Blockchain soll bis 2025 „massentauglich“ werden

| Redakteur: Jürgen Schreier

Kosteneinsparungen, bessere Rückverfolgbarkeit und Transparenz sind die drei wichtigsten Treiber für Investitionen in die Blockchain-Technologie.
Kosteneinsparungen, bessere Rückverfolgbarkeit und Transparenz sind die drei wichtigsten Treiber für Investitionen in die Blockchain-Technologie. (Bild: Pixabay / CC0)

Blockchain vor dem Durchbruch? Start-ups beantworten diese Frage laut Bitkom-Verband mit einem klaren „Ja“. Zu ähnlich positiven Einschätzungen kommt eine Capgemini-Studie. Bis 2025 könnte Blockchain „massenkompatibel“ werden und die Lieferketten weltweit stärken.

Sie ist des deutschen Start-ups Liebling - die Blockchain. Ob smarte Kontrakte, transparente Lieferketten oder das Bezahlen mit Kryptowährungen: Immer häufiger werkelt im Hintergrund die Distributed-Ledger-Technologie. Zwar nutzen aktuell nur sechs Prozent der Start-ups in dieser Republik bereits die Blockkette. Doch jedes vierte (27 Prozent) plant und diskutiert derzeit deren Einsatz. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 300 deutschen Start-ups.

„Die Blockchain hat das Potenzial, fast jede Branche fundamental zu verändern“, schwärmt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Der dezentrale, sichere Ansatz führt dazu, dass wir zum Beispiel bei Finanztransaktionen ebenso wenig wie beim Vertragsabschluss eine zentrale Vertrauensinstanz brauchen. Jedes Unternehmen sollte jetzt prüfen, wo es selbst neue Geschäftsmodelle entwickeln kann – oder wo bestehende eigene künftig obsolet werden könnten.“

Start-ups haben die Nase vorn

Start-ups sind die Schrittmacher bei der Einführung der Blockchain. In der Gesamtwirtschaft spielt die Technologie hingegen kaum eine Rolle. In praktisch keinem Unternehmen ab 20 Mitarbeitern wird sie genutzt und gerade einmal sechs Prozent diskutieren oder planen einen Einsatz. Gleichwohl sagt jedes zweite Unternehmen (53 Prozent), dass die Blockchain große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen hat. Unter den Start-ups teilen sogar fast zwei Drittel (63 Prozent) diese Einschätzung.

Auch die Bundesregierung hat die Bedeutung des Themas Blockchain erkannt und erarbeitet derzeit eine Blockchain-Strategie. „Es besteht die Chance Deutschland als führende Nation für Blockchain und Distributed-Ledger-Technologien zu positionieren. Dazu brauchen wir mehr Experimentierfreude, gerade auch im öffentlichen Sektor“, meint Bitkom-Präsident Berg. „Wir müssen die rechtlichen Hürden für innovative Blockchain-Anwendungen aus dem Weg räumen und Forschungsmittel auf diese Technologie konzentrieren. Unser Ziel muss sein, Deutschland zu einem weltweit führenden Blockchain-Standort zu machen.“

Bitkom veranstaltet ersten Blockchain Business Summit

Um diesem Ziel näher zu kommen, veranstaltet der Bitkom am 3. Dezember, dem ersten Tag des Digitalgipfels 2018, in Nürnberg erstmals einen “Blockchain Business Summit“. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen praktische Einsatzmöglichkeiten der Technologie, Blockchain-as-a-Service-Angebote sowie Fragen der politischen Regulierung. Zudem hat der Digitalverband ein Positionspapier zur Blockchain-Technologie mit Blick auf die Politik in der laufenden Legislaturperiode veröffentlicht.

Blockchain – bis 2025 ausgereift für globale Lieferketten

Bis 2025 aber könnte Blockchain allgegenwärtig sein, massenkompatibel werden und die Lieferketten weltweit stärken - so eine neue Studie des Capgemini Research Institute. Mit Hilfe von Investitionen und Partnerschaften wird die Distributed-Ledger-Technologie in der Fertigungswirtschaft sowie der Konsumgüter- und Einzelhandelsbranche vorherrschen. Die USA und Großbritannien investieren am meisten und sind auch führend in der Umsetzung.

