Elektroindustrie leidet weiter unter schwächerer Konjunktur

| Autor / Redakteur: dpa / Julia Schmidt

Die Elektroindustrie leidet unter schwächerer Konjunktur . Von Januar bis einschließlich September gingen die Auftragseingänge um 1,9 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum zurück.
Die Elektroindustrie leidet unter schwächerer Konjunktur . Von Januar bis einschließlich September gingen die Auftragseingänge um 1,9 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum zurück. (Bild: Gerd Altmann / Pixabay)

Die deutsche Elektroindustrie bekommt die Abkühlung der Weltwirtschaft weiter zu spüren. Im September lagen die Auftragseingänge in der wichtigen Industriebranche um 3,9 Prozent unter Vorjahresniveau, wie der Branchenverband ZVEI am Freitag in Frankfurt mitteilte.

Die deutsche Elektroindustrie bekommt die Abkühlung der Weltwirtschaft weiter zu spüren. Im September lagen die Auftragseingänge in der wichtigen Industriebranche um 3,9 Prozent unter Vorjahresniveau, wie der Branchenverband ZVEI am Freitag in Frankfurt mitteilte. Während die Bestellungen heimischer Kunden um fast 10 Prozent einbrachen, gab es ein leichtes Plus bei Abnehmern aus dem Ausland. Von Januar bis einschließlich September gingen die Auftragseingänge um 1,9 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum zurück.

Die Aussichten blieben vorerst trübe, erklärte ZVEI-Chefvolkswirt Andreas Gontermann. Zwar habe sich das Geschäftsklima in der Branche im Oktober etwas erholt. „Trotzdem lässt sich alles in allem weiter keine Trendwende zu einer nachhaltigen Aufwärtsentwicklung erkennen.“

Für gute Nachrichten sorgte im September nur der Umsatz, der branchenweit um 1,5 Prozent kletterte. Nach den ersten drei Quartalen lag der Erlös aber immer noch leicht unter Vorjahresniveau.

Der ZVEI rechnet angesichts der schwächeren Konjunktur und Unsicherheit wegen Handelskonflikten damit, dass die Produktion in diesem Jahr um etwa vier Prozent schrumpft. Ursprünglich hatte der Verband ein Plus von einem Prozent erwartet. Im September sank die preisbereinigte Produktion um 1,4 Prozent. (dpa

„Wirtschaftsweise“ erwarten keine schwere Wirtschaftskrise

Am Mittwoch (6.11.) gaben bereits die „Wirtschaftsweisen“ ihr aktuelle Prognose für die Weltwirtschaft und Deutschland im Besonderen ab. Die Experten gehen von einer anhaltenden Konjunkturschwäche aus – sehen aber derzeit nicht die Gefahr einer „breiten und tiefergehenden Rezession“ in Deutschland. Der Chef des Sachverständigenrats, Christoph Schmidt, begründete dies am Mittwoch vor allem damit, dass Arbeitsmarkt und Binnennachfrage weiter stabil seien. Die „Wirtschaftsweisen“ forderten aber die Politik auf, mehr zu tun, um Wachstumskräfte bei Unternehmen zu stärken. Die Anstrengungen etwa für den Ausbau der Infrastruktur sowie von Forschung und Innovationen sollten verstärkt werden.

Vor allem wegen einer schwächeren Weltwirtschaft mit Folgen für die exportstarke deutsche Industrie erwarten die fünf „Wirtschaftsweisen“ in diesem Jahr nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 0,5 Prozent – und von 0,9 Prozent im kommenden Jahr. Die Prognose liegt damit in etwa auf Höhe der Bundesregierung, die für 2020 mit einem Plus von 1,0 Prozent rechnet. Die schwache wirtschaftliche Dynamik werde sich voraussichtlich mindestens bis in das kommende Jahr ziehen, heißt es im Jahresgutachten des Sachverständigenrats.

Die Notwendigkeit eines Konjunkturprogramms sehen die „Wirtschaftsweisen“ jedoch derzeit nicht. Stattdessen geht es dem Gutachten zufolge darum, bestehende Instrumente wirken zu lassen. Als ein solches gilt etwa das Kurzarbeitergeld für kriselnde Unternehmen. Zugleich verweisen die Experten darauf, dass die Schuldenbremse eine Neuverschuldung nicht ausschließe und Spielräume für eine Erhöhung der öffentlichen Investitionen lasse. In einer konjunkturellen Schwächephase erlauben die Schuldenbremse und die europäischen Fiskalregeln gesamtstaatliche Finanzierungsdefizite, die über jene in konjunkturell normalen Zeiten hinausgehen.

Lockerung der „schwarzen Null“ denkbar

Eine Lockerung der „schwarzen Null“ halten die Wirtschaftsweisen für denkbar – die Bundesregierung will diesen Kurs einer Haushaltspolitik ohne neue Schulden bisher beibehalten. Schmidt sagte, in einer Wirtschaftskrise wäre das Festhalten an der schwarzen Null nicht sinnvoll – aktuell gebe es aber keine Notwendigkeit, sie in Frage zu stellen.

Die Politik müsse aber Wachstumskräfte stärken. Voraussetzungen für ein höheres Wachstum der Produktivität seien Bildung, Forschung und Innovation, heißt es im Gutachten. Mit Blick auf gravierende Veränderungen in der Arbeitswelt durch den digitalen Wandel gelte es, Transformation von Wissen in wirtschaftlichen Erfolg zu stärken. Außerdem müsse die digitale Infrastruktur verbessert werden.Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bekräftigte nach der Vorlage des Gutachtens Forderungen nach Steuersenkungen für Unternehmen – dies sieht aber der Koalitionspartner SPD skeptisch.

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