Wandel im Mobilitätssektor Bosch: Quartalsbilanz und Strategie für Transformation

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Bosch ist gut ins neue Geschäftsjahr gestartet. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um zwölf Prozent, wechselkursbereinigt um elf Prozent. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg im Rücken soll nun der Wandel im Mobilitätssektor beschleunigt werden.

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Alle Unternehmensbereiche und Regionen konnten in den ersten drei Monaten 2017 teils deutlich zulegen. Für das laufende Jahr strebt Bosch wegen verhaltener Konjunkturaussichten und geopolitischer Unsicherheiten ein Umsatzwachstum zwischen drei und fünf Prozent an.
Alle Unternehmensbereiche und Regionen konnten in den ersten drei Monaten 2017 teils deutlich zulegen. Für das laufende Jahr strebt Bosch wegen verhaltener Konjunkturaussichten und geopolitischer Unsicherheiten ein Umsatzwachstum zwischen drei und fünf Prozent an.
(Bild: Bosch)

Alle Unternehmensbereiche und Regionen konnten in den ersten drei Monaten 2017 teils deutlich zulegen. Für das laufende Jahr strebt Bosch wegen verhaltener Konjunkturaussichten und geopolitischer Unsicherheiten ein Umsatzwachstum zwischen drei und fünf Prozent an. Das Ergebnis soll ungeachtet weiterhin hoher Vorleistungen in die Zukunftssicherung steigen.

„Unser geschäftlicher Erfolg heute schafft uns die Gestaltungsmöglichkeiten für die Welt von morgen“, sagte Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz auf dem Forschungscampus in Renningen. „Bestehendes Geschäft weiterentwickeln, neue Geschäftsfelder erschließen, technologisch führend sein – das ist unsere Strategie für den Transformationsprozess.“

Schwerpunkte des Wandels sind die Veränderungen im Mobilitätsbereich sowie die Vernetzung über das Internet der Dinge. „Als Innovationsführer gestalten und treiben wir die Transformation“, so Denner weiter.

Vorleistungen für die Zukunft auf Rekordniveau

Der Umsatz der Bosch-Gruppe stieg 2016 auf 73,1 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von 3,6 Prozent, wechselkursbereinigt um 5,5 Prozent. Die Wechselkursbelastungen summierten sich im vergangenen Jahr auf 1,3 Milliarden Euro.

Das operative Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern (operatives EBIT) betrug 4,3 Milliarden Euro, die operative Rendite damit 5,8 Prozent. In der Ergebnisentwicklung 2016 spiegeln sich hohe Vorleistungen für die Zukunftssicherung wider. 2016 erhöhte Bosch die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung um knapp zehn Prozent auf sieben Milliarden Euro.

„Bosch muss erhebliche Vorleistungen für die Transformation erbringen und gleichzeitig eine andauernd hohe Ertragskraft sichern“, sagte Prof. Dr. Stefan Asenkerschbaumer, Finanzchef und stellvertretender Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung. Das EBIT wurde 2016 durch negative Sondereffekte belastet und lag bei 3,3 Milliarden Euro.

Mobilität neu denken: Null Emissionen, Null Stress, Null Unfälle

Der Bereich der Mobilität steht vor großen Umbrüchen. „Bosch wird eine neue Art von Mobilität möglich machen, eine Mobilität, die emissionsfrei, stressfrei und unfallfrei sein wird. Es geht nicht mehr nur darum, bessere Autos zu bauen. Wir müssen Mobilität neu denken“, sagte Denner.

Die Verbesserung der Luftqualität in Städten – wo bis 2050 70 Prozent der Weltbevölkerung wohnen werden – bezeichnete Denner als gemeinsame Aufgabe von Industrie, Politik und Gesellschaft. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion auch um Einfahrverbote für Dieselfahrzeuge betonte der Bosch-Chef, dass sowohl Zielsetzungen als auch Maßnahmen für bessere Luftqualität technologieneutral sein müssen.

„Die Kreativität unserer Ingenieure darf nicht politisch auf eine bestimmte Technologie beschränkt werden“, so Denner. Eine wesentliche Chance sieht der Bosch-Chef in der weiteren Optimierung des Verbrennungsmotors. Die ab Herbst 2017 gültigen RDE-Messverfahren (real driving emissions) werden zur weiteren Reduzierung der Stickoxid-Emissionen von Fahrzeugen beitragen.

Rund 300 RDE-Entwicklungsprojekte setzt Bosch derzeit um. Für Benziner befürwortet das Unternehmen schon länger den flächendeckenden Einsatz von Partikelfiltern. Auch die Vernetzung des Verkehrs kann zur Verbesserung der Luftqualität beitragen. Für den Großraum Stuttgart hat Bosch einen Assistenten für den intermodalen Verkehr entwickelt. 2018 wird das von Bosch entwickelte Community-based Parking in Serie gehen.

Elektrifizierung der Mobilität: Strom und Sprit im Mix

Mit großem Aufwand treibt Bosch zudem den Wandel hin zum elektrischen Fahren voran. Eine neue Geschäftseinheit für Elektromobilität bündelt alle Aktivitäten in diesem Bereich. Zusätzlich zu Milliardeninvestitionen für die Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren investiert das Unternehmen

jährlich rund 400 Millionen Euro in den Durchbruch der Elektromobilität.

