Berufsaussichten

Bachelor-Abschluss wird von der Industrie verschmäht

| Redakteur: Margit Kuther

Physik-Bachelor auf dem Abstellgleis: Die Wirtschaft bevorzugt Physiker mit Diplom- oder Master-Abschluss (Bild: Gerd-Altmann_pixelio.de)
Physik-Bachelor auf dem Abstellgleis: Die Wirtschaft bevorzugt Physiker mit Diplom- oder Master-Abschluss (Bild: Gerd-Altmann_pixelio.de)

Der Abschluss Bachelor stößt bei der deutschen Wirtschaft auf wenig Interesse.Physikerinnen und Physiker mit Diplom- oder Master-Abschluss sind dagegen auf dem Arbeitsmarkt begehrte Fachkräfte.

Zum Bachelor Abschluss befragte die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) in einer Studie 28 große und mittelständische Unternehmen. Es ging unter anderem um Einstellungschancen, Einsatzbereiche und Karrieremöglichkeiten. Über die Hälfte der Befragten gab an, dass sie gut über den Bachelor-Abschluss informiert seien.

Das Ergebnis: Die Unternehmen schätzen die Qualifikation Physik-Bachelor als unvollständige Ausbildung ein. Für Absolventen mit dem Abschluss Physik-Bachelor gibt es derzeit praktisch keine Nachfrage. Der Bachelor wird als einziger berufsqualifizierender Abschluss nahezu einstimmig nicht angenommen.

In zahlreichen Aspekten stellt diese Untersuchung das positive Bild, das die Bundesregierung von der Akzeptanz des Bachelor-Abschlusses zeichnet, in Frage. Die Umfrage zeigte, dass nach wie vor nur Absolventen mit dem Abschluss Master oder Diplom oder mit einer Promotion über jene Qualifikationen verfügen, die die Wirtschaft von Physikerinnen und Physikern erwartet.

Die Ergebnisse der Befragung zum Physik-Bachelor

Die Qualifikation Physik-Bachelor wird von den Teilnehmern an der Befragung als unvollständige Ausbildung eingeschätzt. Dabei wird der Physik-Bachelor (Universitätsabschluss) aus Sicht der Industrieunternehmen kritischer als der FH-Bachelor des Studiengangs Physikalische Technik bewertet. Hierbei wird dem FH-Bachelor ein stärkerer Praxisbezug in der Ausbildung zugesprochen.

Aus einzelnen Gesprächen wurde deutlich, dass aufgrund der speziellen Situation in Deutschland wenig Bedarf für Physik-Bachelors gesehen wird. Diese Einschätzung wird mit dem ausgezeichneten System der beruflichen Ausbildung in Deutschland begründet, das dem Arbeitsmarkt hervorragend ausgebildete Techniker und Laboranten bereit stellt.

Bemerkenswert ist jedoch, dass der Bachelor als einziger berufsqualifizierender Abschluss von den Befragten nahezu einstimmig nicht akzeptiert wird. Vielmehr empfehlen die Vertreter der Wirtschaft den Studenten, den Physik-Bachelorabschluss als Vorstufe für einen Masterabschluss zu nutzen. In größeren Unternehmen mit spezifischen Ausbildungsprogrammen werden jedoch Chancen für die Aufnahme und Weiterqualifizierung von Physik-Bachelors gesehen.

Positiv bemerkten die Befragten, dass die Standardisierung der Abschlüsse eine Vergleichbarkeit, insbesondere zwischen verschiedenen Ländern und Hochschulen, ermöglicht. Die Unternehmen begrüßen die Möglichkeit des Wechsels von Studienfächern und Hochschulen nach dem Bachelorabschluss. Damit eröffnen sich auch Möglichkeiten individueller, transdisziplinärer Bildungswege.

Die Umfrage zeigt aber deutlich, dass der Bedarf für Physiker in der Industrie nach wie vor auf dem Gebiet der höher qualifizierten Absolventen, das heißt Master/Diplom oder Promotion gesehen wird, insbesondere für Einsatzmöglichkeiten in Forschung und Entwicklung.

Die Studenten müssen über ihre Zukunftsschancen Bescheid wissen

"Es ist daher wichtig, die Studierenden frühzeitig darüber zu informieren, dass sie für einen aussichtsreichen Job in der Wirtschaft den Masterabschluss benötigen“, so DPG-Präsident Wolfgang Sandner anlässlich der Jahrestagung der DPG in Dresden. „Gleichzeitig ist an den Hochschulen dafür zu sorgen, dass der Zugang zu einem Masterstudiengang einem Bachelor nicht verwehrt werden darf. Dafür müssen den Universitäten auch die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.“

„Die DPG unterstützt ausdrücklich die Bologna-Reform“, betont Sandner. „Der hierfür erforderliche Umbau des Hochschulsystems ist allerdings kein abgeschlossener, sondern ein voranschreitender Prozess, bei dem alle Beteiligten, die Politik, die Hochschulen, die Industrie und die Studierenden aufeinander zugehen und voneinander lernen müssen. Das jedenfalls ist das Fazit unserer Studie.“

Der Physik-Bachelor nimmt eine Sonderstellung ein

Der Anlass für die Studie des DPG war, dass bisherige Untersuchungen über die Akzeptanz des Bachelorabschlusses keine spezifischen Rückschlüsse für den Fall des Physik-Bachelors erlaubten. Aus diesem Grund hat sich die DPG entschlossen, eine Umfrage in typischen, Physikerinnen und Physiker beschäftigenden Firmen durchzuführen. Gefragt wurde nach der Bekanntheit des Bachelorabschlusses bei 28 großen und mittelständischen Unternehmen.

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Es ist mal wieder interessant, wie Überschrift und Inhalt eines seriösen Berichtes...  lesen
posted am 12.04.2011 um 09:41 von Unregistriert


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