Die Studie “Does blockchain hold the key to a new age of supply chain transparency and trust?“ gibt einen umfassenden Überblick über die Unternehmen und Regionen, die sich auf die Blockchain vorbereiten. Derzeit setzen nur drei Prozent der Unternehmen Blockchain im größeren Maßstab ein und zehn Prozent starteten ein Pilotprojekt. 87 Prozent der Befragten befinden sich nach eigenen Aussagen noch in der Anfangsphase „ihres“ Blockchain-Experiments.

In Europa sind momentan Großbritannien (22 Prozent) und Frankreich (17 Prozent) führend bei der Umsetzung von von Blockchain,-Projekten in größerem Umfang oder solchen, die über den Pilotstatus hinaus gehen. Deutschland folgt mit elf Prozent. Weltweit liegen die USA bei der Umsetzung mit 18 Prozent auf Platz 2. Die Nase vorn haben die USA bei der Finanzierung von Blockchain-Start-ups. Dort wurden über eine Milliarde Dollar seit 2012 investiert. In Großbritannien sind es im Vergleichszeitraum 500 Millionen, in Deutschland 50 Millionen.

Drei Treiber: Kostenersparnis, Rückverfolgbarkeit, Transparenz

Unternehmen, die beim Einsatz von Blockchain die Nase vorn haben, sind optimistisch, dass die Technologie ihr Potenzial ausschöpfen wird, wobei über 60 Prozent glauben, dass sie schon jetzt die Zusammenarbeit mit ihren Partnern verändert. Die Studie ergab ferner, dass Kosteneinsparungen (89 Prozent), bessere Rückverfolgbarkeit (81 Prozent) und Transparenz (79 Prozent) die drei wichtigsten Treiber für Investitionen in die Blockchain-Technologie sind. Darüber hinaus ermöglicht die Blockchain eine sichere, schnellere und transparentere Bereitstellung von Informationen.

Blockchain kann auf kritische Funktionen der Lieferkette angewendet werden - von der Verfolgung der Produktion bis zur Überwachung der Nahrungskette und der Sicherstellung der Einhaltung von Vorschriften. Die in der Studie identifizierten Vorreiter werden ihre Blockchain-Investitionen in den nächsten drei Jahren um 30 Prozent steigern.

Unternehmen haben noch Bedenken

Trotz des Optimismus bei der Implementierung von Blockchain-Systemen bestehen nach wie vor Bedenken hinsichtlich einer klaren Rendite dieser Investitionen (ROI) und der Interoperabilität zwischen den Partnern in einer Lieferkette. Die Mehrheit (92 Prozent) der Vorreiter verweist darauf, dass der ROI die größte Hürde bei der Einführung darstellt und 80 Prozent nennen die Interoperabilität mit Legacy-Systemen als große Herausforderung im Betrieb. Darüber hinaus verweisen 82 Prozent auf die Sicherheit von Transaktionen, da sie die Akzeptanz ihrer Blockchain-Anwendungen durch die Partner behindern und den Status der Blockchain als sichere Technologie untergraben.

In Zusammenarbeit mit der Swinburne University of Technology in Australien fand Capgemini im Rahmen einer weiteren Studie heraus, dass die Experimente mit Blockchain im Jahr 2020 ihren Höhepunkt erreichen werden: Dann werden Unternehmen Machbarkeitsstudien in Auftrag geben und sich von Fintechs absetzen. Ausgereift wird die Blockchain-Transformation der neuen Studie zufolge 2025 sein, wenn Unternehmen die Transformation und Integration starten und Richtlinien für Datenschutz und -management festlegen.

24 Anwendungsfälle für Blockchain identifiziert

Prof. Aleks Subic, stellvertretender Rektor für Forschung und Entwicklung an der Swinburne University of Technology ergänzt: „Unternehmen trauen der Blockchain-Technologie zu, Schlüsselfragen zu lösen und neue Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen und sie verleiht dem digitalen Ökosystem entlang der gesamten Lieferkette Glaubwürdigkeit. Wir glauben, dass die Blockchain-Technologie in naher Zukunft eine wichtige Rolle bei der digitalen Transformation der Lieferkettenkanäle für eine Vielzahl von Branchen spielen wird.“

Die Studie des Capgemini Research Institute identifizierte 24 Anwendungsfälle für Blockchain, vom Handel mit CO2-Zertifikaten über die Verwaltung von Lieferantenverträgen bis hin zur Vermeidung von Produktfälschungen.

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