Betriebssystem für Industrie-Roboter erleichtert Programmierung

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Damit ein Industrie-Roboter flexibel eingesetzt werden kann, kommt es auch die schnelle und einfache Programmierung an. Ein kleines Start-up hat jetzt ein Betriebssystem nach dem Drag-and-drop-Prinzip entwickelt.

Damit Roboter in der Industrie schnell umprogrammiert werden können, haben Entwickler ein Betriebssystem entwickelt.
Damit Roboter in der Industrie schnell umprogrammiert werden können, haben Entwickler ein Betriebssystem entwickelt.
(Bild: drag&bot)

Fehlende Fachkräfte für Robotik im Mittelstand sind ein großes Problem. Denn Inbetriebnahme und Programmierung von Robotern setzt einiges an Know-how voraus. Das Unternehmen drag&bot hat deshalb am Fraunhofer IPA ein Betriebssystem für Industrie-Roboter entwickelt, mit dem sich via Drag-and-drop aus verschiedenen Bausteinen Roboterprogramme zusammensetzen lassen.

Mit der Software können Industrieroboter ohne IT-Know-how instruiert werden. Die Funktionsabläufe werden zunächst in der Cloud nach dem Drag-and-drop- Prinzip zusammengefügt. Bei der Parametrisierung der einzelnen Funktionsblöcke unterstützen verschiedene Bedien- und Eingabehilfen, sogenannte Wizards. Der Nutzer führt so den Roboterarm per Handführung, Teach Pendant oder über die Navigation im System an die gewünschte Position, das Bewegungsmuster erkennt. Anschließend übernimmt der Wizard automatisch diese Information.

Software lässt sich dynamisch anpassen

Die häufigsten Tätigkeiten von Robotern mit drag&bot sind das Handling von Teilen, die Palettierung von Werkstücken und das Be- oder Entladen von Maschinen. Auch komplexere Anwendungen wie beispielsweise Schrauben, Klipsen von Kabeln oder das Fügen von Zahnrädern sind mit den bereits verfügbaren Zusatzmodulen problemlos möglich. Für Roboterapplikationen, die eine intelligente Bildverarbeitung benötigen, stehen Schnittstellen zu gängigen Smart-Cams und etablierten Software-Produkten zur Verfügung.

Eine der größten Stärken von drag&bot ist es, dass auch Kunden und Partner selbst die Software dynamisch erweitern und so an ihre Anforderungen anpassen können. Die programmierten Funktionsabläufe können auf Wunsch über die Cloud mit anderen Mitarbeitern und Produktionsstandorten geteilt werden. Die Software funktioniert unabhängig von der jeweiligen Roboter-Hardware und unterstützt derzeit unter anderem ABB, Kuka, Fanuc, Denso und Universal Robots – an weiteren Kompatibilitäten wird bereits gearbeitet.

Flexibler Einsatz des Roboters im Mittelstand

Aktuell greifen Unternehmen für die Programmierung von Industrierobotern häufig auf teure, externe Dienstleister zurück. Darum konnten Industrieroboter bisher vor allem für monotone Aufgaben mit sehr hohen Stückzahlen kosteneffizient eingesetzt werden – wie beispielsweise in der Automobilbranche. Sie bestellt aktuell noch 40% aller Industrieroboter weltweit und setzt sie vorwiegend für die Automatisierung in der Linienfertigung ein. Kleine und mittlere Unternehmen müssen den Industrieroboter flexibler einsetzen können, damit sich die Anschaffung lohnt. Mit der einfachen Roboterprogrammierung lassen sich Abläufe automatisieren, ohne dass spezifisches Fachwissen notwendig ist und das in deutlich kürzerer Zeit. Damit wird es möglich, dass Roboterzellen beispielsweise am Nachmittag eine andere Tätigkeit ausführen als noch am Morgen.

(ID:45694500)