Buchtipp: Mein Kopf gehört mir - Brainhacking

| Autor / Redakteur: Annett Stein, dpa / Martina Hafner

Der letzte Schrei im Valley ist das «Microdosing» von LSD

Ein Anzeichen dafür, dass dieser Prozess längst begonnen hat, seien die veränderten Krankheitsbilder der vergangenen Jahre. «Inzwischen werden immer mehr Kinder als aufmerksamkeitsgestört diagnostiziert.»

Krankheitsbilder seien oft Spiegelbilder der Erwartungen, die der Zeitgeist an die Menschen hat. Wenn mehr Medikamente gegen ADHS verschrieben und diese Medikamente zunehmend auch von gesunden Menschen – für bessere Konzentrationsfähigkeit – genutzt würden, passiere etwas in einer Gesellschaft. Die Grenzlinie zwischen vermeintlich normalem und unnormalem Verhalten verschiebe sich. «Ein Kind, das etwas wild und plapperig unterwegs ist, muss damit rechnen, als aufmerksamkeitsgestört diagnostiziert zu werden.»

Auch beim Schlaf, dem Erholungszeitraum fürs Gehirn, gebe es bereits Veränderungen. «Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schliefen die Deutschen durchschnittlich acht bis neun Stunden», schreibt Meckel. «Heute kommen sie mit sieben aus.» Und schon werde an technischen Mitteln für noch kürzeren und produktiveren Schlaf getüftelt.

Seit einigen Jahren sei neben Ritalin ein anderes Medikament zur Leistungssteigerung in Gebrauch, heißt es im Buch: Modafinil, bekannt auch als Vigil oder Provigil, eingesetzt eigentlich gegen die Schlafkrankheit Narkolepsie. «Bei Menschen, die nicht unter der Krankheit leiden, kann der Stoff stimulierend wirken, wach machen und die Konzentration fördern.» Nächtelang durchzuarbeiten, das klappe für manch einen mit Modafinil hervorragend, wie sich in Internetforen nachlesen lasse.

Der letzte Schrei im Valley sei aber das «Microdosing» von LSD. Eine Minidosis von etwa zehn Mikrogramm alle paar Tage solle helfen, sich besser zu konzentrieren. «Das ist etwa ein Zehntel der Menge, die man für einen veritablen Trip braucht», erklärt Meckel. «Während die Hippies der 68er-Generation LSD nahmen, um nackt mit rosa Elefanten durch die Nacht zu tanzen, muss also auch diese Droge jetzt für Effizienz im Arbeitsalltag herhalten.»

Beschrieben wird, wie sich Gedanken lesen und beeinflussen lassen und warum das Hirnimplantat als Nachfolger von künstlicher Linse, Herzschrittmacher und Cochlea-Implantat so undenkbar gar nicht ist. Freiheit des Kopfes, Selbstbestimmung, Persönlichkeit – das sind Dinge, die Meckel bewahrt sehen will. «Während die Hilfsmittel zur Manipulation des Gehirns auf den Märkten der Selbstoptimierung längst angeboten werden, können wir die Zeit sinnvoll nutzen», lautet ihr Fazit. «Indem wir das tun, wofür unser Gehirn gemacht ist. Nachdenken darüber, was wir wollen.»

Meckels Buch ist eine anschaulich und mit vielen Beispielen unterlegte Ergänzung zu Büchern von Fachleuten, das eine Reihe von Denkanstößen gibt. Es verdeutlicht, in welche Richtung die Entwicklung gehen könnte - und zeigt auf, wo es dabei gefährlich werden könnte für die Freiheit des Denkens und die Selbstbestimmung des Menschen.

Miriam Meckel: Mein Kopf gehört mir. Eine Reise durch die schöne neue Welt des Brainhacking, Piper Verlag München, 2018, 220 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 978-3-492-05907-7

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Sehr wichtiges und unterrepräsentiertes Thema , mit einem gewaltigen Denkfehler in dieser...  lesen
posted am 04.05.2018 um 15:50 von Unregistriert

Bin nur ein einfacher Elektrotechniker - Ausbildungsstart war 1983. Damals hatte ich schon...  lesen
posted am 04.05.2018 um 13:33 von Unregistriert

Leider gibt es noch viel zu weing geselschaftliche Diskussion darüber, was wir wollen. Die...  lesen
posted am 04.05.2018 um 12:11 von Unregistriert


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