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Industrie 4.0 Big Data ist der neue Rohstoff der Wirtschaft

Redakteur: Jürgen Schreier

Maschinen und Fertigung steuern und überwachen sich selbst. Der Mensch wird zum Dirigenten dieses großen Industrie-4.0-Konzerts. Die Partitur: riesige Datenmengen aus Sensoren, Aktoren, Steuerungen und MDE-Systemen – Big Data. Doch die Daten gewinnen erst an Wert, wenn aus ihnen Wissen wird..

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(Bild: Bosch)

La vache qui rit – die Kuh, die lacht: So labelt der französische Käseproduzent Bel (bekannt für den beliebten Klassiker Bonbel) seine Milchprodukte. Heute ist die Kuh schon ein ganzes Stück weiter. Den sie lacht nicht nur (wenn sie denn im Zeitalter der Massentierhaltung überhaupt noch etwas zu lachen hat), sondern sendet als Akteurin auf dem «Bauernhof 4.0» auch schon mal eine SMS. Sensoren, GPS oder Big-Data-Analysen werden die Landwirtschaft von morgen effizienter machen und tiefgreifend verändern.

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Und so wird die Frau, die der Bauer in der gleichnamigen Fernsehserie sucht (und selten findet), schon bald keine mehr sein, die dem üblichen «Landfrauenklischee» entspricht. Statt zu melken, den Stall auszumisten oder den Hühnern die Eier trickreich «abzuluchsen», hat die digitale Bäuerin über ihr Tablet oder Smartphone stets im Blick, was im Stall oder auf der Weide so geschieht: Sensoren an verschiedenen Stellen des Hofes senden einen Alarm auf das Mobilgerät, wenn Tore, Türen oder Gatter unbefugt geöffnet werden, Brandmelder warnen rechtzeitig bei Rauchbildung.

Immer fitter für Industrie 4.0

Schon heute gibt es in der Landwirtschaft Ansätze analog zu «Industrie 4.0»: Hightech-Mähdrescher und -Traktoren, die satellitengesteuert über das Feld navigieren, oder Drohnen, die Herbizide oder Düngemittel punktgenau ausbringen. Aktuellstes Beispiel ist eine Nachrüstlösung, die von der Deutschen Telekom gemeinsam mit Leica Geosystems und Sensor-Technik Wiedemann entwickelt wurde.

Sie steuert GPS-Korrekturdaten direkt über das Mobilfunknetz in das Lenksystem von Landmaschinen ein. Dazu sendet die Maschine ihre Position über das Mobilfunknetz in die Telekom-Cloud. Ein Korrekturdatensystem errechnet die präzisen Positionsdaten und «beamt» sie sofort zurück an die Maschine. Und diese wiederum passt Fahrspur, Düngemittel- oder Saatguteinsatz automatisch an und optimiert zusätzlich den Spritverbrauch.

Fazit: Nicht nur die Techniken, auch die Ziele sind auf dem «digitalen Bauernhof» nahezu die gleichen wie in der smarten Fabrik. Die Landwirte, das zeigt eine aktuelle Umfrage des Digitalverbandes Bitkom, erwarten von solchen Technologien verbesserte Abläufe, geringere Herstellungskosten durch eine höhere Effizienz und verbesserte Kapazitätsauslastung. Aber auch die Wartung und Instandhaltung der Maschinen und Geräte könnte mithilfe vorausschauender Analyseverfahren besser geplant werden als heute. Hightech-Anwendungen und Big Data werden auf dem Bauernhof von morgen ganz selbstverständlich sein, ist man beim Bitkom überzeugt.

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Interview
Big Data stellt einen signifikanten Mehrwert dar

Herr Jocher, Sie gestalten als IoT-Experte die IT-Trends der Zukunft aktiv mit. Was sind aktuell die größten Herausforderungen, denen sich die heutige Industrie im Zeitalter des IoT stellen muss?

