Bewegung im EMS-Markt: Katek SE überholt TQ Systems

| Redakteur: Michael Eckstein

Großeinkauf: Die Katek-Gruppe übernimmt eSystems und Bebro inklusive Beflex und steigt zum zweitgrößten EMS-Dienstleister in Deutschland auf.
Großeinkauf: Die Katek-Gruppe übernimmt eSystems und Bebro inklusive Beflex und steigt zum zweitgrößten EMS-Dienstleister in Deutschland auf. (Bild: Clipdealer)

Mit neuerlichen Zukäufen rückt die Katek-Gruppe im Ranking der EMS-Dienstleister hinter Zollner auf Platz 2 in Deutschland vor. Damit einher geht der Sprung in die europäische Top 10. Im Fokus des Anbieters stehen Messtechnik, Industrie und Medizin und professionelle IoT-Anwendungen.

Erst im März hatte Katek SE die Steca GmbH in Memmingen, die Katek GmbH in Grassau und die ETL GmbH in Mauerstetten übernommen und war damit zu einem der größten Anbieter von Electronic Manufacturing Services (EMS) in Deutschland aufgestiegen.

Nun hat sich die Katek-Gruppe weitere Schlüsselkompetenzen eingekauft: bebro electronic GmbH, Beflex electronic GmbH und eSystems MTG GmbH firmieren demnächst unter dem Dach der Katek-Gruppe. „Unser Ziel ist, zügig unter die Top-Zehn in Europa zu gelangen. Die Akquisitionen von Steca, Katek in Grassau ETL waren erste Schritte und dürften uns bereits auf Rang 3 unter den EMS-Dienstleistern in Deutschland gebracht haben“, sagt Rainer Koppitz, CEO von Katek SE. Mit den neuerlichen Zukäufen hat das Unternehmen voraussichtlich TQ Systems überholt und sich als zweitgrößter EMS-Dienstleister in Deutschland hinter Zollner etabliert.

Auch der Sprung in die europäische Top 10 dürfte damit geklappt haben. So gehen Marktanalysten davon aus, dass Katek die Wettbewerber Eolane und Lacroix überholt hat und damit mindestens auf Platz 9 vorgerückt ist. Mit weiteren Übernahmen könnte die Gruppe noch 2019 auch Bitron und All Circuits überholen und dann auf Platz 7 liegen.

„Durch die Zukäufe ist Katek jetzt so groß, dass seine EMS-Dienstleistungen auch für große OEMs immer interessanter werden“, erklärt Marktanalyst und Branchenexperte Dieter Weiss im Gespräch mit ELEKTRONIKPRAXIS. Hinzu kommt: In Zeiten einer sich abkühlenden Wirtschaft überlegen sich eher mehr als weniger Betriebe, ob sie eigene Fertigungen unterhalten müssen oder ihre Produkte nicht besser bei einem spezialisierten EMS-Unternehmen herstellen lassen. Weiss sieht auch einen Trend hin zum verstärkten Reshoring: „Viele OEM-Unternehmen stellen eine Produktion in Fernost zunehmend in Frage und wollen ihre Produkte verstärkt wieder in Deutschland oder zumindest in Europa fertigen lassen.“ Das spiele große EMS-Anbietern wie Zollner und eben jetzt auch Katek in die Hände.

Schwerpunkte Messtechnik, Industrie und Medizin

Bebro und eSystems beschäftigen 550 Mitarbeiter und erzielen zusammen knapp 90 Mio. Euro Umsatz. Bebro hat neben dem klassischen EMS-Geschäft an den Standorten Frickenhausen und Horni Sucha (Tschechien) mit Schwerpunkten in den Bereichen Messtechnik, Industrie und Medizin die Tochterfirma Beflex aufgebaut. Diese konzentriert sich auf das Geschäft mit Prototypen und Kleinserien, die an den drei Standorten Frickenhausen, München und Witten in enger Zusammenarbeit mit den Ingenieuren der Kunden erstellt werden. Die selbständige eSystems entwickelt Lösungen und Systeme im Bereich Elektromobilität für die namhaftesten Automobilhersteller der Welt, zum Beispiel das intelligente Laden von Elektrofahrzeugen als Teil von Smart Home und Smart Grid.

„Wir sehen diese Akquisition als einen entscheidenden Schritt, in wichtigen Bereichen wie E-Mobilität und Medizintechnik die komplette Wertschöpfungskette von der Entwicklung über Prototyping, der klassischen EMS-Dienstleistung, dem Box Build bis hin zum Aftersales-Service abzudecken“, erklärt Koppitz. Nach Ansicht von Weiss ist Katek mit seinen drei Standorten in Osteuropa (Tschechien, Ungarn und Bulgarien) zudem in der Lage, auch sehr günstig zu produzieren: „Katek kann mit Fernost-Preisen mithalten – bei gleichzeitig besserer Qualität und höherer Zuverlässigkeit.“

Katek will vom rasanten IoT-Wachstum profitieren

Man glaube daran, dass die Katek-Gruppe viel mehr sein wird als nur die Summe der Tochtergesellschaften. Dafür soll das „Schnellboot-Konzept“ sorgen: Die Töchter werden laut Koppitz „als eigenständige GmbHs mit P&L-Verantwortung und maximaler Kundennähe weiterhin schnell, agil, flexibel und unternehmerisch agieren“. Darüber hinaus will man Synergien in den Bereichen Vertrieb, Marketing und strategischer Einkauf nutzen, indem diese zentral gesteuert werden. „Competence Center in den Töchtern werden uns helfen, rare Ressourcen zum Beispiel in der Prüftechnik, Entwicklung oder Prototypen-Fertigung nicht mehrfach auszubauen, sondern allen Gruppenmitgliedern zur Verfügung zu stellen“, erklärt Koppitz.

Katek bildet den Geschäftsbereich Electronics der technologieorientierten Unternehmensgruppe Primepulse mit Sitz in München. Laut Klaus Weinmann, CEO des Katek-Mehrheitsaktionärs Primepulse SE, ist „der Erwerb von Bebro und eSystems ist ein weiterer Meilenstein, die Katek SE zu einem der führenden europäischen Dienstleister im Elektronikbereich auszubauen.“ Ein Fokus der soll auf dem Bereich Internet of Things liegen. Ziel sei es, vom „signifikanten Wachstum professioneller IoT-Anwendungen“ zu profitieren und sich als „langfristiger, zuverlässiger und innovativer Elektronik-Partner der europäischen Industrie“ zu etablieren.

Der Vollzug der Transaktion steht aktuell noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden und soll bis Herbst finalisiert werden.

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