Arbeitsmarkt

Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

„Vorurteile gegen ältere Ingenieure sind noch die Norm“

Den vom VDE beobachteten Trend, der Arbeitsmarkt sei gegenüber älteren Ingenieuren in den letzten Jahren „deutlich besser beziehungsweise fairer geworden“, kann der betroffene Elektroingenieur nicht nachvollziehen: „Das Vorurteil des "unflexiblen, unmotivierten, teuren und anspruchsvollen Alten" ist in der Industrie immer noch die Norm. Dies kann man auch an der Anzahl der Bewerbungen auf ausgeschriebene Positionen ablesen, die überhaupt nicht beantwortet wurden. Ich würde den Anteil auf ca. 25 Prozent schätzen. Dabei ist auch bemerkenswert, dass ich für alle Positionen geeignet war; darauf hat schon die Outplacement-Agentur geachtet, ebenso wie auf die Qualität der Bewerbungsunterlagen.“

Der Betroffene fährt fort: „Daraus leite ich persönlich auch ab, dass eigentlich kein Mangel an Ingenieuren besteht. Sonst könnten es sich die Firmen nicht leisten, ihren Namen auf dem Markt durch ein solches Verhalten zu verbrennen. Denn etwas anderes tun sie nicht; da auch Bewerber heutzutage sehr stark vernetzt sind, gehen die Namen solcher Firmen natürlich auch um und schrecken ab.“

Die Erfahrungen des arbeitslosen E-Ingenieurs zeigen, dass der oft beschworene Ingenieurmangel in Teilen eine Fiktion sein dürfte: „Solange es sich Firmen leisten können, erfahrene Ingenieure mit zwei Dritteln des bisherigen Gehaltes mit Ende 50 nach Haus zu schicken und Bewerber jenseits der 50 fast nicht zu beachten, gibt es diesen Mangel in meinen Augen nicht.“

Deshalb stimmt er prinzipiell der These des DIW zu, das primär einen „Mangel an billigen Ingenieuren“ verortet. Auch die These, die Ingenieure hätten es selbst in der Hand, durch rechtzeitige Weiterbildung ihre Arbeitsplatzchancen zu verbessern, ist aus seiner Sicht nicht unbedingt haltbar.

Weiterbildung muss oft erkämpft werden

Denn vielfach würden es die Firmen versäumen, ihre vorhandenen Mitarbeiter weiterzubilden: „Wenn etwa eine neue Programmiersprache eingesetzt werden muss, halten viele Chefs erst einmal Ausschau nach einem neuen Mitarbeiter, der diese Sprache vielleicht auf der Hochschule gelernt hat, bevor sie auf den Gedanken kommen, ihre vorhandenen Mitarbeiter zu schulen. Einen ähnlichen Fall gab es auch in meiner Laufbahn: Als wir für ein Projekt von C++ auf Java umsteigen sollten, habe ich für einen einwöchigen Kurs für mich und meinen (vorhandenen) Mitarbeiter gefühlt länger kämpfen müssen, als wenn ich einen neuen Projektmitarbeiter haben wollte.“

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:44320138)