Bundestagswahl – Diese 8 Punkte fordert der VDI

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Energiewende erfolgreich umsetzen

In der 19. Legislaturperiode müssen nach Auffassung des VDI wichtige Leitlinien für die Umsetzung der Energiewende beschlossen werden. Politische Entscheidungen in allen Sektoren – Strom, Wärme und Verkehr – sind nötig, um teure Fehlinvestitionen in das alte System auf Basis konventioneller Energiequellen zu vermeiden. Nur so kann das Ziel der Bundesregierung, die Treibhausgase bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren, erreicht werden.

Deutschland ist für die Energiewende technologisch hervorragend aufgestellt. Beispiele hierfür sind die Windenergie, energetisch hocheffiziente Heizsysteme und modernste Gebäudetechnik. Defizite bestehen aktuell u. a. noch im Bereich der Elektromobilität und bei Batteriesystemen. Auch der Ausbau der Stromtransportnetze ist noch lange nicht abgeschlossen, die Verfügbarkeit von Stromspeichern noch viel zu gering. Die nächste große Herausforderung bei der Umsetzung der Energiewende sieht der VDI in der optimalen Integration der hohen Anteile von Strom aus fluktuierendem Wind- und Solarstrom.

Die Sektorenkopplung spielt daher eine wichtige Rolle für die Energiewende. Zur Erreichung des „Zwei-Grad-Ziels“ genügt es nicht, den Anteil fossiler Energieträger nur in der Stromerzeugung deutlich zu reduzieren. Alle Sektoren müssen hierzu einen signifikanten Beitrag leisten. Das bisherige EEG war ein gutes Instrument, um den Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung auf das heutige Niveau zu heben. In den kommenden Jahren muss ihre Marktintegration weiter forciert werden, bis sie sich ohne Unterstützung im Markt behaupten können.

Der VDI empfiehlt darüber hinaus eine teilweise Zuordnung der EEG-Umlage auf den Verkehrs- und den Wärmesektor, um die Sektorenkopplung zu fördern. Bisher ist der Wärmesektor nur indirekt bzw. sehr starr mit dem Stromsektor verknüpft. Für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende ist eine flexible Kopplung beider Sektoren (zukünftig auch des Verkehrssektors) von enormer Relevanz. Diese Vernetzung muss von der Politik regulatorisch und durch legislative Maßnahmen unterstützt werden.

Aufgrund der Komplexität des Wärme-/Kältemarkts sind hierfür differenzierte und an die Marktsegmente angepasste regulatorische Anforderungen an die Infrastruktur notwendig. Zur Erreichung der deutschen und europäischen Klimaschutzziele muss mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien der Einsatz konventioneller Kraftwerke weiter abnehmen. Die noch erforderlichen konventionellen Kraftwerke müssen aufgrund der fluktuierenden Stromerzeugung durch Sonne und Wind schnell regelbar sein.

Bestandskraftwerke neuerer Baujahre sind hierzu zum Teil in der Lage. Die Bereitstellung gesicherter Strom- und Systemdienstleistungen durch diese Reservekraftwerke stellt einen Wert an sich dar und sollte von den Kunden vergütet werden. Um verlässliche Rahmenbedingungen für den Strukturwandel in der konventionellen Stromerzeugung zu schaffen und die daraus resultierenden Folgen sozialverträglich zu gestalten, sollte die Bundesregierung in der kommenden Legislaturperiode zeitliche Perspektiven mit den Kraftwerksbetreibern vereinbaren.

Kraft-Wärme-Kopplung KWK kann einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung leisten. Aktuell wird KWK noch überwiegend wärmegeführt betrieben. Mit dem zunehmenden Ausbau erneuerbarer Energien wird ihre Flexibilität jedoch stärker gefordert. Damit einher geht der Zubau größerer Leistungen und adäquater Wärmespeicher. Somit ist eine stärkere zeitliche Entkopplung von Strom- und Wärmeverbrauch möglich und die Anlagen können stromorientierter gefahren werden. Damit leistet KWK einen Beitrag zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit und erhöht gleichzeitig ihren Anteil an der Deckung der Residuallast.

Fast ein Drittel der Endenergie und ungefähr die Hälfte des Stroms wird von der Industrie benötigt. Die Steigerung der Energieeffizienz ist daher ein wichtiger Hebel, um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu erhöhen. Vor allem bei den oftmals wenig beachteten Neben- und Hilfsaggregaten existieren noch viele rentable Einsparpotenziale. Die Verbände der deutschen Wirtschaft haben durch die Initiierung von Energieeffizienznetzwerken bereits erste Erfolge erzielt. Diese gilt es nun auszubauen, indem z. B. einfache und niederschwellige Förderprogramme ausgebaut und die Qualifizierung der Energieberater erhöht werden.

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