Schwächung des Marktes Britische Wettbewerbsaufsicht befasst sich mit Arm-Übernahme durch NVIDIA

Redakteur: Sebastian Gerstl

Die britische Competition and Market Authority (CMA) überprüft die geplante Übernahme der einheimischen Prozessorschmiede Arm durch Nvidia. Speziell soll die Frage geklärt werden, ob der Verkauf der High-Tech-Industrie im Vereinigten Königreich schaden könnte.

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Schadet ein Verkauf von Arm der britischen und europäischen Tech-Landschaft? Die britische Wettbewerbsaufsicht CMA befasst sich mit der geplanten Übernahme durch Nvidia und bittet Drittparteien um Stellungnahmen.
Schadet ein Verkauf von Arm der britischen und europäischen Tech-Landschaft? Die britische Wettbewerbsaufsicht CMA befasst sich mit der geplanten Übernahme durch Nvidia und bittet Drittparteien um Stellungnahmen.
(Bild: Arm)

Die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (Competition and Markets Authority, CMA) hat eine Untersuchung der geplanten 40 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Arm durch Nvidia eingeleitet. Aufgabe der nicht-amtlichen Einrichtung ist es, Fusionen und Übernahmen, die Firmen aus dem Vereinigten Königreich betreffen, zu prüfen.

Als Teil des ersten Schritts der geplanten Untersuchung bittet die Kommission Beteiligte, die von der Übernahme betroffen sind oder die ein berechtigtes Interesse an der Transaktion zeigen, um schriftliche Stellungnahmen zu den eventuell zu berücksichtigenden Wettbewerbsfragen. Beteiligte Dritte sollen so eine frühe Gelegenheit erhalten, sich zu den Auswirkungen der Übernahme auf den Wettbewerb in Großbritannien zu äußern, bevor die förmliche Untersuchung der Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (CMA) im Laufe dieses Jahres beginnt. Zusendungen sind bis zum 27. Januar auf einer eigens eingerichteten Anfragenseite möglich.

„Die Chiptechnologie-Industrie ist milliardenschwer und entscheidend für viele der Produkte, die wir in unserem täglichen Leben am häufigsten benutzen,“ sagt Andrea Coscelli, Chief Executive der CMA, anlässlich der beginnenden ersten Phase der Untersuchungen. „Wir werden eng mit anderen Wettbewerbsbehörden auf der ganzen Welt zusammenarbeiten, um die Auswirkungen des Deals sorgfältig zu prüfen und sicherzustellen, dass er letztlich nicht dazu führt, dass die Verbraucher mit teureren oder qualitativ schlechteren Produkten konfrontiert werden.“

Untersuchung auf Wettbewerbsverzerrung und Schwächung der lokalen Industrie

Die CMA wird die möglichen Auswirkungen des Deals auf den Wettbewerb im Vereinigten Königreich untersuchen. Im Zuge der Untersuchung soll demnach geklärt werden, ob bei einer Durchführung der geplanten Akquise der Prozessor-IP-Herstellers Arm die einheimische Industrie in einem oder gar mehreren Märkten geschwächt werden könnte. Speziell soll CMA durchleuchten, ob Arm nach einer durchgeführten Übernahme Anreize habe, sich als eigener Anbieter zurückzuziehen, Preise für seine Produkte zu erhöhen oder die Qualität seiner IP-Lizenzierungsdienste für Nvidias Konkurrenten zu verringern.

Der US-amerikanische Chip-Designer und -Hersteller NVIDIA Corporation (NVIDIA) plant den Kauf der Intellectual Property Group des britischen Prozessorkernentwicklers Arm Limited. Der Kaufpreis liegt bei 40 Milliarden US-$. Arm entwickelt und lizenziert IPs und Software-Tools für Chip-Designs. Die RISC-basierte ARM-Prozessorarchitektur des Unternehmens wird weltweit in zahlreichen Branchen eingesetzt und ist mittlerweile die verbreitetste CPU-Architektur im Embedded-Bereich. Derzeit ist das britische Unternehmen Arm noch Teil das japanischen Softbank-Konzerns.

