Keine Angst, durch KI und Automatisierung ersetzt zu werden

| Redakteur: Julia Schmidt

Einer aktuelllen Studie zufolge, die von Automation Anywhere zum Thema Robotic Process Automation (RPA) in Auftrag gegeben wurde, haben Mitarbeiter keine Angst durch Automatisierungs- und KI-Technologie ersetzt zu werden.
Einer aktuelllen Studie zufolge, die von Automation Anywhere zum Thema Robotic Process Automation (RPA) in Auftrag gegeben wurde, haben Mitarbeiter keine Angst durch Automatisierungs- und KI-Technologie ersetzt zu werden. (Bild: Gerd Altmann/Pixabay / CC0)

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Mitarbeiter keine Angst haben, durch KI und Automatisierung ersetzt zu werden. 72 Prozent sind der Meinung, dass KI- und Automatisierungs-Technologien sie nicht ersetzen, sondern bei ihren Aufgaben unterstützen werden.

Weltweit möchte die Mehrheit der Arbeitnehmer die Automatisierung an ihrem Arbeitsplatz weiter vorantreiben, so eine neue Studie, die von Automation Anywhere, einem Software-Anbieter für Robotic Process Automation (RPA), in Auftrag gegeben wurde. Trotz des großen Enthusiasmus der Mitarbeiter und dem Erfolg von ersten Testläufen in den Unternehmen gibt es aber auch Einschränkungen. So evaluieren viele Mitarbeiter noch, wie sie die Technologien genau einsetzen werden.

Die Studie „Making Work Human: 5 Challenges“ wurde im Rahmen der Automation Anywhere Veranstaltung Imagine New York vorgestellt. Der Bericht erläutert die wichtigsten Hindernisse, die Unternehmen im Weg stehen, die Automatisierungstechnologien – insbesondere RPA und Künstliche Intelligenz (KI) zu skalieren – und gleichzeitig die Anforderungen der Arbeitskräfte der Zukunft zu erfüllen.

Arbeitnehmer sind weltweit offen für Veränderungen

Der Studie zufolge haben Mitarbeiter keine Angst durch Automatisierungs- und KI-Technologie ersetzt zu werden, obwohl es diesbezüglich viele Berichte gibt. Im Gegenteil, sie sind neugierig darauf, wie KI sie bei ihrer Arbeit unterstützen kann. Fast drei Viertel (72 Prozent) der 4.000 befragten Mitarbeiter denken nicht, dass Technologien sie ersetzen werden, sondern vielmehr, dass sie mit ihnen arbeiten werden. Nur acht Prozent der Befragten glauben stark Gegenteiliges.

57 Prozent der Mitarbeiter sind der Meinung, ihre Produktivität könne langfristig gesteigert werden, wenn ihre Unternehmen mehr Testläufe durchführen würden, um verschiedene Formen von Automatisierung und KI zu testen – im Vergleich, nur 16 Prozent der Befragten denken das Gegenteil.Zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten möchten mehr darüber erfahren, wie KI sie bei ihren Aufgaben unterstützen kann. Gleichzeitig warnt der Bericht Unternehmen davor, die Fähigkeiten von Automatisierung und KI zu überzeichnen, um dem wachsenden Trend des „KI-Washings“ entgegenzuwirken – ähnlich dem früheren „Green-Washing“ in der Anfangszeit von Corporate Sustainability. Die Mehrheit der Befragten Mitarbeiter (57 Prozent) gibt an, viele Leute über KI reden zu hören, ohne dass diese KI wirklich einzuschätzen können.

Wachstumsschmerzen müssen überwunden werden

Ungeachtet der Neugierde und Offenheit gegenüber Automatisierung und KI, nutzen nur 38 Prozent der weltweit befragten Mitarbeiter bereits Automatisierungs-Technologien, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Erwartungen zufolge wird die Zahl der Anwender aber weiter steigen. Die Studie zeigt darüber hinaus, dass es weltweit erhebliche Unterschiede gibt, wie gut Mitarbeiter die Technologien annehmen. Nur 13 Prozent der Arbeitnehmer in Japan und 26 Prozent in Großbritannien nutzen Automatisierung in ihrer derzeitigen Rolle, verglichen mit 49 Prozent in den USA und 66 Prozent in Indien. Mitarbeiter weltweit sind sich aber laut der Studienergebnisse einig, dass der Einsatz von KI- und Automatisierungstechnologien, zum Beispiel RPA, ihre Produktivität steigert.

Die Studie hebt fünf Herausforderungen hervor, vor denen Unternehmen bei der Skalierung der Automatisierung stehen – insbesondere hinsichtlich RPA und KI. Gleichzeitig gibt sie Aufschluss darüber, welche Maßnahmen Unternehmen ergreifen können, um diese zu adressieren.

