Gesetze und Normen in der Beleuchtungstechnik, Teil 1 Beleuchtung mit LED – Gesetze und normative Anforderungen

Autor / Redakteur: Manfred Disser * / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Gesetzliche und normative Anforderungen gelten allgemein als ein lästiges Übel. Für LED-Beleuchtungen gibt es bereits eine Fülle von Gesetzen und Anforderungen, die beachtet werden müssen.

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Beleuchtung mit LED: Das Drehspiegelgoniophotometer misst die Lichtverteilungskurve
Beleuchtung mit LED: Das Drehspiegelgoniophotometer misst die Lichtverteilungskurve
(Bild: VDE)

Nachdem Lampen mit hohem Energieverbrauch auf Beschluss der EU-Kommission nach und nach vom Markt genommen werden, rücken zunehmend LEDs oder Licht emittierende Dioden als Leuchtmittel der Zukunft in den Fokus.

LEDs zeichnen sich durch eine hohe Energieeffizienz, geringe Wärmeentwicklung, große Robustheit und Wartungsfreiheit aus.

Der Umstieg auf LEDs bedeutet eine Chance und Herausforderung zugleich. Denn gerade bei grundlegenden Produktinnovationen muss ein hohes Maß an Transparenz und Sicherheit gewährleistet sein, damit sie als Massenanwendung akzeptiert werden. Für Hersteller gilt es dabei nicht nur, die richtigen LED-Produkte für den jeweils vorgesehenen Zweck anzubieten. Vielmehr ist auch eine komplexe Vielfalt gesetzlicher und normativer Anforderungen zu berücksichtigen.

Komplexe Gesetze und normative Anforderungen

Generell müssen Produkte, die in der Europäischen Union in den Verkehr gebracht werden, die hier geltenden Anforderungen an Sicherheit, Energieeffizienz oder elektromagnetische Verträglichkeit erfüllen. Für elektrische Leuchten maßgebend sind dabei insbesondere die Niederspannungs-Richtlinie 2006/95/EG, die Allgemeine Produktsicherheits-Richtlinie (2001/95/EG) und die Richtlinie über Elektromagnetische Verträglichkeit 2004/108/EG.

Diese Richtlinien wurden in Deutschland im Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG), in der 1. Verordnung zum GPSG sowie im Gesetz über die Elektromagnetische Verträglichkeit von Geräten (EMVG) in nationales Recht umgesetzt.

Hinzu kommen die Anforderungen der Ökodesign-Richtlinie (ErP-Richtlinie) 2009/125/EG, die sich im Energie-Betriebene-Produkte-Gesetz als nationales Recht wiederfinden, an die umweltgerechte Gestaltung energiebetriebener Produkte mit Durchführungsverordnungen sowie zusätzlichen Performance-Anforderungen etwa zu den Aspekten Lichtstrom, Effizienzwerten, Lichtstromverteilungskurve und Lichtabstrahlwinkel.

Konkrete Anforderungen für Lampen, Vorschaltgeräte und Leuchten liegen seit dem 18. März 2009 mit den Verordnungen (EG) Nr. 244/2009 und 245/2009 vor.

DIN 62471 und 62493 als sicherheitsrelevante Norm unter der Niederspannungsrichtlinie

Des Weiteren ist eine ganze Reihe von Folgeverordnungen zu beachten, die ständig ergänzt und erweitert werden. Ganz aktuell sind zwei neue sicherheitsrelevante Normen unter der Niederspannungsrichtlinie: Die DIN EN 62471 (VDE 0837-471) zur photobiologischen Sicherheit (Augensicherheit) von Lichtquellen und Leuchten sowie die DIN EN 62493 (VDE 0848-493) zur Beurteilung der Exposition von Personen gegenüber elektromagnetischen Feldern von Beleuchtungseinrichtungen.

Diese Normen sind spätestens seit dem 1. September 2011 anzuwenden. Bereits dieser kurze Überblick gibt einen Eindruck von der Fülle von Vorgaben für LED-Produkte auf dem europäischen Markt. Zum Nachweis der Einhaltung sind entsprechende technische Unterlagen mit einer Produktbeschreibung, Anleitungen und Prüfdokumenten zu erstellen, eine Konformitätserklärung abzugeben und die CE-Kennzeichnung auf den Produkten anzubringen.

Dies kann entweder in Eigenverantwortung mit der „Hersteller-Erklärung“ oder durch eine unabhängige Prüfstelle wie das VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut erfolgen. Bereits an dieser Stelle wird es für Hersteller, Importeure und Händler schwierig, die jeweils zutreffenden Richtlinien und Gesetzesvorgaben in Eigenregie zu bestimmen und richtig zu interpretieren. Darüber hinaus sind zusätzliche, nicht LED-spezifische Anforderungen wie beispielsweise die Einschränkung von PAKs (polyzyklische aromatisierte Kohlenwasserstoffe) zu beachten.

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