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Bosch sieht für 2020 weltweit tiefe Rezession

Autor / Redakteur: dpa / Sebastian Gerstl

Die Autobranche befindet sich ohnehin schon in der Krise, nun kommt auch noch Corona hinzu - Bosch sieht wenig zuversichtlich ins laufende Jahr. Immerhin: Der Pandemie sagt der Technologiekonzern mit eigenen Mitteln den Kampf an.

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Bosch stellt sich für 2020 auf weltweite tiefe Rezession ein: Der Technologiekonzern Bosch rechnet wegen der Corona-Krise und der Transformation in der Automobilbranche mit einer deutlich stärkeren Wirtschaftskrise als während der Rezession im Jahr 2009.
Bosch stellt sich für 2020 auf weltweite tiefe Rezession ein: Der Technologiekonzern Bosch rechnet wegen der Corona-Krise und der Transformation in der Automobilbranche mit einer deutlich stärkeren Wirtschaftskrise als während der Rezession im Jahr 2009.
(Bild: Marijan Murat/dpa)

Maskenpflicht? Für Bosch kein Problem: „Kurzfristig haben wir die Fertigung von Mund- und Nasenmasken aufgenommen. Schon jetzt stellen 13 Bosch-Werke in neun Ländern von Bari in Italien über Bursa in der Türkei bis hin zu Anderson in den USA in Eigeninitiative solche Masken für ihren lokalen Bedarf her“, sagte Volkmar Denner, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, am Mittwoch in Stuttgart. Auch mit einem eigens entwickelten Covid-19-Schnelltest ist das Unternehmen schon längst am Markt. Das ändert jedoch kaum etwas daran, dass der Ausblick für 2020 düster ist.

Eine schlimmere Wirtschaftskrise als 2008/2009

So rechnet der Technologiekonzern wegen der Corona-Krise und der Transformation in der Automobilbranche mit einer deutlich stärkeren Wirtschaftskrise als während der Rezession im Jahr 2009. „In der Automobilproduktion rechnen wir aktuell für 2020 auf Basis der bislang bekannten Effekte mit einem Minus von mindestens 20 Prozent“, sagte Denner. Es werde im Konzern größter Anstrengungen bedürfen, überhaupt nur ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen.

Eine konkrete Prognose für den Konzern wollte Denner angesichts der „erheblichen Unsicherheiten“ nicht geben. Von Vorteil sei für Bosch jedoch die breite Aufstellung mit unterschiedlichen Unternehmensbereichen. Wichtig seien zudem Kostenreduzierungen und die Liquiditätssicherung. So gebe es derzeit an vielen europäischen Standorten Arbeitszeitverkürzungen, und Investitionen würden stärker geprüft. Außerdem habe man vor kurzem eine zusätzliche Kreditlinie von 3 Milliarden Euro vereinbart. Ähnlich wie in der Finanzkrise 2008 und 2009 gelte diese Maßnahme der Vorsorge.

Breite Aufstellung soll wirtschaftlichen Schaden abmildern

Die breite Aufstellung des Konzerns ermöglicht auch die gezielte Reaktion auf Corona, etwa bei der hauseigenen Maskenproduktion. Derzeit werden nach Angaben von Denner in Stuttgart-Feuerbach zwei vollautomatische Fertigungslinien gebaut; weitere sollen im Odenwald sowie in Indien und Mexiko folgen. „Insgesamt werden wir damit täglich mehr als eine halbe Million Stück fertigen können.“

Die Masken sollen zunächst zum Schutz der Bosch-Mitarbeiter eingesetzt werden, anschließend aber auch darüber hinaus verfügbar sein. „In jedem Fall müssen wir mit der Eigenproduktion keine Masken am Markt einkaufen“, sagte Denner. Auch Desinfektionsmittel produziert der Konzern mittlerweile in Eigenregie.

Und dann wäre da noch der Covid-19-Schnelltest, den Bosch vor kurzem entwickelt hatte und der nach zweieinhalb Stunden ein Ergebnis präsentiert. Man wolle die Großlabore nicht ersetzen, wohl aber ergänzen, sagte Denner. Der Schnelltest käme bereits im Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus und in ersten Bosch-Werken zum Einsatz. Darüber hinaus unterstütze man damit Firmen, die einen Impfstoff entwickeln. „Die Nachfrage ist groß, wir werden unsere Fertigungskapazität gegenüber dem Plan bis Ende des Jahres verfünffachen“, sagte Denner. Dieses Jahr sollen demnach rund eine Million, nächstes Jahr schon drei Millionen Tests produziert werden.

Ansonsten aber kämpft der Konzern weiterhin mit dem Wandel in der Automobilbranche. Bereits 2019 hatte bei Bosch die weltweite Schwäche der Autoindustrie durchgeschlagen: Der Technologiekonzern erzielte einen Umsatz von 77,7 Milliarden Euro und lag damit knapp unter dem Vorjahreswert. Der operative Gewinn fiel mit 3,3 Milliarden Euro deutlich geringer aus als 2018 - damals waren es 5,5 Milliarden.

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