Autonomes Fahren – Wo ist der Stau, wenn man ihn braucht?

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Hands off, brain on!

Audi nennt das eine „bordgestützte Tätigkeit“, die im Unterschied zur Arbeit mit einem Laptop ausdrücklich erlaubt ist. Auf dem Laptop dürfte man sich das gleiche Video dagegen nicht ansehen. Zum einen wäre das im Falle eines Unfalls viel zu gefährlich, wenn der ausgelöste Airbag den Laptop in Richtung des Fahrers katapultiert.

Zum anderen wird dem Fahrer auf dem integrierten Screen auch angezeigt, wenn der AI Staupilot an die Grenzen seiner definierten Betriebsparameter kommt und der Fahrer wieder übernehmen muss.

Simon konnte sich leider nicht sehr lange entspannen, da sich der Stau schnell auflöste und wieder eine Geschwindigkeit über 60 km/h möglich wurde. Bei längeren Stauzeiten können die Fahrer die zusätzliche Fahrzeit aber durchaus sinnvoll nutzen. Sie können beispielsweise E-Mails lesen und schreiben, Nachrichten ansehen oder auch eine SMS tippen – all das also, was man ansonsten aus guten Gründen am Steuer nicht darf.

Auch wenn der Fahrer die Kontrolle im Stau an den AI-Piloten übergeben hat und er die Hände vom Lenker und die Aufmerksamkeit vom Verkehr nehmen kann, heißt das noch nicht, dass er diese Zeit beliebig nutzen darf. Das Prinzip lautet „Hands off, brain on!“ und bedeutet schlicht, dass der Fahrer seine Aufmerksamkeit jederzeit wieder auf den Verkehr zurückbringen kann.

Was passiert, wenn der Fahrer nicht reagiert?

Daher ist ein kleines Nickerchen im Stau nicht erlaubt und auch gar nicht möglich. Denn der A8 überprüft permanent die „Verfügbarkeit des Fahrers“. Eine Kamera im oberen Teil der Instrumententafel analysiert dafür die Kopf- und Augenbewegungen. Wer die Augen schließt, wird nach kurzer Zeit zur Übernahme der Fahraktivität aufgefordert. Der Plan, morgens im Stau auf dem Weg zur Arbeit noch mal etwas Schlaf nachzuholen, ist also noch Zukunftsmusik.

Apropos Übernahmeaufforderung. Hier stellt sich natürlich die Frage, was passiert, wenn der Fahrer nicht reagiert. Das wollte mir Simon gerne auf einer isolierten Strecke auf dem Flugplatz Essen-Mülheim zeigen. Dort wechselten wir dann die Positionen und ich durfte ans Steuer.

Das Setup sah wie folgt aus: Ich folgte einem vorausfahrenden Q5 an dem wir uns quasi andockten, um eine Kolonnenfahrt zu simulieren. Der Tempomat regelte die Geschwindigkeit auf 60 km/h, der AI-Staupilot übernahm per Tastendruck die Kontrolle und ich nahm die Hände vom Steuer und drehte mich zur Seite, um mit Simon zu sprechen.

Dann folgte die Übernahmeaufforderung mit der kompletten Eskalation. Das bedeutete konkret: Der Q5 vor uns sorgte für eine veränderte Situation, die die Übernahme durch den Fahrer verlangte. Es gab einen Signalton und ein rotes Pulsieren an den Rändern des virtuellen Cockpits, auch die AI-Taste und das Kombiinstrument leuchteten rot. Da ich mich mit Simon unterhielt, reagierte ich wie abgesprochen nicht.

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