Der Leiter des Forschungsteams der „Making Work Human“-Studie Dr. Chris Brauer, Director of Innovation am Institut of Management Studies (IMS) an der Goldsmiths, University of London, sagt dazu, „Mit dieser Studie wollten wir herausfinden, wie Unternehmen nach erfolgreichen Testläufen Automatisierung skalieren können. Wir haben fünf Herausforderungen für Unternehmen aufgedeckt. Wie bei allen großen Technologie-Revolutionen der Geschichte muss dies ganzheitlich betrachtet werden. Nur dann sorgt die Ergänzung von digitalen Mitarbeitern in Unternehmen und Teams für das notwendige Gleichgewicht.“

Die fünf Herausforderungen sind:

1. Technologie: Die Herausforderungen in Bezug auf die Skalierbarkeit erfordern den Aufbau einer Unternehmenskultur, die sich mit den Technologien weiterentwickelt. Organisationen mit einer kurzfristigen Vision werden nur kleinere Anwenderszenarien realisieren. Diese schöpfen die Vorteile von Automatisierung und KI nicht aus.

2. Kompetenzen: Zukünftig werden alle Arbeitsplätze durch die Automatisierung unterstützt. Allerdings, ohne die Unterstützung und den Ausbau von Kompetenzen in den Teams sehen Unternehmen zwar kurzfristig eine höhere Effizienz, langfristig lässt sich diese jedoch nicht aufrechterhalten. Die Fokussierung auf Produktivität ist somit nicht nachhaltig.

3. Diversity: Vertrauen in Automatisierung und KI aufzubauen ist eine Herausforderung. Diese lässt sich nur dann lösen, wenn sichergestellt ist, dass es Möglichkeiten gibt, die Technologie geschlechterneutral einzusetzen.

4. Authentizität: Die Herausforderung besteht darin, „KI-Washing“ zu vermeiden – und bei den Fähigkeiten der Technologie nicht zu übertreiben. Je weniger Mitarbeiter dem Unternehmen vertrauen, desto schwieriger ist es, die Technologien einzusetzen und den Wert langfristig zu realisieren.

5. Belastbarkeit: Ohne Mut zur Veränderung wird sich die Technologie nur langsam weiterentwickeln, ebenso wie die Fähigkeiten der Mitarbeiter und die Vielfalt und Authentizität eines Unternehmens.

Dr. Chris Brauer erläutert ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie: „Ziel unserer Forschung war es zu ermitteln, ob Automatisierung Arbeit ‚menschlicher‘ machen kann. Wir haben herausgefunden, dass Unternehmen, die ‚Digital Worker‘ neben menschlichen Mitarbeitern einsetzen, ihre Leistung um 28 Prozent steigern können. Die gleichen Unternehmen schneiden auch bei Faktoren die einen Arbeitsplatz ‚menschlicher‘ machen um 33 Prozent besser ab.“

Ein Aufruf für mehr Diversity in der Automatisierung

Diversity bietet eine einzigartige Chance für die Automatisierung. Die Studie zeigt, dass sechs Prozent weniger Frauen die Möglichkeit erhalten haben in einem Testlauf mitzuwirken. Das World Economic Forum berichtet, dass nur 22 Prozent der weltweiten KI-Experten weiblich sind. Das Forum warnt Unternehmen, schnell zu handeln. Sonst riskieren sie, wertvolle Erkenntnisse und Fähigkeiten zu verlieren, die für die Skalierung von Automatisierung und KI entscheidend sind.

Mihir Shukula, CEO und Co-Founder von Automation Anywhere schlussfolgert, „Wir haben die Studie in Auftrag gegeben, um ein besseres und detaillierteres Verständnis für die praktischen Aspekte der Skalierung von Automatisierung und KI zu bekommen, nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kunden und Partner. Für uns war es wichtig, auch die Mitarbeiter der Unternehmen miteinzubeziehen. Sie sind weltweit am stärksten vom Einsatz der Technologien betroffen und gleichzeitig können sie am meisten davon profitieren. Von den Fähigkeiten über Diversity bis hin zur Authentizität - die Branche muss auch weiterhin die Herausforderungen und Probleme diskutieren und in Frage stellen, um eine verantwortungsbewusste und ethische Entwicklung der Automatisierung sicherzustellen.“

Unterstützt von Automation Anywhere wurde die Forschung von einem akademischen Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Chris Brauer, Director of Innovation am Institute of Management Studies (IMS) der Goldsmiths, University of London, und Dr. Jennifer Barth durchgeführt.

Das Vorurteil der Maschine – die wahre Gefahr ist nicht nachvollziehbare KI

Das Vorurteil der Maschine – die wahre Gefahr ist nicht nachvollziehbare KI

03.02.19 - Gängige Bedrohungsszenarien zur Künstlichen Intelligenz warnen vor ihren vermeintlich überlegenen Fähigkeiten. Die wahre Gefahr liege aber eher in ihrer Überschätzung und im blinden Vertrauen in die ihre nur scheinbare Objektivität, meinen Chemnitzer Professoren. Sie plädieren: KI muss nachvollziehbar sein! lesen

In 7 Schritten zur Industrie 4.0 – aber sicher

In 7 Schritten zur Industrie 4.0 – aber sicher

04.04.19 - Wie können Industrieunternehmen das Konzept von Industrie 4.0 umsetzen, ohne die IT-Sicherheit zu gefährden? Der Leitfaden erklärt die 7 wichtigsten Schritte auf dem Weg in und durch die digitale Transformation. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45926496 / Branchen & Märkte)