Schwerpunkt sind dabei Forschung und Entwicklung im Bereich der Batterie. Bosch forscht sowohl an aktuellen als auch an künftigen Zelltechnologien. Mehr als 30 Serienprojekte zur Elektromobilität hat das Unternehmen bereits realisiert. 2016 kamen allein in China, dem größten Markt für Elektromobilität, elf weitere dazu.

Ab Anfang 2018 bietet der neue Bosch-Geschäftsbereich Powertrain Solutions mit 88 000 Mitarbeitern alle Technologien für den Antriebsstrang aus einer Hand. „Ob Sprit oder Strom, Bosch bringt auch in Zukunft Energie in den Antrieb. Wir sind und wollen für unsere Kunden Entwicklungs- und

Technologiepartner Nummer eins bleiben“, so Denner.

Die Automatisierung der Mobilität: Der rollende Butler

Technische Fortschritte und geschäftliche Erfolge erzielt Bosch auch bei der Automatisierung des Fahrens. 2016 hat das Unternehmen erstmals mehr als eine Milliarde Euro mit Fahrerassistenzsystemen umgesetzt und Aufträge im Wert von 3,5 Milliarden Euro akquiriert. In Summe will Bosch mit Fahrerassistenzsystemen 2017 deutlich schneller wachsen als der Markt, für den 30 Prozent Wachstum prognostiziert werden.

Zwischenzeitlich beschäftigen sich bei Bosch rund 3.000 Entwickler mit dem automatisierten Fahren, 500 mehr als im Vorjahr. Gemeinsam mit Daimler treibt Bosch das vollautomatisierte und fahrerlose Fahren im urbanen Umfeld voran. Anfang der kommenden Dekade sollen Fahrzeuge in Städten vollkommen autonom fahren.

Eine Schlüsselkomponente dafür ist der Bosch KI Autocomputer, ein Fahrzeugcomputer mit Künstlicher Intelligenz – das Gehirn für selbstfahrende Autos. Noch in diesem Jahrzehnt wird das Unternehmen mithilfe von Radarsignalen eine hochgenaue digitale Karte realisieren, eine wesentliche Voraussetzung für das automatisierte Fahren.

In Entwicklungspartnerschaften mit Vodafone, Telekom, Huawei und Nokia arbeitet Bosch zudem an der Infrastruktur für den automatisierten und vernetzten Verkehr, beispielsweise an der Erprobung verlässlicher Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation per Mobilfunk.

Die Vernetzung der Mobilität

Bereits im kommenden Jahr startet die Bosch Automotive Cloud Suite, eine neue Plattform für Mobilitätsdienste wie Falschfahrerwarnung, vorausschauende Diagnose, vernetzte Parkplatzsuche oder persönliche Assistenten.

„Die Bosch Automotive Cloud Suite ist das technologische Herzstück für Dienste rund um das vernetzte Fahrzeug. Auf ihr vernetzen wir Fahrer, Auto, Hersteller und weitere Anbieter von Mobilitätsdiensten“, sagte Denner. Die Bosch Automotive Cloud Suite kombiniert die Automotive- und IT-Kompetenz von Bosch.

Bis 2022 soll der weltweite Markt für vernetzte Mobilität um jährlich fast 25 Prozent wachsen (PwC). 250 Millionen vernetzte Fahrzeuge werden laut Schätzungen bis 2020 weltweit auf den Straßen unterwegs sein (Gartner).

Ebenfalls bis 2020 wird nach Einschätzung von Bosch das weltweite Marktvolumen für das Internet der Dinge um jährlich 35 Prozent auf 250 Milliarden US-Dollar steigen. 2016 verkaufte das Unternehmen bereits 27 Millionen internetfähige Erzeugnisse. Bis 2020 werden alle neuen elektronischen Bosch-Produkte vernetzbar sein.

Mit jedem Produkt sollen künftig auch begleitende Services angeboten werden. Schlüssel dazu ist Künstliche Intelligenz. In zehn Jahren wird nahezu jedes Bosch-Erzeugnis mit Künstlicher Intelligenz entwickelt, produziert oder ausgestattet sein. Bosch investiert in den nächsten fünf Jahren 300 Millionen Euro in das unternehmenseigene Bosch Center for Artifical Intelligence.

In Baden-Württemberg entsteht derzeit mit Unterstützung von Bosch das Cyber Valley. Die Allianz aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft soll die Forschung zur Künstlichen Intelligenz vorantreiben. Mit der Universität Amsterdam betreibt Bosch das Delta Lab, ein Forschungslabor für Deep Learning.

Bosch-Chef Denner: „Mit Künstlicher Intelligenz wird Vernetzung persönlich und emotional erlebbar. Digitale Assistenten werden immer klüger und entlasten ihre Nutzer von Alltagsaufgaben.“ Bis Anfang des kommenden Jahrzehnts soll sich die Zahl der Nutzer digitaler Assistenten auf mehr als 1,5 Milliarden verdreifachen.

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