Erdbeben in Japan Beben vor Fukushima führt zu Aussetzern in Halbleiterproduktion

Von Sebastian Gerstl

Fast genau elf Jahre nach der verheerenden Tsunami-Katastrophe und dem Atomunfall in Fukushima hat erneut ein starkes Erdbeben die Region im Nordosten Japans heimgesucht. Drei Menschen kamen ums Leben. Auto- und Elektronikhersteller melden Schäden an Fertigungsstätten und Produktionsstopps.

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Augenmerk auf Fukushima: Das AKW war 2011 durch einen Tsumani schwer beschädigt worden. Nun hat erneut ein schweres Erdbeben vor der Küste das Kraftwerk, zahlreiche Haushalte und Industrien in Japan schwer beeinträchtigt.
Augenmerk auf Fukushima: Das AKW war 2011 durch einen Tsumani schwer beschädigt worden. Nun hat erneut ein schweres Erdbeben vor der Küste das Kraftwerk, zahlreiche Haushalte und Industrien in Japan schwer beeinträchtigt.
(Bild: 04780014 Fukushima Daini nuclear power plant. / Tokyo Electric Power Co., TEPCO / CC BY-SA 2.0)

Bei einem Erdbeben der Stärke 7,4 auf der Richter-Skala im japanischen Fukushima sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen und fast 200 weitere verletzt worden. Das berichtete der Fernsehsender NHK am Donnerstag.

Eine zunächst ausgegebene Tsunami-Warnung wurde am frühen Morgen aufgehoben. In der Atomruine in Fukushima gab es nach Angaben der zuständigen Aufsichtsbehörde keine Unregelmäßigkeiten.

Die schweren Erschütterungen hatten viele Menschen im Nordosten sowie weiteren Regionen des Inselreiches einschließlich Tokios aus dem Schlaf gerissen. Im Ort Soma in der Präfektur Fukushima kam ein Mann in seinen 60ern ums Leben, wie örtliche Medien berichteten. Auch in der Nachbarprovinz Miyagi starben zwei ältere Männer, als sie in Folge des lang andauernden Bebens ohnmächtig wurden und stürzten.

Zwischenzeitlich kam es zu Stromausfällen, von denen mehrere Millionen Haushalten und zahlreiche Produktionsstätten betroffen waren. Diese wurden nach Angaben des Betreibers bereits nach etwa einem Tag behoben.

Renesas prüft Tragweite der Schäden

Auch die fertigende Elektronik-Industrie in Japan wurde, wie bereits 2011, von dem Beben stark beeinträchtigt. Renesas prüft derzeit noch die Auswirkungen des Erdbebens auf seine Werke in Naka, Yonezawa und Takasaki, die alle in der Nähe des Epizentrums liegen, heißt es auf der Website des Unternehmens. Das Unternehmen teilte mit, dass die Produktion in allen drei Fabriken unmittelbar nach dem Erdbeben gestoppt wurde, dass aber einige Testlinien in der Fabrik in Yonezawa wieder in Betrieb genommen wurden.

In den Fabriken in Naka und Takasaki wurden bisher keine Todesfälle gemeldet, aber ein Mitarbeiter in Yonezawa erlitt eine leichte Prellung, so Renesas. Renesas fügte hinzu, dass über die Wiederaufnahme des Betriebs auf der Grundlage des Zustands der Anlagen und anderer Faktoren entschieden wird und dass das Unternehmen weitere Ankündigungen machen wird, sobald mehr Informationen verfügbar sind.

Medienberichten zufolge entfallen auf die Renesas-Werke in Naka, Yonezawa und Takasaki etwa 40 % der Produktionskapazität. Der größte Teil der Produktion von Halbleitern für die Automobilindustrie wird jedoch von der Fabrik in Kawashiri gesteuert, die von dem jüngsten Erdbeben nicht betroffen war, so die Berichte.

Industriequellen wiesen darauf hin, dass Unternehmen in der Lieferkette über die möglichen Auswirkungen des Erdbebens auf die Auto-Chip-Produktion von Renesas besorgt sind. Sie seien jedoch erleichtert, dass das Beben die Produktion von Halbleitern für die Automobilindustrie nicht beeinträchtigt habe.

