Bolivien stoppt Lithium-Projekt mit deutscher Firma

| Autor / Redakteur: dpa / Sebastian Gerstl

Teil der Kaliumchlorid-Anlage der deutsch-bolivianischen Firma YLB am Salzsee Uyuni in Bolivien. Est 2018 war das Joint Venture zwischen einer baden-württembergischen Firma und der Bolivianischen Regierung gestartet. Nun Aber zieht die Regierung um Evo Morales bereits den Stecker.
Teil der Kaliumchlorid-Anlage der deutsch-bolivianischen Firma YLB am Salzsee Uyuni in Bolivien. Est 2018 war das Joint Venture zwischen einer baden-württembergischen Firma und der Bolivianischen Regierung gestartet. Nun Aber zieht die Regierung um Evo Morales bereits den Stecker. (Bild: YLB)

Es hätte – aus deutscher Sicht – ein Vorzeigeprojekt sein sollen: In einem deutsch-bolivianischen Joint Venture wollte die baden-württembergische Firma ACI Systems langfristig den Lithium-Abbau in Bolivien für den deutschen Markt sichern. Nun aber stoppt die bolivianische Regierung das Projekt.

Boliviens Regierung hat nach Angaben eines Regionalpolitikers ein Joint Venture zur Lithiumgewinnung mit einem deutschen Unternehmen annulliert. Der Gouverneur des Departements Potosí erklärte am Sonntag (Ortszeit) laut der Nachrichtenagentur ABI, die Regierung von Präsident Evo Morales habe das Projekt per Dekret gestoppt. Die Gründe dafür blieben zunächst unklar.

/Nachtrag 15 Uhr: ACI Systems plant vorerst mit Fortsetzung

Das beteiligte Unternehmen ACI Systems aus Baden-Württemberg erklärte am Montagnachmittag, zunächst nur aus der Presse von diesem Schritt erfahren zu haben. „Eine offizielle Information von bolivianischer Seite ist bisher nicht erfolgt und für uns ist es auch nicht nachvollziehbar“, teilte Firmenchef Wolfgang Schmutz mit. Bis vor wenigen Tagen sei noch alles planmäßig gelaufen. „Wir werden daher erst einmal wie geplant am Projekt weiterarbeiten.“

Erst 2018 mit großer Hoffnung gestartet

Das deutsch-bolivianische Gemeinschaftsprojekt war erst vor einem Jahr ins Leben gerufen worden. Das im vergangenen Dezember in Berlin vereinbarte Joint Venture des Staatsunternehmens YLB und der baden-württembergischen Firma ACI Systems zielte darauf ab, Lithium aus dem Salzsee Uyuni zu gewinnen.

Eine Begründung für den Rückzieher der Regierung wurde nicht bekanntgegeben. Im Departement Potosí, in dem der Salzsee liegt, war es zu Protesten gegen das Projekt gekommen, weil die lokale Bevölkerung nach Ansicht der Demonstranten keinen guten Schnitt gemacht hätte.

Im Salzsee Uyuni werden die weltweit größten Lithium-Vorkommen vermutet. Der Rohstoff wird unter anderem zur Produktion von Batterien für Elektroautos benötigt. Dem Abkommen zufolge sollte YLB 51 Prozent der Anteile am Joint Venture halten. Geplant war von 2022 an eine Förderung von 30 000 bis 40 000 Tonnen Lithiumhydroxid im Jahr, mit Investitionen von 300 bis 400 Millionen Euro. Damit ließen sich Hunderttausende E-Autos mit Lithium-Batterien ausstatten.

Bundesregierung zeigt sich irritiert

Man habe die Nachricht der Annullierung „mit Überraschung und Bedauern zur Kenntnis“ genommen, teilte das Haus von Minister Peter Altmaier (CDU) am Mittwoch, 6.11. auf Anfrage mit. Weiter hieß es von Regierungsseite: „Nachvollziehbare Gründe für diese Entscheidung sind der Bundesregierung bisher nicht bekannt.“ Man stehe mit der deutschen Botschaft in Bolivien und mit der Firma ACI Systems aus Zimmern ob Rottweil in Kontakt, um das weitere Vorgehen zu erörtern. Firmenchef Wolfgang Schmutz sagte dem „Spiegel“, es liege ihm noch keine offizielle bolivianische Stellungnahme zur Annullierung des Projekts vor.

„Wir geben dieses Projekt nicht einfach auf“, betonte Schmutz. „Jetzt werden Lösungen gesucht und gefunden. Dazu brauchen wir auch die Unterstützung der Politik.“ Es gebe Verträge und rechtsverbindliche Vereinbarungen. „Aber wir wollen nicht vor Gericht, sondern lieber einvernehmliche, konstruktive Lösungen finden, die allen helfen – vor allem den Menschen vor Ort.“

(dpa)

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posted am 04.11.2019 um 14:02 von Unregistriert


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