Fraunhofer IESE

Betriebssoftware für die Fernwartung selbst zusammensetzen

06.08.2009 | Redakteur: Martina Hafner

„Wir haben eine Konfigurationssprache entwickelt, die speziell auf Condition-Monitoring-System zugeschnitten ist“, Dr. Mario Trapp, Projektleiter, Fraunhofer IESE
„Wir haben eine Konfigurationssprache entwickelt, die speziell auf Condition-Monitoring-System zugeschnitten ist“, Dr. Mario Trapp, Projektleiter, Fraunhofer IESE

Fernwartungssysteme, die den Zustand von Anlagen und Maschinen überwachen, müssen bislang aufwändig manuell konfiguriert werden. Ein neues System des Fraunhofer IESE soll sich ohne Programmierkenntnisse unkompliziert und schnell an unterschiedliche Anlagen anpassen lassen.

Ist der Öl-Druck in der Hydraulikanlage zu hoch? In welchem Zustand sind die Rotorblätter der Windkraftanlage? Für Betreiber von Anlagen und Maschinen ist es wichtig, auf solche Fragen jederzeit eine Antwort zu haben. Mit Hilfe eines Condition-Monitoring-Systems, kurz CM-System, lassen sich Maschinen aus der Ferne überwachen: Sensoren, die an den Anlagen angebracht sind, liefern kontinuierlich Messwerte an eine Kontrollbox. Diese erfasst und speichert die Daten. Treten Fehler auf, warnt das CM-System den Betreiber.

Bevor ein CM-System in Betrieb geht, muss es jedoch an die jeweilige Anlage angepasst werden. Dazu sind aufwändige manuelle Programmierarbeiten notwendig, deren Kosten die 100 000-Euro-Marke oft überschreiten. Künftig soll das preiswerter und einfacher gehen: Forscher des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE in Kaiserslautern haben für die LöSi GmbH ein CM-System entwickelt, das sich ohne manuelles Programmieren an unterschiedliche Anlagentypen anpassen lässt. „Wir haben dazu eine eigene Konfigurationssprache entwickelt, die speziell auf CM-Systeme zugeschnitten ist“, erklärt Projektleiter Dr. Mario Trapp.

Programmieren per Drag & Drop

„Programmierkenntnisse sind nicht nötig, um mit der Sprache zu arbeiten - der Ingenieur erstellt die Betriebssoftware einfach per Drag & Drop.“ so Trapp. Dabei sieht der Benutzer die verfügbaren Tools in Form von Grafiken auf dem Bildschirm, klickt mit der Maus darauf und zieht sie an die gewünschte Stelle. Möchte er etwa einen Drucksensor in die Betriebssoftware aufnehmen, wählt er die entsprechende Grafik aus und definiert Schwellenwerte für die Drücke. Anhand eines Optionsmenüs legt er fest, wie das System reagieren soll, wenn diese Werte überschritten werden. Je nachdem, wie schwerwiegend der Fehler ist, kann die Kontrollbox abweichende Messwerte in eine zentrale Datenbank laden oder den Anlagenbetreiber per SMS informieren. Auch eine automatische Notabschaltung der Anlage lässt sich konfigurieren. Sind alle Einstellungen vorgenommen, programmiert ein Codegenerator automatisch die zugehörige Kontrollbox.

„Unser CM-System ist genauso leistungsstark wie Lösungen, die manuell programmiert wurden, jedoch wesentlich kostengünstiger. Das Einsparpotenzial für den Kunden liegt im fünfstelligen Bereich“, resümiert Trapp. Auch nach der Inbetriebnahme kann die CM-Software jederzeit verändert werden, etwa um neue Sensoren hinzuzufügen. Bei herkömmlichen Systemen musste der Kunde dafür erneut die Herstellerfirma beauftragen. Prototypen der Software sind bereits bei mehreren Kunden im Einsatz.

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