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Bestätigt: AMD will Xilinx für 35 Milliarden US-$ kaufen

Autor: Sebastian Gerstl

Die Gerüchte haben sich bestätigt: Prozessorhersteller AMD möchte den FPGA-Marktführer Xilinx übernehmen. Der Kaufpreis fällt dabei mit 35 Milliarden US-$ um etwa 5 Milliarden höher aus als zunächst gemutmaßt.

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Für 35 Milliarden US-$ wird FPGA-Hersteller Xilinx nun Teil des Prozessor- und GPU-Herstellers AMD. Gemeinsam soll eine neue Größe insbesondere im HPC-Markt entstehen.
Für 35 Milliarden US-$ wird FPGA-Hersteller Xilinx nun Teil des Prozessor- und GPU-Herstellers AMD. Gemeinsam soll eine neue Größe insbesondere im HPC-Markt entstehen.
(Bild: AMD)

Der Chipkonzern AMD will FPGA-Hersteller Xilinx in einem Aktien-Deal für rund 35 Milliarden US-Dollar (29,6 Mrd Euro) kaufen. Der Preis pro Papier solle bei etwa 143 US-Dollar liegen, teilte das Unternehmen am Dienstag im kalifornischen Santa Clara mit. Eine Xilinx-Aktie könne in 1,7234 AMD-Aktien umgewandelt werden. Das entspreche einer Prämie von 25 Prozent auf den Schlusskurs vom Montag.

Die Übernahme ist damit rund 5 Milliarden Dollar größer als zunächst von Insidern angenommen. Sie verleiht AMD vor allem in dem Geschäft mit Chips für Rechenzentren einen Schub - einem Bereich, in dem vor allem Konkurrent Intel traditionell stark aufgestellt ist. Die Akquise ist damit nicht viel niedriger angesetzt als die angekündigten, 40 Milliarden US-$ schweren Übernahmepläne von NVIDIA - das US-Unternehmen will den britischen Chip-Designer Arm schlucken.

Ein neues Schwergewicht im High-Performance-Computing

AMD plant, mit der Übernahme sein Portfolio an Hochleistungsprozessortechnologien massiv auszubauen, das CPUs, GPUs, FPGAs, Adaptive SoCs und tiefes Software-Know-how umfasst, Man ziele damit insbesondere führende Computing-Plattformen für Cloud, Edge und Endgeräte ab. Mit gebündelten Kräften sollen dabei die in den Augen von AMD "wichtigsten Wachstumssegmente der Branche" abgedeckt werden, die vom Rechenzentrum über Spiele, PCs, Kommunikation, Automobil, Industrie, Luft- und Raumfahrt bis hin zur Verteidigung reichen.

Dr. Lisa Su, CEO von AMD, setzt auf große Synergiewerte durch die Übernahme von Xilinx: „Durch die Kombination unserer Weltklasse-Ingenieurteams und unserer tiefgreifenden Fachkompetenz werden wir einen Branchenführer mit der Vision, dem Talent und der Größe schaffen, um die Zukunft des Hochleistungsrechnens zu definieren“.
Dr. Lisa Su, CEO von AMD, setzt auf große Synergiewerte durch die Übernahme von Xilinx: „Durch die Kombination unserer Weltklasse-Ingenieurteams und unserer tiefgreifenden Fachkompetenz werden wir einen Branchenführer mit der Vision, dem Talent und der Größe schaffen, um die Zukunft des Hochleistungsrechnens zu definieren“.
(Bild: AMD)

„Unsere Übernahme von Xilinx markiert die nächste Etappe auf unserem Weg, AMD als Branchenführer im Bereich Hochleistungs-Computing und als Partner der Wahl für die größten und wichtigsten Technologieunternehmen der Welt zu etablieren“, sagt AMD-Präsidentin und CEO Dr. Lisa Su anlässlich der angekündigten Übernahmepläne.