Verliert Großbritannien die „Kronjuwelen der Tech-Industrie"?

Die geplante Übernahme von Arm durch Nvidia hat weltweit in der Elektronikindustrie Kritik hervorgerufen. Nicht nur zahlreiche kleine und mittelständische Firmen, auch weltweit führende Unternehmen wie Intel, Qualcomm, Samsung oder Xilinx zählen zu Arms Kunden und setzen deren Prozessor-IPs in ihren Produkten ein - und zählen auf dem Server- und KI-Markt sowie im aufstrebenden Feld des autonomen Fahrens zu Nvidias direkter Konkurrenz. Diese Unternehmen fürchten, dass der GPU-Spezialist die Akquise von Arm nutzen könnte, um den Wettbewerb vom Zugang zu den neuesten Technologien der IP-Schmiede abzuschneiden.

Insbesondere kleinere Gerätehersteller fürchten im Zuge dieses möglichen Konflikts darüber hinaus einen möglichen Preisanstieg für die Lizenzierung. In China haben diverse Tech-Unternehmen bereits Beschwerden bei den zuständigen Regierungsbehörden gegen die geplante Übernahme eingelegt. Dort wird zusätzlich befürchtet, dass Arm mit der Akquise durch ein amerikanisches Unternehmen in das Fahrtwasser des andauernden Handelskriegs zwischen den USA und China gezogen werden könnte.

Auch aus dem Vereinigten Königreich waren bereits kritische Stimmen zu hören. Hermann Hauser und Tudor Brown, führende Angestellte derursprünglichen Arm-Mutterfirma Acorn Computers und maßgeblich an der Gründung von Arm Limited vor 30 Jahren beteiligt, fürchten, dass das Land durch den Verkauf seine „Kronjuwelen der Tech-Industrie" verlieren würde. Hauser äußerte Ende vergangenen Jahres, dass der Verkauf desaströs für Cambridge (Standort der Arm-Zentrale), Großbritannien und den gesamten europäischen Raum wäre. Mit Arm würde seiner Ansicht nach „das letzte europäische Technologieunternehmen mit globaler Relevanz" an die USA verkauft. Käme die Transaktion zustande, würde sie die Position von Arm als „Schweiz der Halbleiterindustrie" gefährden; als „neutrales“ Unternehmen ist Arm in der Lage, seine Technologie an Firmen, die in direkter Konkurrenz stehen, wie Apple und Samsung oder Broadcom und Qualcomm, gleichermaßen zu verkaufen, die auf dieser Basis weitere Entwicklungen generieren.

Hauser steht mit der Meinung im Vereinigten Königreich nicht alleine. Nigel Toon, CEO des britischen KI-Chip-Startups Graphcore, sagte gegenüber der Financial Times, der NVIDIA-Arm-Deal sei „schlecht für den Wettbewerb, schlecht für den gesamten Markt, und schlecht für Britannien“. Er denkt, dass die Industrie eine Verzerrung des Wettbewerbs erwarte. „Das ist eine Marktmacht, die in die Hände eines großen Spielers kommt, der den Wettbewerb im Allgemeinen für den Markt reduzieren wird." zitiert ihn die Zeitung. Er gibt zu Bedenken: „Wenn Sie eine Chip-Firma wären, würden Sie hingehen und Ihre Roadmap für die nächsten vier Jahre mit Arm teilen wollen, wenn Sie wüssten, dass sie Teil von Nvidia sind, und Sie effektiv Ihre Roadmap mit Nvidia teilen?" Graphcore steht mit seiner Technologie direkt mit Nvidia in Konkurrenz, wenn es um KI-Beschleunigung in Rechenzentren geht.

Nvidia-CEO Jensen Huang wies Mitte September bereits jegliche Vorwürfe möglicher Interessenskonflikte von sich. Arm solle nicht in Nvidia aufgehen, statt dessen soll es möglich sein, Synergien zu Nutzen und neben Arm- auch passende Nvidia-Technologien und Tools zu lizenzieren. Ferner wolle er in den Standort Cambridge stark investieren, um dort ein „ein Hubble-Teleskop der KI-Forschung“ entstehen zu lassen.

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