Software und Services Car-as-a-Service – die Zukunft der Automobilindustrie

Autor / Redakteur: Bashyam Anant * / Franz Graser

Intelligente In-Car-Systeme eröffnen Automobilherstellern eine Fülle potenzieller neuer Umsatzquellen durch Dienste und Online-Produkte. Um sie anzuzapfen, bedarf es jedoch der richtigen Strategie.

Firma zum Thema

Ein von Google modifiziertes fahrerloses Serienauto dreht seine Runden auf einer Teststrecke.
Ein von Google modifiziertes fahrerloses Serienauto dreht seine Runden auf einer Teststrecke.
(Bild: Steve Jurvetson/Creative Commons Share Alike 2.0)

Der Automobilindustrie steht ein grundlegender Wandel ihres Geschäftsmodells bevor. Das momentane Geschäftsmodell, in dem Einnahmen einzig aus dem Autoverkauf erzielt werden, wird in Zukunft zum „Car-as-a-Service“. Dies wird zum Bindeglied zwischen dem Autohersteller und dem Endkunden und beruht auf wiederkehrenden Einnahmen aus dem Vertrieb von Apps und Serviceleistungen.

Das Rezept, das den Wandel der Automobilhersteller vorantreibt, besteht im Wesentlichen aus drei Zutaten: „Plattform + Apps + Service“. Dies wird am fahrerlosen Auto von Google deutlich: Ein Toyota Prius wurde mit einer Kombination aus Hardware (z. B. Laserradars), innovativer Software und internetfähigen Diensten umgerüstet.

Die Erfolgsformel: Plattform + Apps+ Service

Bis vor wenigen Jahren wäre es noch völlig abwegig gewesen, zum Beispiel die Produkte von Apple und Ford miteinander zu vergleichen. Doch Apples Formel „Plattform + Apps + Services“, eindrucksvoll umgesetzt mit iPhone-Plattform + iPhone-Apps + iTunes-Inhalten, ist ein Indikator dafür, dass sich dieses Konzept auch für Autohersteller auszahlen kann, sofern es richtig umgesetzt wird.

Die folgende Tabelle verdeutlicht, dass Ford und Apple bei den Umsätzen etwa gleichauf liegen. Die Marktkapitalisierung von Apple je Dollar Umsatz (3,1 Dollar) beträgt allerdings das Zehnfache der Marktkapitalisierung von Ford.

Trotz dieses Unterschieds sind derartige Erlöse durchaus erzielbar. Ford unternimmt bereits Schritte in diese Richtung. Ford Sync ist ein Beispiel für ein softwarebasiertes Dashboard – oder besser ein Fahrzeuginformations- und Kommunikationssystem. Ford bietet Sync in vier Ausführungen an, die sich nach Features, integrierten Serviceleistungen und optionalen Abonnementplänen unterscheiden:

Wie das Beispiel Ford Sync verdeutlicht, gibt es mehrere Strategien, um mit dem Konzept „Plattform + Apps + Services“ zusätzliche Erlöse zu erzielen. Ein einzelnes Softwareprodukt kann so in seine Leistungsmerkmale aufgeteilt werden, dass sich daraus Pakete für bestimmte Kundensektoren schnüren lassen. Je nach Ausstattung wird Sync somit zu unterschiedlichen Preisen angeboten, ohne dass Herstellungskosten für unterschiedliche Hardwareausstattungen anfallen. Der Kunde wählt das für ihn geeignete und erschwingliche Paket aus.

Der Automobilhersteller Ford bietet das Infotainment-System Sync in vier Ausführungen an, die unterschiedliche Features und Dienste-Abonnements enthalten.
Der Automobilhersteller Ford bietet das Infotainment-System Sync in vier Ausführungen an, die unterschiedliche Features und Dienste-Abonnements enthalten.
(Quelle: Ford)
So ist der „WLAN-Hotspot“ beispielsweise nur in einem Paket enthalten. Der Autohersteller erwirtschaftet mit diesem Paket Umsätze, ohne dafür eine spezielle Hardware herstellen zu müssen. In Ford Sync sind zudem mehrere Serviceleistungen gebündelt: einige davon als Abomodell, andere als Teil eines Pakets.

Fahrzeugzustandsberichte, bei denen Motordiagnosedaten an das Ford-Portal übertragen werden, sind beispielsweise an Pakete gebunden. Personalisierte Verkehrswarnungen und das Satellitenradio werden dagegen ausschließlich über Abomodelle angeboten. Seit kurzem sind Ausstattungsmerkmale – wie HD-Radio – als Pay-per-Song-Modell erhältlich – ahnlich wie bei iTunes.

Das Modell „Plattform + Apps + Services“ eröffnet Autoherstellern nahezu unbegrenzte Einnahmequellen. Die Kunden könnten beispielsweise Navigationskarten für eine bestimmte Zeit erwerben,etwa für eine Wochenendreise, anstatt einen monatlichen Abopreis zahlen zu müssen. Hersteller könnten zusätzlich auch Unterhaltungsinhalte anbieten, etwa Spielfilme oder Videospiele, die sich für die geplante Wochenendreise zubuchen lassen.

(ID:40117380)