Buchtipp: Goethes Faust & Einsteins Haken

| Autor / Redakteur: Marco Krefting, dpa / Sebastian Gerstl

Wer hält die besseren Antworten über die Welt und das Leben parat: Die Geistes- oder die Naturwissenschaften? Die Autoren Annika Brockschmidt und Dennis Schulz lassen in ihrem Buch "Goethes Faust und Einsteins Haken" die beisen Wissenswelten gegeneinander antreten - mit teils überraschendne Erkenntnissen.
Wer hält die besseren Antworten über die Welt und das Leben parat: Die Geistes- oder die Naturwissenschaften? Die Autoren Annika Brockschmidt und Dennis Schulz lassen in ihrem Buch "Goethes Faust und Einsteins Haken" die beisen Wissenswelten gegeneinander antreten - mit teils überraschendne Erkenntnissen. (Bild: Rowohlt Verlag)

Hier die romantischen Feingeister mit einem Stapel Bücher im Arm - da die bleichen Nerds, die nur Formeln im Kopf haben: Geistes- und Naturwissenschaftler einen klare Klischees. Doch welche Disziplinen haben die besseren Antworten parat? Ein Kampf.

Man stelle sich Albert Einstein nur in Boxhose im Seiden-Look vor, Oberkörper frei. Auf der anderen Seite Johann Wolfgang von Goethe, schweißgebadet mit Zahnschutz im Mund. Solche Bilder kommen einem beim Lesen des Buchs "Goethes Faust & Einsteins Haken - Der Kampf der Wissenschaften" unweigerlich in den Kopf.

Annika Brockschmidt und Dennis Schulz spielen darin die Natur- gegen die Geisteswissenschaften aus und inszenieren das ganze als Boxkampf. Beziehungsweise als Boxkämpfe in mehreren Runden, in denen es etwa um "größte Übeltäter", "weltbewegende Umbrüche" und "den besten Diss" geht. Hier wird schon deutlich, dass das Buch eher leichte Kost und nicht streng wissenschaftlicher Stoff ist, der dem Leser volle Konzentration abverlangt. Vielmehr verwenden die beiden Autoren eine lockere Sprache, die Spaß bei der Lektüre macht.

Brockschmidt hat Geschichte und Germanistik studiert, Schulz promoviert in Tieftemperaturphysik. Beide versuchen auch über den Podcast Science Pie wissenschaftliche Themen zu vermitteln. Für ihr gemeinsames Buch bringen sie pro Kapitel Titelanwärter aus ihrer Profession aufs Tapet, oder - um im Bild zu bleiben - in den Ring.

Das können je nach Thema der "Runde" einzelne Personen wie Oscar Wilde und Isaac Newton sein, mal ganze Familien wie die Manns und die Curies, mal aber auch Ereignisse wie kriegerische Schlachten. So kommt es unter anderem dazu, dass Frauenwahlrecht und Buchdruck auf der einen Seite gegen Elektrizität und Impfungen auf der anderen Seite gewissermaßen "antreten" - hierbei geht es um die Frage, was die größten Umbrüche in der Weltgeschichte sein könnten.

Doch auf Sieg setzen die Autoren nicht nur mit positiv konnotierten Anwärtern. Auch der größte Ideenklau, die krassesten Irrlehren und absolute Fehleinschätzungen von Forschern und historischen Figuren - teils mit tödlichem Ausgang - werden gegenübergestellt.

Einerseits spielen die Autoren mit Klischees. Schon im Vorwort ist von Informatikern die Rede, die sich im Licht der Laptopbildschirme bräunen. Von Physikern, "die soziale Interaktion meist als notwendiges Übel ansehen". Von "romantischen Feingeistern", die den Hexameter Hexameter sein lassen. Und von solchen, "die immer schon gut palavern konnten und sowieso den ganzen Tag nur in ihrem Elfenbeinturm sitzen, dicke Wälzer lesen und sich Gedanken über Zeug machen, das eh niemand im Alltag braucht, ohne dabei wenigstens so nützliche Dinge wie die Glühbirne zu erfinden". Wem das nicht zusagt: Diese wenig sachdienlichen Abschweifungen halten sich in Grenzen.

Denn andererseits vermitteln Brockschmidt und Schulz auf erzählerische und bisweilen humorvolle Art Fakten. So erfährt der Leser etwa, dass heutzutage gängige Wörter wie "Herzenslust" und "Nächstenliebe" Martin Luther zu verdanken sind. Das Ganze ist oft pointiert und schön formuliert: "Das Periodensystem der Elemente tut in seiner Unschuld so, als wäre es eine bloße Tabelle, während es übersichtlich Jahrhunderte chemischer Forschung zusammenfasst."

Die Metapher des Boxkampfs scheint dabei phasenweise in Vergessenheit zu geraten. Immer mal wieder kommt sie dann aber doch zum Vorschein, ab und zu auch etwas krampfhaft. Am Ende finden die beiden Autoren eine salomonische Antwort auf ihre Frage, welche Wissenschaften die Welt besser erklären können. Einen klaren Sieger - weder durch K.o. noch nach Punkten - sollte der Leser nicht erwarten. Aber das schwant einem schon bei manch ungleichem und unvergleichbarem Duell.

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