Bayerische Metall- und Elektroindustrie fürchtet Verlust von 30.000 Jobs

Redakteur: Sebastian Gerstl

Die bayerische Metall- und Elektro-Industrie befindet sich in tiefer Rezession. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme und vbm. Demnach drohe in den betreffenden Branchen ein Verlust von 30.000 Arbeitsplätzen bis Jahresende.

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Vertreter der Metall- und Elektroindustrie in Bayern fürchten den Verlust von 30.000 Arbeitsplätzen in diesem Jahr. „Unsere Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage so schlecht wie noch nie“, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der zwei Arbeitgeberverbände bayme und vbm. Jeder zweite Beschäftigte der Branchen befände sich derzeit in Kurzarbeit.
Vertreter der Metall- und Elektroindustrie in Bayern fürchten den Verlust von 30.000 Arbeitsplätzen in diesem Jahr. „Unsere Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage so schlecht wie noch nie“, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der zwei Arbeitgeberverbände bayme und vbm. Jeder zweite Beschäftigte der Branchen befände sich derzeit in Kurzarbeit.
(Bild: Clipdealer)

„Zwar hoffen wir ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau auf eine leichte Erholung im zweiten Halbjahr“, sagt bayme vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Das Jahr 2020 sei für die Metall- und Elektroindustrie in Bayern jedoch ein verlorenes Jahr.

Geschäftslage in Bayern „so schlecht wie nie“

Noch hätten die Mitgliedsunternehmen der beiden Arbeitgeberverbände die Geschäftslage so schlecht bewertet wie aktuell. „Wir befürchten im Jahresverlauf einen Beschäftigungsrückgang um 30.000 Arbeitsplätze auf dann insgesamt 840.000, sagt Brossardt“. Instrumenten wie Kurzarbeit, unternehmenseigenen Maßnahmen sowie anderen staatlichen Unterstützungsprogrammen hätten verhindert, dass bis jetzt nicht noch mehr Stellen abgebaut worden seien. Doch die Beschäftigungspläne der Unternehmen seien sowohl an den Inlands- als auch an den Auslandsstandorten im negativen Bereich. Fast 61% der Betriebe rechneten demnach mit einem weiteren Stellenabbau in Bayern.“

Bei den Produktionsplänen wird laut Brossardt das zweite Halbjahr nicht ausreichen, um den Einbruch in der ersten Jahreshälfte auszugleichen. „Wir gehen davon aus, dass es im Jahresdurchschnitt zu einem Rückgang in der Produktion um 15 Prozent kommen wird. Aktuell liegen wir 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau von 2019. Das Niveau vor der Corona-Krise werden wir bestenfalls im Laufe des Jahres 2022 wieder erreichen. Wir haben einen sehr langen Aufholprozess vor uns.“

Die Coronakrise ist ein „Brandbeschleuniger“

Die Firmen beurteilen die Geschäftslage deutlich negativer als bei der Winter-Umfrage vor Corona, die bereits schlechter ausgefallen war. „Die Corona-Krise wirkt wie ein Brandbeschleuniger, der jegliche protektionistische Tendenzen oder planerische Unsicherheiten durch die Brexit-Diskussion in den Schatten stellt. Folglich bezeichnen knapp 81 Prozent der Betriebe das aktuelle Inlandsgeschäft als negativ. Vor einem halben Jahr waren es 16,3 Prozent. Für die Automobil- und Zulieferbranche kommt erschwerend ein grundsätzlicher Transformationsprozess hinzu, so dass praktisch alle Betriebe in diesem Sektor die Lage als schlecht einschätzen“, sagt Brossardt. Auch das Auslandsgeschäft verspreche keine Besserung: Dieses werde von fast 86 Prozent der Unternehmen als negativ bewertet, im Dezember 2019 lag der Wert noch bei 10,5 Prozent.

Auch die Ertragslage der Unternehmen hat sich gegenüber der Umfrage im Winter klar verschlechtert. Mehr als 64 Prozent der Unternehmen befürchten für das Jahr 2020 eine sehr kritische Ertragslage: 43 Prozent rechnen mit Verlusten, weitere 15,6 Prozent erwarten eine schwarze Null und 5,5 Prozent gehen von einer Nettoumsatzrendite von unter zwei Prozent aus.

Für langfristige Krisenbewältigung seien weitere Maßnahmen erforderlich

„Aktuell sehen wir Anzeichen einer ersten Bodenbildung. Die bayerische und deutsche Politik hat die Unternehmen schnell, pragmatisch und zielgerichtet unterstützt. Doch für die mittel- und langfristige Krisenbewältigung sind umfassende Unterstützungsmaßnahmen, wie eine Verlängerung der Kurzarbeiterregelung bis zum Ende des nächsten Jahres, ein verstärkter Bürokratieabbau sowie ein Verzicht auf neue Belastungen wie beispielsweise das Sorgfaltspflichtengesetz, zwingend notwendig. Vom Tarifpartner erwarten wir eine verantwortungsvolle Berücksichtigung dieser konjunkturellen Situation im Hinblick auf das Auslaufen des Tarifvertrages Ende 2020“, kommentiert Brossardt.

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