Bitcoin, Blockchain: Was ist Hype, was bleibt?

| Redakteur: Margit Kuther

Bitcoin, Blockchain: Top oder Flop
Bitcoin, Blockchain: Top oder Flop (Bild: gemeinfrei / CC0)

Anonymität wird es in der Blockchain nicht geben. Doch dezentrale Computer-Programme, die auf Smart Contracts basieren, könnten unsere Zukunft revolutionieren. BaFin-Präsident Felix Hufeld informiert.

In Estland, das 2015 zum „Most digital Country in the World“ gekürt wurde, kommt die Blockchain schon bei vielen Dienstleistungsangeboten der öffentlichen Verwaltung zum Einsatz. In Schweden läuft seit Juli 2017 ein Pilotprojekt, das diese Technologie für Grundbucheintragungen nutzt. Manchen Ländern Afrikas könnte dank der Blockchain (Blockketten; transparente, dezentrale Datenbanken) ein regelrechter Quantensprung gelingen, beispielsweise bei der Dokumentation von Eigentumsrechten.

Krypto-Token wie der Bitcoin sind Rechnungseinheiten

Auch in der Finanzbranche besteht das Potenzial, einen gesamten Sektor auf den Kopf zu stellen. Insbesondere, weil die Blockchain-Technologie Intermediäre – zumindest technologisch – überflüssig machen kann. Und da der Verzicht auf zwischengeschaltete Dienstleister Geld spart, steht die Blockchain in vielen Chefetagen hoch im Kurs. Außerdem können Prozesse automatisiert werden. Das disruptive Potenzial dieser Technologie reicht aber über das Kostensparen hinaus. Völlig neue Geschäftsmodelle könnten entstehen, an die weder Sie noch ich heute denken.

So ist ein Konsortium aus verschiedenen, global agierenden Großbanken dabei, eine gemeinsame Plattform auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie an den Start zu bringen. Dieses ‘verteilte Kontobuch’ ist die technologische Grundlage virtueller Währungen und wird öffentlich und dezentral geführt. Inländische und grenzüberschreitende Finanzierungen könnten so für kleine und mittelständische Unternehmen einfacher handhabbar werden.

Ein anderes Beispiel kommt aus dem Südwesten der Republik. Dort hat ein anderes Kreditinstitut für einen Automobilhersteller und ein Mobilfunkunternehmen erfolgreich Schuldscheindarlehen über eine private Blockchain ausgegeben. Die Zahlungen werden automatisch durch Computerprotokolle, sogenannte Smart Contracts, die Verträge digital abbilden, geprüft und gegebenenfalls angewiesen.

Die mit Abstand bekanntesten Vertreter der Blockchain-Technologie sind aktuell aber Krypto-Token wie der Bitcoin. Die Blockchain aber nur auf Token zu reduzieren, wäre grundfalsch. Ebenso wenig ist der Bitcoin nur eine weitere Variante von Währungen im klassischen Sinn. Als Währung gilt innerhalb unserer Jurisdiktion klassischerweise das Zentralbankgeld. Und genau das sind Krypto-Token nicht, auch wenn viele von ihnen ursprünglich als Parallel- oder Alternativwährung gedacht waren. Hinter ihnen stehen weder ein Staat noch ein Versprechen eines staatlich regulierten Emittenten und schon gar keine Zentralbank. Korrekterweise handelt es sich eher um Rechnungseinheiten.

Risiken der Blockchain-Technologie

Was uns angesichts der Blockchain-Technologie und ihrer unzähligen Anwendungsmöglichkeiten natürlich auch umtreibt, sind die Risiken. Und hier kommen wir Regulierer und Aufseher ins Spiel. Wir müssen die technischen Potenziale zunächst rechtlich und wirtschaftlich sauber einordnen, erst dann sollten wir handeln. Dabei dürfen wir allerdings nicht den Fehler machen, überzuschießen. Innovationen brauchen gerade am Anfang Raum, um sich entwickeln zu können. Ihnen diesen Raum zu lassen, zeichnet eine Marktwirtschaft aus. Wenn wir aber Gefährdungslagen für die Finanzstabilität oder den Schutz der Verbraucher erkennen, werden wir nachkalibrieren.

Blockchain: Risiken vs. Chancen

Blockchain-Ökonomie: eine Alternative zu Zentralisierungstendenzen
Blockchain-Ökonomie: eine Alternative zu Zentralisierungstendenzen (Bild: Clipdealer)

Und hier sind wir bei der Gretchenfrage der Regulierung neuartiger Technologien und Geschäftsmodelle angekommen: Wie gehen wir mit dem Spannungsverhältnis zwischen Innovation und Sicherheit um? Es kann nicht unser Ansatz sein, aus Angst vor den Risiken einer Technologie deren Chancen wegzuregulieren. Andererseits dürfen weder Regulierer noch Aufseher die Risiken der Blockchain oder anderer Phänomene der Digitalisierung bagatellisieren.

Ein wichtiger Aspekt der Risikoanalyse ist, nachvollziehen zu können, mit welchen Absichten und für welche Zwecke die Blockchain-Technologie zum Einsatz kommen soll. Hier sind wir schnell bei Stichworten wie Intransparenz und Pseudonymität – im schlimmsten Fall sogar bei der Anonymität. Zwar können Identitäten dank der dezentralen Struktur der Blockchain fälschungssicher festgelegt werden, aber gerade ihre dezentrale, grenzüberschreitend angelegte Struktur macht öffentliche Blockchains anfällig für Missbräuche – wie etwa Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung. Hinzu kommt, dass Blockchains international noch nicht einheitlich reguliert werden. Außerdem sind viele Fragen zum Datenschutz und zur Cybersicherheit offen.

Erstausgabe von Token, ein hochspekulatives Verfahren

Als BaFin müssen wir aber auch Fragen des Verbraucherschutzes im Blick haben, die sich etwa bei der Erstausgabe neuer Token, den Initial Coins Offerings, kurz ICOs, stellen. Diese Form des Crowdfundings ist bislang ein unreguliertes und insbesondere für private Anleger hoch spekulatives Verfahren. Deshalb haben wir im vergangenen November vor ICOs gewarnt und dabei auch auf die hohe Preisvolatilität von Krypto-Token hingewiesen. Wir werden nicht jeden einzelnen Anleger vor seinem Schicksal bewahren können, und das kann auch nicht Aufgabe staatlicher Aufsicht sein. Auch hier gilt die Maxime: Wir müssen dann aufsichtlich oder regulatorisch handeln, wenn die Finanzstabilität insgesamt bedroht wäre oder Verbraucher systematisch Schaden nehmen könnten.

Erste Erfolge konnten wir bereits erzielen. So hat die EU-Kommission einen FinTech-Aktionsplan veröffentlicht, der sich mit zentralen Regulierungsfragen rund um die Blockchain-Technologie befasst. Ich hoffe, dass dieses Papier dazu beiträgt, die Rechtssicherheit in Europa zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Binnenmarktes zu stärken.

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