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BITKOM Biometrie-Markt in Deutschland wächst stark

| Redakteur: Jan Vollmuth

Der deutsche Markt für Biometrie wird sich in den nächsten Jahren mehr als verdoppeln. Von rund 120 Mio. € im Jahr 2006 wächst der Umsatz auf voraussichtlich rund 300 Mio. € im Jahr 2010. Dies geht aus einer Studie hervor, die Roland Berger Strategy Consultants für BITKOM erstellt hat.

„Besonders im Bankensektor und dem Einzelhandel hat die Biometrie viele Einsatzmöglichkeiten“, BITKOM-Vizepräsident Jörg Menno Harms
„Besonders im Bankensektor und dem Einzelhandel hat die Biometrie viele Einsatzmöglichkeiten“, BITKOM-Vizepräsident Jörg Menno Harms
( Archiv: Vogel Business Media )

Die wichtigste Technologie im Bereich Biometrie bleibt demnach die Erkennung von Fingerabdrücken. An Bedeutung gewinnt jedich die Gesichtserkennung: Deren Anteil am Marktumsatz wird von derzeit gut einem Fünftel auf ungefähr 30% steigen, so die Analysten.

„Besonders im Bankensektor und dem Einzelhandel hat die Biometrie viele Einsatzmöglichkeiten“, sagt BITKOM-Vizepräsident Jörg Menno Harms. Im Bankensektor liesen sich biometrische Verfahren beispielsweise bei Geldautomaten, Internet- und Telefonbanking oder dem kartenbasierten Zahlungsverkehr einsetzen. Im E-Commerce könnten mit solchen Verfahren die Identität von Online-Zahlungen überprüft werden.

Körperliche oder Verhaltensmerkmale zur Erkennung verwenden

Unter Biometrie versteht man automatisierte Methoden, um Menschen zu erkennen. Körperliche oder Verhaltensmerkmale von Personen werden mit elektronisch gespeicherten Datensätzen verglichen. So können Menschen aus einem unbestimmten Personenkreis erkannt werden. Zudem kann – etwa für eine Zugangskontrolle – automatisch überprüft werden, ob eine Person zu einem bestimmten Personenkreis gehört.

Der Vorteil biometrischer Verfahren gegenüber herkömmlichen Technologien: Während Ausweise oder Passwörter vergessen, gestohlen gefälscht oder bewusst weitergegeben werden können, sind Fingerabdruck, Iris, Gesicht oder Stimme untrennbar mit der Person verbunden.

Derzeit stellen knapp 100 deutsche Unternehmen mit mehreren tausend Beschäftigten biometrische Produkte her oder befassen sich mit der Systemintegration. Die meisten dieser Unternehmen sitzen in Bayern und Baden-Württemberg, gefolgt von Hessen sowie Nordrhein-Westfalen und Berlin.

Deutsche Biometrie bei Gesichtserkennung international führend

„Die deutsche Biometriebranche genießt international einen guten Ruf und ist bei der Gesichtserkennung weltweit führend“, sagt Harms. Da die Branche in Deutschland jedoch im internationalen Vergleich eher mittelständisch geprägt sei, mangele es häufig an Finanzmitteln für Forschung, Entwicklung und internationale Vermarktung.

Sinnvoll wäre zudem eine Bündelung der Forschungsaktivitäten des Innen-, Wirtschafts- und Forschungsministeriums, um so Koordinationsprobleme und Reibungsverluste zu vermeiden.

Der Markt für biometrische Technologien wird stark von politischen Entscheidungen geprägt: Soreon Research schätzt den staatlichen Anteil bei der Nachfrage für das Jahr 2009 auf 45% des deutschen Gesamtmarktes.

Die Bedeutung öffentlicher Nachfrage erklärt auch, warum die volkswirtschaftliche Bedeutung der Biometrie in den USA weltweit am höchsten ist: Dort liegt der Anteil des Branchenumsatzes bei 0,05% des Bruttoinlandsproduktes, fast drei Mal so hoch wie in Europa. Der weltweite Umsatz der biometrischen Industrie wird nach Schätzungen der International Biometric Group von 1,8 Mrd € im Jahr 2006 auf 4,8 Mrd. € im Jahr 2010 steigen.

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