Das Internet der Dinge ermöglicht einen direkten Zugang zu Informationen. Diese werden vor Ort generiert, zum Beispiel von Sensoren, und müssen dann in geeigneter Art und Weise aufbereitet und gewinnbringend verarbeitet werden. IoT – insbesondere im Zusammenhang mit Big Data – verändert die Art und Weise, wie Arbeit ausgeführt wird. Prozesse, Abläufe und Aufgaben verändern sich, da es nun andere Möglichkeiten gibt, wie diese noch effizienter erledigt werden können. Liegen diese Informationen in Echtzeit direkt vor Ort vor, sind Unternehmen in der Lage, schneller und zielorientierter zu agieren. Insbesondere bei der Installation und Wartung von Industrieanlagen ergeben sich große Vorteile. Im Zusammenspiel mit dem Werkstück übermittelt die Maschine Informationen über Zustand, Art des Einbaus, Art der Inbetriebnahme oder mögliche Störungen. Das Unternehmen kann dadurch viel flexibler agieren und Zeit beziehungsweise Kosten einsparen.

Systemintegration und die Echtzeitverarbeitung großer Datenmengen machen erhebliche Fortschritte. Was bedeutet Big Data für Sie in diesem Zusammenhang?

Big Data ist neben IoT die zweite Seite der Medaille und stellt einen signifikanten Mehrwert dar, und zwar über das Liefern und Anzeigen der Daten hinaus. Die gesammelten Informationen lassen sich damit aufwerten und anreichern. Zusätzlich ist es mit Big Data möglich, Voraussagen und Empfehlungen zu formulieren. Im Industriebereich sprechen wir hier zum Beispiel von Erkenntnissen über Ausfallhäufigkeiten und Wartungszyklen, Verknüpfung mit Bestellprozessen oder der Logistik.

Wo sehen Sie Grenzen in der Umsetzung von Big-Data und IoT?

Grenzen liegen insbesondere in den Köpfen der handelnden Personen, der Entscheider. Diese sind dazu aufgefordert, sich gegenüber neuen Konzepten und Technologien zu öffnen. Sicherlich spielen Aspekte des Datenschutzes eine große und wichtige Rolle. Doch die Potenziale, die sich mit Big Data und IoT ergeben, sind über kurz oder lang entscheidend, um künftig die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten beziehungsweise Bedenken, Big Data und IoT in ihrem Unternehmen zu implementieren. Welche Tipps haben Sie für einen gelungenen Start in das „Bigger Picture“?

Schwierigkeiten können dann entstehen, wenn sich die Unternehmen nicht umfassend mit der Thematik auseinandersetzen und die Ideen für den gewinnbringenden Einsatz dieser Technologien fehlen. Dieser Prozess muss im Management angestoßen und vorangetrieben werden und setzt eine entsprechende Strategie voraus. Um einen erfolgreichen Start in das Bigger Picture zu gewährleisten, sind genaue Ziele, ein fester Fahrplan und die geplanten Investitionen zu definieren. Vertrauensvolle Partner helfen bei diesen Aufgaben und können den Weg in die „Bigger Future“ ebnen.

Wie unterstützen Sie die Unternehmen?

Wir bieten unseren Kunden Beratung und Lösungen aus einer Hand und können die Themen Big Data und Internet of Things in sinnvoller Weise miteinander verbinden. Wir wissen, wie mit großen Daten sinnvoll umzugehen ist, wie diese in wertvolles Wissen umgewandelt werden und schließlich intelligente Informationen, Hilfen, Empfehlungen, Prognosen entstehen – und das in Echtzeit! Zudem bringen wir jahrelange Erfahrung in der Web- und Mobile-­Entwicklung mit und sind in der Lage, die Informationen bedarfsgerecht zu präsentieren.

Big-Data-Readiness nimmt zu

Auch das produzierende Gewerbe setzt zunehmend mehr Big-Data-Lösungen ein. Das geht aus dem aktuellen «IT Innovation Readiness Index» von Pierre Audoin Consultants (PAC) im Auftrag der Freudenberg IT hervor. So nutzt die mittelständische Fertigungsindustrie Big Data insbesondere zur Auswertung kaufmännischer Unternehmenskennzahlen sowie zur Absatzdatenanalyse.

Denn laut Umfrage wird das Thema Internationalisierung und Globalisierung in der Zielgruppe derzeit als eine der grössten Herausforderungen wahrgenommen. PAC geht deshalb davon aus, dass Big-Data-Analysen von Absatzdaten, die auf immer komplexeren Vertriebswegen global generiert werden, in der mittelständischen Fertigungsindustrie langfristig zunehmen werden.

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