„Dies ist wirklich eine überzeugende Kombination, die für alle Beteiligten, einschließlich der Aktionäre von AMD und Xilinx, die vom zukünftigen Wachstum und dem Aufwärtspotenzial des kombinierten Unternehmens profitieren werden, einen erheblichen Wert schaffen wird. Das Team von Xilinx ist eines der stärksten in der Branche, und wir freuen uns sehr, sie in der AMD-Familie willkommen zu heissen. Durch die Kombination unserer Weltklasse-Ingenieurteams und unserer tiefgreifenden Fachkompetenz werden wir einen Branchenführer mit der Vision, dem Talent und der Größe schaffen, um die Zukunft des Hochleistungsrechnens zu definieren“.

Mit einem kombinierten Team von 13.000 talentierten Ingenieuren und jährlichen F&E-Investitionen in Höhe von über 2,7 Milliarden US-$ sieht sich AMD bestens gerüstet, um eine noch stärkere Palette von Produkten und domänenspezifischen Lösungen anbieten zu können.

Victor Peng, CEO von Xilinx: „Die Zusammenarbeit mit AMD wird dazu beitragen, das Wachstum in unserem Rechenzentrumsgeschäft zu beschleunigen und es uns ermöglichen, eine breitere Kundenbasis in mehr Märkten zu erreichen.“
Victor Peng, CEO von Xilinx: „Die Zusammenarbeit mit AMD wird dazu beitragen, das Wachstum in unserem Rechenzentrumsgeschäft zu beschleunigen und es uns ermöglichen, eine breitere Kundenbasis in mehr Märkten zu erreichen.“
(Bild: Xilinx)

„Wir freuen uns, der AMD-Familie beizutreten. Unsere gemeinsamen Kulturen der Innovation, der Exzellenz und der Zusammenarbeit machen dies zu einer idealen Kombination. Gemeinsam werden wir die neue Ära des Hochleistungsrechnens und des adaptiven Rechnens anführen“, sagt Victor Peng, Präsident und CEO von Xilinx. „Unsere führenden FPGAs, Adaptive SoCs, Beschleuniger- und SmartNIC-Lösungen ermöglichen Innovationen von der Cloud über den Rand bis hin zu Endgeräten. Wir versetzen unsere Kunden in die Lage, differenzierte Plattformen schneller und mit optimaler Effizienz und Leistung auf den Markt zu bringen. Die Zusammenarbeit mit AMD wird dazu beitragen, das Wachstum in unserem Rechenzentrumsgeschäft zu beschleunigen und es uns ermöglichen, eine breitere Kundenbasis in mehr Märkten zu erreichen.“

Sollten keine Einwände entsprechender Marktaufsichten getätigt werden, rechnet AMD damit, die geplante Transaktion bis Ende 2021 zum Abschluss zu bringen.

Auf dem Weg zum teuersten Akquisenjahr der Halbleitergeschichte

2020 scheint zu einem großen Konsolidierungsjahr in der Halbleiterindustrie zu werden. Die angekündigte Übernahme von Xilinx durch AMD ist in diesem Jahr bereits die dritte große Akquise eines Chipunternehmens durch ein anderes mit einem Transaktionsvolumen in zweistelliger Milliardenhöhe. Im September wurde bekannt, dass Nvidia Arm für 40 Milliarden US-$ übernehmen möchte; im Juli hatte Analog Devices die Übernahme des Chipherstellers Maxim Integrated in Höhe von ca. 21 Milliarden US-$ angekündigt.

Insgesamt kratzt die Gesamtsumme für Merger & Akquisen im Jahr 2020 bereits an der 100-Milliarden-Dollar-Marke. Nur 2015 war bislang noch umfangreicher: In jenem Jahr hatte die Gesamtsumme an Firmenübernahmen, nach Abschluss aller Prüfungen durch Kartellbehörden der jeweiligen Märkte, insgesamt bei einem Wert von 107,7 Milliarden US-$ gelegen.

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