Kabel & Leitungen Brandschutz mit halogenfreien Sicherheitskabeln und Leitungen

Autor / Redakteur: Angela Scheufler * / Kristin Rinortner

Die aktuelle Praxis zeigt, dass der Einsatz von halogenfreien Kabeln und Leitungen deutlich zunimmt. Die Regelwerke für den Brandschutz sind recht umfangreich, die Kabel-Prüfungen der Hersteller auch.

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Mehr Brandschutz: Halogenfreie Sicherheitskabel und Leitungen helfen solche Großbrände zu verhindern
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(Bild: Helukabel)

Wurden früher brandsichere Kabel vorzugsweise in öffentlichen Gebäuden eingesetzt, werden heute derartige Kabel auch in industriellen Anlagen jeder Art verwendet.

Denn gerade das Brandverhalten von Kabeln und Leitungen in Gebäudeinstallationen sowie großen Steuerungsanlagen ist von großer Bedeutung. Dabei sind folgende Faktoren besonders wichtig: Entflammbarkeit und Brandfortleitung, Folgeschäden durch Entstehen korrosiver und toxischer Gase und die Rauchentwicklung.

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Teilweise sind für Kabel Halogene vorteilhaft. Zu den sogenannten Salzbildnern gehören die Elemente Fluor, Chlor, Brom und Jod. Für Kabel und Leitungen sind Fluor und Chlor als Atome in den Kunststoffmolekülen wie Fluor-Kunststoffe oder PVC von Bedeutung bzw. Brom als Bestandteil von Flammschutzzusätzen.

Halogenfrei oder schwer entflammbar

Bauteile aus nicht halogenfreien Werkstoffen zeigen damit ein verbessertes Brandverhalten. Sie sind schwer oder nicht entflammbar und weitgehend selbstverlöschend. Der erhebliche Nachteil solcher Werkstoffe besteht darin, dass sich die frei werdenden Chlor- bzw. Fluoratome mit Wasserstoff aus dem zersetzten Kunststoff bzw. aus der vorhandenen Luft zu Chlorwasserstoff und Fluorwasserstoff verbinden.

Diese Verbindung ist höchst korrosiv und toxisch. Daher empfiehlt sich der Einsatz halogenfreier Werkstoffe. Denn bei Bränden sind neben den gefährlichen toxischen Gasen für die betroffenen Menschen häufig die Korrosionsschäden an Geräten und Anlagen sehr viel höher als die eigentlichen Brandschäden. Der GDV (Gesellschaft Deutscher Versicherer) berichtet von einer stark gestiegenen Anzahl materieller Schäden durch Feuer und Rauch in der Höhe von jährlich 800.000 Euro.

An die Versicherten werden pro Jahr laut GDV mehr als drei Milliarden Euro Schadensersatz gezahlt. Sicherlich ergeben sich viele kleine Feuerschäden, aber auch viele brandbedingte Großschäden (größer 500.000 Euro) mit vier bis fünf Millionen Euro Schadenssumme.

Hinzu kommt die Tatsache, dass bei Verbrennungen aller Art Kohlendioxid und Kohlenmonoxid gebildet werden. Gerade Kohlenmonoxid ist äußerst gefährlich, denn schon geringe Konzentrationen können zum Tode führen.

Herausforderungen bei halogenfreien Kabeln

Bei halogenfreien Kabeln bestehen die Isolier- und Mantelwerkstoffe aus Polymeren auf Basis reiner Kohlenwasserstoffe. Bei deren Verbrennung entstehen keine korrosiven oder toxischen Gase sondern nur Wasserdampf und Kohlendioxid. Die halogenfreien Polymere sind jedoch leicht brennbar und nicht selbstverlöschend.

Halogenfreie Kabel für Sicherheitsanforderungen müssen aber schwer entflammbar und selbstverlöschend ausgeführt sein. Das setzt Helukabel durch die Zugabe von Spezialpolymer-Mischungen um, die einen erheblichen Prozentsatz an Flammschutzmitteln enthalten.

Durch die zusätzliche Verwendung stützender Bänder und Füllgarne aus Glasgewebe, Glimmer und ähnlichen Werkstoffen lassen sich mit eigens darauf abgestimmten Kabelzubehörteilen Funktionserhalte wie nach E 90 (Funktionserhalt von 90 Minuten nach DIN 4102 Teil 12) realisieren.

Die halogenfreien Kabel und Leitungen des Unternehmens bestehen aus Polymeren auf der Basis reiner Kohlenwasserstoffe, die im Brandfall keine gefährlichen korrosiven Gase entwickeln. Begriffe und Prüfungen wie Rauchdichte, schwer brennbar, keine Brandfortleitung, selbstverlöschend, flammwidrig, Korrosivität und Brandlast sind wichtige Voraussetzungen bei allen halogenfreien Kabeln des Anbieters.

Zahlreiche Regelwerke für den Brandschutz

Es gibt zudem zahlreiche Vorschriften, Normen, Gesetze und Kabelprüfungen, die erfüllt werden wie die DIN VDE 0100-718, DIN EN 60332/61034/50267/50399, StGB § 319 Baugefährdung (1), DIN 4102, DIN VDE 0472 etc. Der Kabelhersteller berücksichtigt diese Vorschriften und erfüllt auch die Anforderungen „für das Errichten von Niederspannungsanlagen von baulichen Anlagen für Menschenansammlungen und für Sicherheitsbeleuchtungsanlagen“.

Ein sehr wichtiger Begriff zum Schutz von Leib und Leben ist der Funktionserhalt bei beispielsweise halogenfreien Kabeln nach der Prüfnorm DIN 4102 Teil 12/DIN VDE 0472 Teil 814. Der Funktionserhalt bei Flammeinwirkung von Kabeln und Leitungen sagt aus, in welcher Zeitspanne ein dem Feuer ausgesetztes Kabel elektrisch funktionstüchtig bleiben muss.

Bauliche Anlagen für Menschenansammlungen

Maßgebend sind hier „bauliche Anlagen für Menschenansammlungen“. Diese Vorschrift ist eigentlich auf alle Bauten anzuwenden, in denen sich Menschen aufhalten. Dennoch stehen besonders öffentliche Gebäude wie Flughäfen, Krankenhäuser, Kindergärten, Messehallen, Stadien und Rathäuser im Vordergrund. Nicht zu vergessen sind Arbeitsplätze, Gebäude mit Wohnungen, Wohnanlagen, Restaurants, Gasthäuser, Hotels und sämtliche gewerbliche Gebäude.

Anlagen, die zu „Intelligente Gebäudesystemtechnik“ und „Elektronische Automatisierung“ zählen, erfordern den Einsatz von halogenfreien Kabeln und Leitungen in sämtlichen Steuerungen, die für eine sicherheitsrelevante Stromversorgung mit den entsprechenden Funktionen eingesetzt werden.

Das wiederum bezieht sich auf alle Gebäude mit Industrieanlagen, Gebäude der Wirtschaft, öffentliche Gebäude, kommunale Gebäude, Neubauten und Sanierungen, Wohngebäude und nicht zuletzt private Gebäude.

* Angela Scheufler ist freie Journalistin und Geschäftsführerin der Presse Service Büro GbR in Neunkirchen a. B.

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