Produkt anwendbar sind. Auch das CE-Kennzeichen selbst ist in einer eigenen Richtlinie (93/68/EWG) festgelegt. Die Anforderungen der für das Produkt geltenden EU-Richtlinien und die daraus entstehenden Pflichten müssen dem Inverkehrbringer bekannt sein. Er muss sich hierzu ständig über neue Richtlinien und Änderungen informiert halten. Für dieses tiefe Fachwissen muss er sehr viel Zeit investieren, die er niemandem in Rechnung stellen kann. Zudem übernimmt er mit der CE-Kennzeichnung die volle Verantwortung für die Sicherheit der Produkte.

… in der praktischen Umsetzung?

Es ist aber verstärkt zu beobachten, dass Produkte mit täuschend echt aussehenden CE-Kennzeichen im Markt auftauchen. Diese „falschen“ CE-Zeichen stehen hier nicht für die Produktkonformität, sondern für andere Kennzeichnungen, z. B. China Export, das vorwiegend auf Billigprodukten aus China angebracht ist. Insbesondere für kleine Unternehmen, die keinen Verantwortlichen für dieses Thema haben, ist die Einhaltung aller Richtlinien fast nicht umsetzbar. Damit der im Unternehmen verantwortliche Mitarbeiter, der diese Themen oft zusätzlich betreut, den Überblick nicht verliert, bietet der FBDi mit seinen Leitfäden wertvolle Unterstützung.

Was, wenn ein Hersteller seiner Kennzeichnungspflicht nicht nachkommt?

Fehlt das CE-Zeichen auf dem Produkt, ist ein Produkt ungerechtfertigt damit versehen oder fehlt der entsprechende Nachweis (Prüfbericht und EG-Konformitätserklärung), kann dies empfindliche Ordnungsstrafen, Rückrufaktionen bis hin zum Vertriebsverbot nach sich ziehen. Damit nicht genug. Schlimmer sind dann der nachfolgende Imageverlust und Beschädigung der Marke, da diese Vorkommnisse in der RAPEX-Liste veröffentlicht werden. Insgesamt also eine äußerst negative Auswirkung für den Hersteller bzw. Inverkehrbringer.

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