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Autonomes Fahren – Wo ist der Stau, wenn man ihn braucht?

| Autor / Redakteur: Falk Hedemann / Benjamin Kirchbeck

Blogger Falk Hedemann darf als einer der Ersten Audi AI Anwendungen im neuen Audi A8 testen - und lässt während der Fahrt auf der Autobahn das Lenkrad los. Was dann passiert beeindruckt ihn.

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Bei aktiviertem Audi AI Staupilot sind Tätigkeiten, die das Fahrzeug unterstützt, ausdrücklich erlaubt. Dazu gehört zum Beispiel Bord-Fernsehen.
Bei aktiviertem Audi AI Staupilot sind Tätigkeiten, die das Fahrzeug unterstützt, ausdrücklich erlaubt. Dazu gehört zum Beispiel Bord-Fernsehen.
(Bild: Audi)

Die Entwicklung selbstfahrender Autos gehört ganz sicher zu den spannendsten Prozessen innerhalb der Digitalisierung. Und vielleicht ist es genau diese Spannung, die dafür sorgt, dass in den letzten Jahren so viele Missverständnisse entstanden sind. Ich kann mich da selbst nicht ausnehmen.

Als Audi den neuen A8 in Barcelona vorstellte und dabei den Audi AI Staupiloten als Weltpremiere ankündigte, dachte ich erst: Ein Staupilot, also die Übernahme der Geschwindigkeitsregelung und der Lenkung in einer Stau-Situation, sollte neu sein? Auf so etwas falle ich als Profi nicht rein – und doch lag ich komplett falsch!

AI ist mehr als Marketing-Gimmick

Denn bei dem neuen Audi A8 und dem AI Staupilot handelt es sich um einen großen Evolutionsschritt. Denn erstmals erreicht ein Serienfahrzeug das Level 3 der Klassifizierung des automatisierten Fahrens. Damit gelingt erstmals der Sprung vom teilautomatisierten (Level 2) auf das hochautomatisierte Fahren. Der Unterschied besteht darin, dass der Fahrer die Längs- und Querführung des Fahrzeugs nicht mehr ständig überwachen muss. Er kann seine Hände vom Lenkrad nehmen und sich anderen bordgestützten Aufgaben widmen.

Bei den bisherigen Staupiloten (Level 2) bleibt der Fahrer auch bei Übernahme der Lenkung und der Geschwindigkeitsregulierung durch den Staupiloten immer in der Verantwortung und er muss jederzeit eingreifen können. Der Audi AI Staupilot übernimmt also nicht nur die Steuerung und Beschleunigung des Audi A8, sondern auch die Verantwortung.

Wo ist der Stau, wenn man ihn braucht?

Zusammen mit Simon Ulbrich machte ich mich nach einer kurzen Begrüßung und Einführung auf die Suche nach einem Stau. Für Simon, der mich den ganzen Tag über begleitete, war das keinesfalls Routine. Er ist nicht etwa Testfahrer, wie man vielleicht denken könnte, sondern Entwickler für automatisierte Fahrfunktionen.

Als Journalist bekommt man schon häufiger mal die Gelegenheit mit einem Entwickler zu sprechen, aber mit Simon konnte ich richtig Zeit verbringen und ihn mit allen meinen Fragen löchern. Und Zeit hatten wir genug, denn wir begaben uns mit dem brandneuen A8 auf die Suche nach einem Stau.

Eine meiner ersten Fragen war die nach dem Ausgangspunkt der Fahrt: Warum ausgerechnet Düsseldorf? Die Antwort liegt in einer umfangreichen Verkehrsanalyse in ganz Deutschland und Europa. Die ergab, dass das Ruhrgebiet mit seinem dichten Großstadtnetz und den vielen Autobahnen sehr zuverlässig Staus produziert und einen solchen brauchten wir zur Demonstration des intelligenten Staupiloten. Daher ging es für uns auch früh los, denn der morgendliche Arbeitsbeginn sollte uns die gewünschte Verkehrsdichte bringen.

Leider gestaltete sich die Jagd wie das Hase-Igel-Spiel: Wann immer die Verkehrslage einen Stau anzeigte und wir uns auf den Weg machten, war er wieder weg, wenn wir ankamen. Vielleicht war die Suche nach dem Stau auch deshalb so schwierig, weil der Freitag mittlerweile in vielen großen Unternehmen als inoffizieller Home-Office-Tag gilt.

Kurz bevor wir schon aufgeben wollten, klappte es dann doch noch – wir standen im Stau. Zumindest für einen kurzen Zeitraum konnte Simon die Kontrolle über den A8 mit dem Drücken des AI-Buttons an den Staupiloten abgeben und die Hände vom Steuer nehmen. Es reichte auch noch zum Starten eines Videos auf dem integrierten Touchscreen über der Mittelkonsole.

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