Aktion Elektronik hilft 2012

Autonome Multikopter bringen schnelle Hilfe in abgelegene Gebiete

| Redakteur: Thomas Kuther

Der Transport von 2 kg über 10 km kostet 24 US-Cent

„Die nächste Frage liegt auf der Hand: Was soll das ganze kosten?“, so Raptopoulos weiter. „Es hat sich gezeigt, dass das, was wir eine „Mission“ nennen – das ist der Transport von zwei Kilogramm Nutzlast über zehn Kilometer – gerade einmal 0,24 US-Dollar kostet. Unglaublich – nicht wahr?“

Eine Bodenstation und drei UAVs kosten 18.000 US-Dollar

Die Kosten im Detail: Ein UAV kostet 1000 US-$. „Wir sind sicher, dass sich das machen lässt, denn es gibt einige Trends, die uns erlauben, die Kosten zu drücken“, erläutert Raptopoulos. „Dazu gehören etwa sinkende Akku-Kosten. Auch die Wartungskosten sind minimal, da ein UAV je nach Propellerzahl aus nur vier bis sechs beweglichen Teilen besteht, und zudem wird ein UAV eine Lebensdauer von zehn Jahren erreichen.“

Eine Bodenstation soll rund 15.000 US-$ kosten und ebenfalls eine Lebensdauer von zehn Jahren haben. „Je länger wir daran arbeiten, umso weiter werden die Kosten sinken.“

Die Kosten werden in Zukunft weiter sinken

„Zurück zu den Kosten einer Mission, also dem Transport von zwei Kilogramm Nutzlast über eine Strecke von zehn Kilometern: Gehen wir von 25 Missionen pro Tag und drei UAVs pro Bodenstation aus, liegen die Betriebskosten für das Fluggerät bei 0,03 US-Dollar, der Akku schlägt mit 0,09 US-Dollar zu Buche, da er nach 600 Ladezyklen gewechselt werden muss. Dies ist eine konservative Annahme, denn es ist zu erwarten, dass die Akkukosten drastisch sinken werden. Die Kosten der Bodenstation gehen mit 0,1 US-Dollar in die Rechnung mit ein und die Energiekosten für den Flug liegen bei gerade einmal 0,02 US-Dollar. Alles in allem kommen wir also auf Missionskosten von nicht mehr als 24 Cent!“

Verteilung von HIV/AIDS-Tests in Lesotho

„Wir begannen mit der Betrachtung der Problematik, HIV/AIDS-Tests in Lesotho zu verteilen. Lesotho ist ein von Bergen umgebener Landstrich in Südafrika. Dort brach eine AIDS-Epidemie aus – eine Bedrohung für die gesamte Bevölkerung. Mehr als eine halbe Million Menschen sind dort mit dem HIV/AIDS-Virus infiziert. 70 Prozent der Bevölkerung lebt in ländlichen Gebieten. Also gibt es dort 400.000 Menschen, die zweimal im Jahr einem AIDS-Test unterzogen werden müssen, um die medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten oder sicherzustellen, dass der Virus möglichst frühzeitig entdeckt wird. Es wurde versucht, das Einsammeln der Blutproben mithilfe von 152 Kliniken und 19 Hospitälern mit Laboren zu organisieren. Dabei stellte sich heraus, dass es nicht genügend Leute gab, um die Proben von den Kliniken in die Labore zu bringen. Und kürzlich haben wir gelesen, dass der Transport nun mit Ponys bewerkstelligt werden soll – nun, wir können ein Pony-UAV dafür anbieten!“

Ein Matternet für 123 km2 kostet so viel wie 2 km Straße

„Der Transport von Blutproben ist also ebenso ein Problem wie der Transport von Medikamenten. Hier könnten wir ein Miniatur-Matternet aufbauen. Wir sahen uns auch die Gegend um Maseru an, in der es 47 Kliniken und sechs Labore auf einer Fläche von 123 Quadratkilometern gibt. Die Lösung der Probleme dort mittels Matternet würde heute nicht einmal eine Million US-Dollar kosten – und eine Million US-Dollar würden nach Aussagen der Weltbank auch zwei Kilometer einer einspurigen Straße kosten.“

„Als uns klar wurde, was wir da schufen, dachten wir nur: OK! Aber schließlich fragten wir uns, welche Möglichkeiten es noch gibt, ein Matternet zu nutzen. Also nahmen wir uns das Gegenteil des unseres Ausgangsproblems vor: Gegenden, wo die Verkehrsinfrastruktur zwar vorhanden ist, aber einfach nicht funktioniert. Eine halbe Milliarde Menschen leben heute in Megacities. In China kommt alle zwei Jahre eine weitere Megacity in der Größe von New York City hinzu. Es wird also etwas benötigt, das den Menschen in diesen Megacities das Leben in Zukunft erleichtert.“

In Sao Paulo sitzt man täglich 3 bis 4 Stunden im Stau

In Sao Paulo zum Beispiel leben 21 Mio. Menschen und es gibt 6 Mio. Autos. Die Einwohner sind daran gewohnt, jeden Tag 3 bis 4 Stunden im Verkehr festzustecken. In diesem Chaos stellen rund 250.000 Motorradkuriere die Beförderung von Gütern sicher. Im Durchschnitt sterben etwa 500 Menschen pro Jahr bei einem Motorradunfall – entweder als Fußgänger oder als Motorradfahrer.

Multikopter übernehmen die Kurierdienste

„Wir sind davon überzeugt, dieses Problem besser lösen zu können. Wir würden auf den Dächern oder auch an den Fassaden der Häuser Matternet-Stationen platzieren. So erhielten wir eine Infrastruktur, die sieben Tage in der Woche 24 Stunden betriebsbereit wäre – wie das Internet. Das also ist unsere Vision: Das Matternet soll in Sachen Transport von Sachen die gleiche Rolle spielen, wie das Internet für die Übertragung von Informationen. Und bei diesem Konzept wird die Bandbreite – also die Anzahl der pro Zeiteinheit beförderten Güter – rasant wachsen, während die Kosten drastisch sinken werden.“

Die Erfinder müssen sich zahlreichen Herausforderungen stellen

Dabei gibt es allerdings eine ganze Reihe Herausforderungen: etwa gesetzliche Hürden oder eine vielleicht fehlende gesellschaftliche Akzeptanz. So etwa das Problem, dass die Gesetzgebung bei Unfällen jemanden braucht, der die Schuld trägt, denn ein Roboter kann nicht für einen Unfall verantwortlich gemacht werden.

Youtube-Video über das Robokopter-Projekt:

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