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Broadcom will Qualcomm-Offerte auf bis zu 148 Milliarden Dollar erhöhen

| Autor / Redakteur: mit Material von dpa, Reuters und Bloomberg / Sebastian Gerstl

Der Chipkonzern Broadcom will beim Kampf um den Konkurrenten Qualcomm offenbar noch eine Schippe drauflegen. Broadcom sei bereit, auf die zuletzt ausgerufenen insgesamt rund 130 Milliarden Dollar (104 Mrd Euro) inklusive Schulden noch mal bis zu 18 Milliarden Dollar draufzupacken, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg.

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Broadcom lässt bei seiner angestrebten Übernahme des Konkurrenten Qualcomm nicht locker: Das Unternehmen sei bereit, zusätzlich zu den bereits angekündigten Angebot von 130 Milliarden Dollar noch einmal 18 Milliarden US-Dollar draufzulegen.
Broadcom lässt bei seiner angestrebten Übernahme des Konkurrenten Qualcomm nicht locker: Das Unternehmen sei bereit, zusätzlich zu den bereits angekündigten Angebot von 130 Milliarden Dollar noch einmal 18 Milliarden US-Dollar draufzulegen.
(Bild: Broadcom)

Als Erstes hatte der Nachrichtendienst Reuters unter Berufung auf interne Quellen die mögliche Anhebung vermeldet. Die Erhöhung könnte demnach bereits an diesem Montag vor US-Börseneröffnung bekanntgegeben werden. Sprecher der Unternehmen wollen die Informationen nicht kommentieren, hieß es in dem Bloomberg-Bericht weiter.

Die Offerte könnte auf 80 bis 82 Dollar je Aktie angehoben werden. Bislang hatte Broadcom 70 Dollar - davon 60 Dollar in bar und 10 Dollar in Broadcom-Aktie - angeboten. Diese Offerte war jedoch von Qualcomm-Chef Steve Mollenkopf als nicht diskussionswürdig eingestuft und zurückgewiesen worden.

Sollte die Offerte auf 82 Dollar erhöht werden, würde Qualcomm mit rund 123 Milliarden Dollar bewertet. Dazu kommen noch die Schulden von rund 25 Milliarden Dollar, so dass die Offerte auf eine Gesamthöhe von zirka 148 Milliarden Dollar kommen würde - das wäre die größte Übernahme in der Technologiebranche bisher.

Qualcomm teilte in einer ersten Reaktion lediglich mit, man werde die nachgebesserte Offerte prüfen. Die Firma sperrte sich bisher gegen den Deal auch unter Verweis auf mögliche Probleme mit Regulierungsbehörden. Broadcom betonte jetzt, man wäre bereit, weitreichende Auflagen zu akzeptieren. Die Unternehmen wären zusammen die Nummer drei in der Chipindustrie nach Samsung und Intel.

Laut Reuters zeigt Broadcom sich zuversichtlich, eine angestrebte Übernahme des Konkurrenten Qualcomm innerhalb von 12 Monaten nach Unterzeichnung einer Übereinkunft abschließen zu können. Ein Sprecher von Qualcomm widersprach dieser Ansicht: die weltweit erforderlichen regulatorischen Überprüfungsprozesse dürften nach Ansicht des Unternehmens mehr als 18 Monate dauern. Hinzu kämen zahlreiche Risiken wie etwa nötige Abspaltungen von Firmensegmenten und andere kartellrechtliche Auflagen. Qualcomm spricht hier aus leidvoller eigener Erfahrung: Die angestrebte Übernahme des europäischen Chipherstellers NXP zieht sich nun bereits über 16 Monate hin.

Broadcom hatte im November mitgeteilt, den Konkurrenten Qualcomm übernehmen zu wollen. Qualcomm wies die Offerte aber zurück. Das Unternehmen ist im Großteil der Smartphones und Tablet-Computer mit Kommunikationschips vertreten, die für die Verbindung zu Netzen sorgen. Zudem stellt Qualcomm in vielen Telefonen auch den Hauptprozessor und verdient Geld mit Patentlizenzen auf diverse Technologien.

Zuletzt kämpfte Qualcomm mit einer Reihe von Problemen wie einem Quartalsverlust infolge der US-Steuerreform, einem Streit mit dem Kunden Apple und einer EU-Milliardenstrafe wegen Verträge mit dem iPhone-Hersteller.

Am Montag gab der Qualcomm-Kurs im frühen US-Handel zeitweise um rund zwei Prozent nach, während das Broadcom-Papier in ähnlicher Größenordnung zulegte.

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