Breitbandausbau Bis 2030: Gigabitanschluss für (fast) alle

Autor / Redakteur: dpa / Michael Eckstein

Die deutschen Provider sehen sich beim Ausbau schneller Internetanschlüsse auf Kurs: Bis 2030 soll fast jeder Haushalt das hohe Download-Tempo nutzen können. Zeit wird es, denn Deutschland ist in Punkto digitale Infrastruktur ein Entwicklungsland.

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Endlich: Nach jahrzehntelanger aktiver Verhinderung kommt der Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland nun offenbar gut voran.
Endlich: Nach jahrzehntelanger aktiver Verhinderung kommt der Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland nun offenbar gut voran.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Deutschlands Internetbranche sieht sich beim Ausbau ihres Gigabit-Netzes auf Kurs. „Wir werden um 2030 fertig sein und werden dann Gigabit haben“, sagt der Chef des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), Jürgen Grützner. Damit bezog er sich auf das Ziel der Branche, bis Ende dieses Jahrzehnts so gut wie allen Haushalten ein Festnetz-Downloadtempo von 1 Gigabit pro Sekunde zu ermöglichen.

Laut einer Studie von Dialog Consult im Auftrag vom VATM liegt der Gigabit-Anteil derzeit bei 62,4 Prozent der Haushalte. Ende 2021 sollen es mehr als zwei Drittel sein.

Allerdings schränkte Grützner ein, dass wohl zwei bis drei Prozent der Haushalte letztendlich nicht angeschlossen werden. Diese Häuser liegen demnach so abgelegen, dass für sie keine Glasfaser verlegt werde. Für sie könnte sich dann Internet über Mobilfunk oder Satelliten anbieten, sagt Grützner. Studienautor Torsten Gerpott ist insgesamt etwas weniger optimistisch – der Professor rechnet mit dem Erreichen des Gigabit-Ziels erst in der ersten Hälfte des kommenden Jahrzehnts.

Shared Medium: Mogelpackung Kabel-Gigabit

Bei Gigabit-Anschlüssen werden derzeit zwei unterschiedliche Technologien genutzt: Beim Hybrid-Fiber-Coax-Netz (HFC) besteht der Hauptteil der Verbindung aus Glasfaser, auf der letzten Strecke bis in die Wohnung hinein sind es aber Koaxialkabel, also herkömmliches TV-Kabel.

Auf diese Technologie setzt Anbieter Vodafone. Die Deutsche Telekom hingegen setzt bei ihrem Gigabit-Ausbau auf „Fiber to the Home“ (FTTH): Hierbei wird die Glasfaser bis zum Hausanschluss beziehungsweise bis in die Wohnung geführt. Schnell sind beide Technologien, allerdings haben die TV-Kabel einen Nachteil: Sie sind ein sogenanntes Shared Medium, bei dem das Übertragungstempo sinkt, wenn viele Menschen in der Umgebung im Internet unterwegs sind.

Volles Gigabit-Tempo gibt es nur mit FTTH

Bei der „reinen Glasfaser“, wie FTTH auch genannt wird, sei das nicht so, sagt Andreas Walter von Dialog Consult: „Anwender müssen sich nicht die Bandbreite mit allen anderen Kunden im Anschlussbereich teilen, sondern sie haben eine dedizierte Leitung. Es kommt also tatsächlich Gigabit [...] in der Wohnung an.“ Auch bei der Latenz, also der Reaktionszeit, ist Glasfaser nach Walters Worten besser. Das ist wichtig für „Augmented Reality“-Anwendungen oder für Online-Games, in denen Verzögerungen stören ankommt.

Die meisten Gigbabit-fähigen Haushalte sind stand heute an das HFC-Netz angeschlossen, sie kommen also über TV-Kabel ins Internet. Hier ist Vodafone Marktführer, rund 20 Millionen Haushalte sind der Studie zufolge über die HFC-Technologie „Docsis 3.1“ angebunden. Rund drei Millionen Haushalte haben Zugang zum „reinen“ Glasfasernetz, also FTTH oder zumindest FTTB (Fiber to the Building, also Glasfaser bis in den Keller). Weitere drei Millionen Haushalte haben gewissermaßen ein Luxusproblem: Sie haben Zugang sowohl zum Glasfaser- als auch zum TV-Kabel-Netz und können sich also aussuchen, über welche Technologie sie Gigabit-Speed bekommen.

Braucht wirklich jeder Bürger Gigabit?

Wichtig: In der Studie geht es um die Zahl der Haushalte, bei denen Gigabit-Internet verfügbar ist, nicht um die Zahl der Gigabit-Verträge. Tatsächlich gehört nur zu einem guten Drittel (37,1 Prozent) der gigabitfähigen Anschlüsse auch ein Gigabit-Vertrag, der Rest der Anschlussinhaber verzichtet darauf und nutzt langsameres Internet – und zahlt so auch weniger Geld, als für die Highspeed-Verträge fällig wäre.

Überhaupt stellt sich die Frage, ob Gigabit-Speed überhaupt notwendig ist für den alltäglichen Internetbedarf. Nach Angaben der Bundesnetzagentur lagen die meisten Verträge mit ihrer vermarkteten Bandbreite im vergangenen Jahr bei 100 Megabit oder weniger. Das reicht also vielen Menschen für den Download ihrer Dateien und zum Streamen.

Internetanschluss: Unfreiwillig langsam

Nicht wenige Verbraucher mit langsamen Internetverträgen haben diese allerdings wohl nicht freiwillig – sie hätten gern mehr Speed, haben aber noch keinen Zugang zu einem besseren Netz. Sie können in den nächsten Jahren darauf hoffen, dass sich ihre Situation dank des beschleunigten Highspeed-Ausbaus verbessert.

„Es gibt heute viele Anwendungen, die benötigen kein Gigabit-Tempo“, sagt Telekommunikationsexperte Gerpott. Wenn Gigabit in immer mehr Haushalten verfügbar sei, werde aber auch das Angebot für datenintensive Anwendungen steigen und damit wiederum die Nachfrage nach dem schnellem Internet, so der Professor von der Universität Duisburg-Essen. Die Zahl der Haushalte mit aktiviertem Gigabit-Netz wird nach seiner Einschätzung deutlich steigen.

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