Auch Murata, Toyota, Nissan, Sony und Kioxia melden Produktionsausfälle

Auch der Komponentenhersteller Murata Manufacturing stellte nach dem Erdbeben den Betrieb in vier seiner Fabriken ein, während in der Fabrik in Tome, Präfektur Miyagi, ein Feuer ausbrach. Es wird erwartet, dass das Feuer die Lieferung von Chip-Induktoren und Gleichtaktdrosseln für die Produktion von Mobiltelefonen und Fahrzeugen beeinträchtigt.

Auch Toyota und Nissan haben ihre Fabriken in Nordjapan vorübergehend geschlossen. Toyota, der weltweit größte Automobilhersteller nach Verkaufsvolumen, kündigte an, 18 Produktionslinien in 11 inländischen Fabriken "überwiegend für drei Tage" stillzulegen. Das Unternehmen hatte den Betrieb in drei Fabriken aufgrund des Bebens ausgesetzt und sieht einen Produktionsausfall von 20.000 Einheiten aufgrund der Stillstände. Toyota hat bereits sein globales Produktionsziel aufgrund der anhaltenden Chip-Knappheit gesenkt. Nissan prüft derzeit noch, inwieweit die eigene Produktion beeinträchtigt wurde.

Sony gab bekannt, dass die Produktion in zwei Fabriken in der Präfektur Miyagi und in einer dritten Fabrik in der Präfektur Yamagata, in der Speichermedien, Laserdioden und Bildsensoren hergestellt werden, eingestellt wurde. An einer Fertigungsstätte in Shiroshi, wo Sony Laserdioden herstellt, habe es einige Schäden gegeben, die Auswirkungen auf die Produktion dort seien aber "begrenzt". Das Unternehmen erklärt, die an allen betroffenen Standorten die Fertigung schrittweise wieder aufzunehmen.

Kioxia meldet, dass seine neue 3D-NAND-Flash-Fab in Kitakami vom Erdbeben betroffen war und dort vorübergehend an einigen Fertigungsstraßen die Produktion ausgesetzt werden musste. Der Standort in Kitakami hatte erst vor wenigen Wochen einen mehrere Exabyte schweren Verlust von Flash-Speichern aufgrund einer Verunreinigung im Rohmaterial zu verkraften. Dieser Ausfall sollte ich nach Ansichten von Analysten in den folgenden Quartalen nachhaltig auf die weltweiten Speicherpreise auswirken. Nun folgt ein nochmaliger Schlag, der den Flash-Speicher-Markt zusätzlich beeinträchtigen dürfte.

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Nervosität vor allem in der Automobilindustrie

Anfang 2021 waren die großen IDMs Infineon und NXP gezwungen, ihre Chipfabriken in Texas wegen eines Stromausfalls vorübergehend stillzulegen, was die damalige Knappheit an Automobilchips noch verschärfte. Die Situation verschlechterte sich im März, als in der Naka-Fabrik von Renesas ein Feuer ausbrach und einige Versorgungs- und Produktionsanlagen am Standort beschädigte.

In jüngster Zeit droht die Versorgung mit Automobilchips erneut unterbrochen zu werden. Neben dem Erdbeben in Japan bereitet auch der anhaltende Krieg zwischen Russland und der Ukraine den Auto-Chipherstellern wie Infineon, NXP und STMicroelectronics Kopfzerbrechen.

Nach Ansicht von Lieferkettenexperten werden Autohersteller, die Verträge mit Chipherstellern abgeschlossen haben, am stärksten betroffen sein, sollte sich die Versorgung mit Auto-Chips weiter verknappen. Da die meisten Chiphersteller Verträge mit bestehenden Kunden haben, wäre es für einen Automobilhersteller sehr schwierig, neue Lieferanten zu finden. Viele Automobilhersteller waren bereits in den letzten Quartalen gezwungen, die Produktion aufgrund von Bauteilknappheit zu reduzieren oder auszusetzen.(mit Material von Reuters, Bloomberg und dpa)

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