Autonomes Fahren Bluebox 3.0: Sichere Applikationen schneller entwickeln

Redakteur: Michael Eckstein

Eine aufgebohrte Version von NXPs Bluebox-Computing-Plattform soll das Entwickeln und Validieren von Software für moderne Fahrzeuge beschleunigen. Eigene S32G-Prozessoren unterstützen laut Hersteller Funktionale Sicherheit auf ASIL-D-Niveau.

Firmen zum Thema

Sicher unterwegs: Bluebox 3.0 eignet sich laut Hersteller NXP besonders für automatisiertes Fahren bis Level 2+ und neue Fahrzeugarchitekturen.
Sicher unterwegs: Bluebox 3.0 eignet sich laut Hersteller NXP besonders für automatisiertes Fahren bis Level 2+ und neue Fahrzeugarchitekturen.
(Bild: NXP)

Auf der CES 2021 hat Halbleiterhersteller NXP Semiconductor die funktional erweiterte Version seiner „Automotive High-Performance-Computing“-(AHPC-)Entwicklungsplattform vorgestellt. Das Bluebox 3.0 genannte Produkt ist nach Herstellerangaben für „sicheres High-Performance-Computing in Fahrzeugen“ gedacht und soll die Entwicklung und Validierung von Softwareanwendungen ermöglichen, noch bevor dedizierte Chips (etwa in Form von ASICs) verfügbar sind.

Die kompakte Computing-Einheit kombiniert ein zentrales Rechenmodul mit NXPs sicher integrierten Hochleistungsprozessoren und Erweiterungen wie den „Massively Parallel Processor Array“-(MPPA-)Prozessor-basierten PCIe-Karten von Kalray, die eine heterogene Beschleunigung unterschiedlicher Berechnungsaufgaben ermöglichen. Gegenüber der Vorversion will NXP die Konnektivität und Skalierbarkeit durch zusätzliche I/Os und PCIe-Steckplätze deutlich gesteigert haben.

Für automatisiertes Fahren bis Level 2+ ausgelegt

Laut NXP eignet sich die Plattform besonders für „benutzerdefinierte Fahrzeuge“, automatisiertes Fahren bis Level 2+ und neue Fahrzeugarchitekturen, die die Vernetzung von Fahrzeugen ermöglichen. Als „benutzerdefinierte Fahrzeuge“ definiert NXP vernetzte Vehikel, bei denen Endkunden den ursprünglichen Funktionsumfang des Fahrzeugs erweitern können.

„Die Anforderungen benutzerdefinierter Fahrzeuge treiben die Entwicklung von Fahrzeugarchitekturen hin zu Domänen- und Zonen-Architekturen voran", sagt Arnaud Van Den Bossche, Director Global Product Marketing für eCockpit und ADAS bei NXP. „Zonen-Architekturen nutzen einen Server-ähnlichen Ansatz für High-Performance-Computing im Fahrzeug. Die NXP Bluebox 3.0 liefert die Designgrundlage für Innovationen mit diesen neuen Fahrzeugnetzwerk-Architekturen und ermöglicht schnellere Implementierungen.“

Moderner Layerscape-Prozessor verdoppelt Rechenleistung

Nach Angaben von NXP verdoppelt der eigene 16-Kern-Prozessor Layerscape LX2160A die Verarbeitungsleistung der Bluebox 3.0 im Vergleich zur vorherigen Bluebox-Generation. Die höhere Leistung und die erweiterten I/O-Schnittstellen sollen die Informationsverarbeitung und die Konnektivität für neue Fahrzeugarchitekturen verbessern.

Die Bluebox 3.0 ist laut Hersteller für die Aufnahme und Verarbeitung von Radar-, Vision- und LiDAR-Signalpfade für fortschrittliche Sensor-Fusion-Anwendungen ausgelegt. Zudem bietet sie Erweiterungsoptionen für die Beschleunigung von künstlicher Intelligenz und Machine Learning mit den Kalray Coolidge MPPA-Prozessoren, die für Umgebungswahrnehmung, Verkehrsvorhersage und Streckenfindefunktionen im Bereich Autonomes Fahren und neue vernetzte Dienste eingesetzt werden können.

S32G-Prozessor sorgt für ASIL-D-konforme Sicherheit

Die Bluebox 3.0-Entwicklungsplattform nutzt NXPs S32G-Prozessor, um eine sichere Fahrzeugvernetzung sowie eine zuverlässige Datenverarbeitung und -prüfung auf Systemebene gemäß ASIL-D zu ermöglichen. Basierend auf seinen Erfahrungen im Bereich der funktionalen Sicherheit arbeitet NXP nach eigenen Angaben innerhalb eines engmaschigen Partnernetzwerks kontinuierlich daran, die Sicherheit von Hochleistungsrechnern im Automobilbereich zu verbessern. Ziel ist es demnach, diese Verbesserungen für Systementwickler nutzbar zu machen. Die Bluebox ist dabei der zentrale Verarbeitungs- und Konnektivitäts-Hub.

ASIL-D-konform: Die Entwicklungsplattform Blubox 3.0 basiert auf einem S32G- und einem Layerscape-Prozessor mit 16 Kernen.
ASIL-D-konform: Die Entwicklungsplattform Blubox 3.0 basiert auf einem S32G- und einem Layerscape-Prozessor mit 16 Kernen.
(Bild: NXP)

Aufgrund der engen Zusammenarbeit von NXP und Kalray sind Kalrays MPPA-Prozessoren direkt in die Software-Entwicklungsumgebung der Bluebox 3.0 integriert. Neben Kalray wird die Bluebox 3.0 laut NXP auch von weiteren Partnern unterstützt, damit die Produktentwicklung zügig beginnen kann. Dazu gehören dSPACE, Embotech, Edge Case Research (ECR), eProsima, Green Hills Software (GHS), Intempora, Micron, MicroSys, Real-Time Innovations (RTI) und Teraki.

(ID:47061999)