Bauelemente-Markt

Bauelemente-Distribution in Deutschland und Europa auf horizontalem Niveau

| Autor / Redakteur: Georg Steinberger * / Margit Kuther

Halbleitermarkt in Deutschland: Übersicht
Halbleitermarkt in Deutschland: Übersicht (Bild: FBDi)

Seit 2006 ist die Bauelemente-Distribution in Europa nicht wesentlich gewachsen. Doch die Aussichten stehen wieder besser, so dass das Jahr 2014 ein Ende des „horizontalen Wachstums“ einläuten könnte.

2014 scheint für die deutsche Bauelemente-Distribution ein besseres Jahr zu werden als 2012 und 2013. Das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass die Branche, die den Löwenanteil der Kunden im deutschen Markt betreut (95%), nicht wesentlich stärker wächst als der Gesamtmarkt.

Bis jetzt konnte zumindest in Deutschland keine nennenswerte Steigerung des Distributionsanteils festgestellt werden. Seit 2006 ist die Bauelemente-Distribution in Europa nicht wesentlich gewachsen. Nimmt man die renommierte DMASS-Statistik (Distributors‘ and Manufacturers‘ Association of Semiconductor Specialists) als Basis, so wuchsen die von DMASS veröffentlichten Umsätze in der Halbleiterdistribution von knapp 5,5 Mrd. Euro auf höchstwahrscheinlich 6,2 Mrd. Euro dieses Jahr.

Das entspricht einem durchschnittlichen Wachstum von 1,6%. Krisenjahre, Boomjahre – unterm Strich bleibt ein kleines Plus, das einen eher an die reale Wirtschaft als die dereinst stürmische und dynamische Halbleiterindustrie erinnert. Deutschland, der Musterknabe unter den europäischen Hightech-Märkten, bot der Distribution auch nicht mehr Wachstumsmöglichkeiten. Nach den Zahlen des Fachverbands Bauelemente-Distribution (FBDi) wuchs die Halbleiter-Distribution in Deutschland im gleichen Zeitraum nur um 1,36%. Jetzt war Deutschland seit der Jahrtausendwende sozusagen der Musterknabe in der Distribution, der seit 2000 einen kontinuierlich größeren Anteil am europäischen DTAM (der Distributionsanteil am Gesamtmarkt) erreichte. Was ist passiert?

Die Wachstumshemmer aus Sicht des FBDi

Die drei wesentlichen Gründe sind aus FBDi-Sicht in der Struktur des deutschen Marktes und im Kontext der Bankenkrise zu finden. Als die Bankenkrise auch Europa ereilte, und im Gefolge die allgemeine Wirtschaft ins Stottern geriet, traf dies auch die Elektronik und den Bauelementeumsatz.

In Deutschland sank 2009 das Marktvolumen deutlicher als in anderen Ländern, offensichtlich waren die deutschen Einkäufer vorsichtiger. Als nach zwei Quartalen klar wurde, dass die produzierende Industrie kaum von der Bankenkrise betroffen war, ging es auch mit der Bauelementeindustrie wieder rasant nach oben, Deutschland legte stärker zu (2010 über 56% verglichen zu 53% in ganz Europa).

Als Fukushima nahezu zeitgleich mit der Eurokrise zusammenfiel, waren die Läger voll und die Stimmung in der deutschen Industrie kippte. Zwar wuchs der Musterknabe noch mal überdurchschnittlich, aber auf deutlich niedrigerem Niveau. Und in 2012 und 2013 brachen die Zugewinne wieder weg (um 16 bzw. 1%), während der Rest Europas wieder zulegte. In Zahlen: Deutschlands Anteil am europäischen Distributionsmarkt sank von 34% auf 31%.

Ein zweiter Grund liegt in der Tatsache, dass die deutsche Industrie ihre Elektronikproduktion nicht annähernd so stark outgesourct hatte wie etwa Frankreich oder Skandinavien. In den Jahren 2009 bis 2012 allerdings, den „Achterbahnjahren“, passierte dies in etwas größerem Umfang, meist bei größeren Kunden.

Ergänzendes zum Thema
 
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Angesichts des schieren Volumens und der ungeheuren industriellen Vielfalt, die der deutsche Markt besitzt, war dies jedoch eine leichte Korrektur und nicht, wie in manchen anderen Ländern, eine richtiggehende De-Industrialisierung. Inzwischen legt Deutschland wieder überdurchschnittlich zu und liegt 2014 wieder bei einem Anteil von 32% des gesamten europäischen Halbleiterdistributionsmarkts.

Der dritte Grund heißt Automobilindustrie. Während Automotive 2013 weltweit nur zu 10% zum Halbleiterbedarf beitrug, waren dies in Europa 28% und in Deutschland 42%! Der Anteil der Distributoren an diesem Kuchen von rd. 5 Mrd. Euro allein in Deutschland ist relativ gering. Der zweitgrößte Markt, die Industrieelektronik, mit ebenfalls überdurchschnittlichem Wachstum, stellt zwar den Heimmarkt der Distribution dar (60% Distributionsanteil), konnte aber nicht die mangelnde Präsenz in der Automobilindustrie und die Schwächen in der Kommunikation und Datentechnik ausgleichen.

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