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ESD-Schutz in der Baugruppenfertigung Bei Frequentis gehört Direktraum-Luftbefeuchtung zum ESD-Schutzprogramm

| Autor / Redakteur: Dominic Giesel* / Claudia Mallok

Mit einem Luftbefeuchtungssystem stellt die Firma Frequentis in Wien in einer neu eingerichteten Montagehalle für die Elektronikfertigung eine konstante Luftfeuchte von 40 bis 45% her. Für das QS-Team beim Weltmarktführer bei Sprachvermittlungssystemen für die zivile und militärische Flugsicherung ist die Luftbefeuchtung nicht nur ein wichtiger Bestandteil im ESD-Schutzprogramm.

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Für Guntbert Bodmann, Manager Material- und Transport-Logistics im Anlagenbau & Support bei Frequentis, und den Leiter des Facility Managements Kurt Feuchtinger (r.) ist die Luftbefeuchtung Teil der Qualitätssicherung
Für Guntbert Bodmann, Manager Material- und Transport-Logistics im Anlagenbau & Support bei Frequentis, und den Leiter des Facility Managements Kurt Feuchtinger (r.) ist die Luftbefeuchtung Teil der Qualitätssicherung
( Archiv: Vogel Business Media )

„In den letzten 20 Jahren habe ich gelernt, dass die richtige Luftfeuchte ein wesentlicher Baustein für ein ESD-Schutzprogramm ist“, betont ESD-Schutzexperte Guntbert Bodmann: „Ist die Luftfeuchte zu niedrig, beeinträchtigt dies zum einen die Wirksamkeit der anderen ESD-Schutzmaßnahmen. Zum anderen gibt eine optimale Luftfeuchte auch zusätzliche Sicherheit, gerade dann, wenn Mitarbeiter im Ausnahmefall die Schutzmaßnahmen nicht vollständig durchführen.“ Für den Pensionär Guntbert Bodmann, der bereits mit 14 Jahren zu Frequentis kam und nun als freier Mitarbeiter tätig ist, gehört der Schutz vor elektrostatischer Auf- und Entladung zu den Kernaufgaben der Qualitätssicherung.

„For a safer world“ lautet das Leistungsversprechen der über 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Frequentis in der der Firmenzentrale in Wien. Mit einem Marktanteil von 30% ist Frequentis im Bereich der Sprachvermittlungssysteme für die Flugsicherung Marktführer. Zu den weiteren Geschäfts-Segmenten gehören Leitstände für Blaulicht-Organisationen (Polizei, Feuerwehr, Rettung) sowie Bahnen und Schifffahrt.

Bisher hat das Unternehmen über 14.000 Leitzentralen-Arbeitsplätze in sicherheitskritischen Anwendungen ausgestattet. Zu den mehr als 200 weltweiten Kunden gehören u.a. die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol, die Royal Airforce, die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA, die spanische Küstenwache und die Deutsche Bahn.

Luftbefeuchtung zur Qualitätssicherung

Obligatorisch im ESD-Schutzprogramm bei Frequentis: ESD-gerechte Arbeitsplätze und Handgelenk-Erdungsbänder (Archiv: Vogel Business Media)

Auf rund 4.300 m2 werden in Wien die Anlagen von der Prozesssteuerung über die Arbeitsvorbereitung, die Produktion einzelner Baugruppen, Montage bis hin zum Factory Acceptance Test (Abnahme durch den Kunden) nach internationalen Standards und QS-Regeln abgewickelt.

Zu den Schutzmaßnahmen gehören ESD-Fußböden mit speziell gekennzeichneten Besucherkorridoren, ableitfähige Oberbekleidung, Schuhe und Stühle sowie Handgelenk-Erdungsbänder. Außerdem ist in den Hallen eine konstante relative Luftfeuchte von 40 bis 45% eingestellt, wodurch die Leitfähigkeit der Luft und der Materialoberflächen soweit erhöht wird, dass elektrische Ladungen problemlos abgeleitet werden können.

ESD-Schutz und optimale Produktionsbedingungen

Turbofog Luftbefeuchter erzeugen ein optimale Luftfeuchte, die vor elektrostatischen Auf- und Entladungen schgützt (Archiv: Vogel Business Media)

Als Frequentis 2006 seine drei österreichischen Standorte in einem neuen Firmengebäude in Wien zusammenführte, bekam das Thema „Luftfeuchte“ eine hohe Dringlichkeit. „Im ersten Winter haben wir im Neubau eine relative Luftfeuchte von zeitweise unter 20% gemessen“, erinnert sich Kurt Feuchtinger, Leiter Facility Management. In der neuen Integrations- und Montagehalle waren die klimatischen Bedingungen aufgrund der neuen, sehr gut isolierten Gebäudehülle und der Abwärme der Maschinen besonders kritisch. Physikalisch bedingt sinkt mit steigender Temperatur die relative Luftfeuchte.

In Verbindung mit kalten, trockenen Winter-Wetterlagen und trockener Heizungsluft sind extrem niedrige Luftfeuchte-Werte dann keine Seltenheit. Für Kurt Feuchtinger war dies Anlass, sofort aktiv zu werden: „Um die störungsfreie Produktion der Frequentis Anlagen zu sichern und unsere Mitarbeiter vor den negativen Folgen zu trockener Luft zu schützen, habe ich gemeinsam mit unserem QS-Beauftragten intensiv nach Lösungen zur zusätzlichen Luftbefeuchtung gesucht“.

Dabei ging es nicht nur um den ESD-Schutz: Die für die Bestückung der Leiterplatten verwendete Lotpaste trocknet beispielsweise bei zu geringer Luftfeuchte zu schnell aus, wodurch sich die Haltbarkeit reduziert und die Zuverlässigkeit der Lötstellen beeinträchtigt wird. Kunststoff-Ausdünstungen der verarbeiteten Kabel sind eine weitere Folgeerscheinung zu trockener Luft, die zu Geruchsbelästigungen führen und die Gesundheit der Mitarbeiter beeinträchtigen kann.

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