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Automotive: Maßgeschneiderte Displays im Fahrzeug

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Der Fahrzeuginnenraum mit großem Display und 3D-Funktionen oder elektrisch leitende Polymere: Auf dem zweiten virtuellen DFF-Fokus-Meeting diskutierten die Teilnehmer unterschiedliche Themen rund um das Display in Fahrzeug-Anwendungen.

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Wie wird sich die Display-Technik im Fahrzeuginnenraum künftig entwickeln? Das diskutierten die Teilnehmer des Deutschen Flachdisplayforums (DFF) im Juli.
Wie wird sich die Display-Technik im Fahrzeuginnenraum künftig entwickeln? Das diskutierten die Teilnehmer des Deutschen Flachdisplayforums (DFF) im Juli.
(Bild: Continental)

Es war bereits das zweite Online-Meeting des Deutschen Flachdisplayforums (DFF). Nach dem virtuellen Treffen im Juni mit über 90 Teilnehmern und einem sehr umfangreichen Programm, trafen sich die DFF-Mitglieder im Juli wieder.

Die Veranstaltung am Morgen war für die europäischen Mitglieder organisiert und am Nachmittag hatten sich hauptsächlich die amerikanischen Teilnehmer zugeschaltet. Ausrichter und Gastgeber war dieses Mal die Firma Covestro, Hersteller von Polymerwerkstoffen mit Sitz in Leverkusen. Jochen Hardt, Vice President Global Marketing Mobility vom Gastgeber begrüßte die Teilnehmer und Ciro Piermatteo stellte den Gastgeber vor.

Transformation im Fahrzeuginnenraum

Dr. Rainer Hagen von Covestro zeigte die Transformation der Innenraumausstattung im Fahrzeug bzgl. HMI, Trends im Design sowie neue Anforderungen an die Displaytechnik. In der Vergangenheit stand die Funktion im Fokus. Heute rücken Design und Multifunktionalität mehr und mehr in den Vordergrund. Zukünftige Entwicklungen beziehen den kompletten Innenraum mit ein.

Große Displays in maßgeschneiderten Formfaktoren mit erweiterten 3D-Formen und nahtlosem Design sowie Sensor-Integration (Multi-Touch, Geste oder Fahrerüberwachung), die erst nach der Aktivierung sichtbar sind und dann personalisierte Inhalte liefern, werden den Innenraum bestimmen.

Mikrorisse in der ITO-Schicht

In seiner Präsentation zeigte Klaus Wammes von Wammes & Partner die Problematik beim Einsatz von PET-Folien mit ITO-Schicht bei Touchscreens. Durch unterschiedliche Fertigungsprozesse kommt es zu „unsichtbaren“ bzw. unterschiedlichen Formen von „organisierten“ Mikrorissen in der ITO-Schicht. Daraus ergeben sich dynamische elektrische Fehlfunktionen. Die von Wammes & Partner entwickelte Messmethode qualifiziert und quantifiziert die unterschiedliche Oberflächenbeschaffenheit. Darauf aufbauend können verschiedene Arten von Funktionsschichten wie Anti-Kratzer, Anti-Flecken, Blendreduzierung, Filterung und Polarisatoren entwickelt werden.

Elektrisch-leitende Polymere

Dr. Rüdiger Sauer-Stieglitz von Heraeus Deutschland referierte über leitfähiges Polymer für Automotive-Touch-Anzeigen als Mensch-Maschinen-Schnittstellen. Heraeus ist Pionier und zugleich führendem Bereich elektrisch leitender Polymere. Das Polymer bildet im Produktionsprozess beim Trocknen transparente leitende Schichten.

Der Auftrag eines Lackes unter Einbezug des sogenannten Clevios-Polymers erfolgt in einem Nassbeschichtungs- und Druckverfahren, das sehr wirtschaftlich ist. Daraus ergeben sich Beschichtungen mit unterschiedlichen spezifischen Widerständen und sehr niedriger Lichtreflexion durch Anpassung des Brechungsindizes an Glas und PET. Das spezielle Hybridmaterial Clevios HY E wurde für den Einsatz bei faltbaren Berührungssensoren mit hoher Flexibilität entwickelt.

Mikro-LED-Display im Fahrzeug

Alexander Loesing von ALLOS Semiconductors referierte zum Thema „Automotive - eine weitere Killer-Anwendung für Mikro-LED-Displays?“. Die Anforderungen der Automobilindustrie sind hoch und Mikro-LEDs sind in der Lage, diese Anforderungen zu erfüllen. Dabei setzt man bei ALLOS auf eine bessere Flächennutzung bei größeren Wafern, was eine enorme Reduzierung der Chipkosten zur Folge hat. Wird die Wafergröße von 100 auf 200 mm erhöht, so steigt die Chipausbeute von 10 auf 50, bei 300 mm sogar auf 128. Die Kosten sinken dadurch bei 200 mm um mehr als 25 Prozent und bei 300 mm sogar um über 40 Prozent.

Die 1 bin GaN-on-Si-Technologie von ALLOS ermöglicht Best-in-Industry-Wellenlängengleichmäßigkeit für hohe Ausbeute und den Einsatz sowohl von 200-mm- als auch 300-mm-LED-Epiwafer zu geringen Kosten.

Weitere Display-Techniken im Fahrzeug

Hank Hu präsentierte sich dem Meeting als Spezialist für die Entwicklung von kundeneigenen Produkten für die Fahrzeugbeleuchtung, in der industriellen Technologie sowie im Bereich Marketing und Kommunikation und als Bindeglied in der Supply Chain von der Display- zur Automobilindustrie. David McLean von MAC Thin Films referierte über die Reflexionseigenschaften von AR Coated Flat und AG Glasoberflächen. MAC Thin Films hat ein AR-Beschichtungsdesign entwickelt, das die Reflexion bei diffusem Licht und Blendung durch die Sonne reduziert.

Gastgeber Dr. Rainer Hagen stellte in seinem Vortrag die neueste Entwicklung von Covestro vor. Makrolon unterstützt den Trend zu größeren und gebogenen Displays im Automobil-Cockpit der Zukunft. Über ein Meter große 3D-gebogene Displays werden damit zur Realität.

Dr. Yohan Kim vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung referierte über die Quantum Dot Color Conversion Technologie und über die verschiedenen Möglichkeiten in der Automobilanwendung, wo sie häufig im Innenbereich zum Einsatz kommt. Mit der QD-Farbkonvertierung können von blauen über rote und grüne Quantenpunkte erzeugt werden.

Michael Stengle von IST Metz zeigte die aktuellen Trends hinsichtlich der Verwendung von Displays in der Automobilindustrie. Infotainment und Konnektivität werden immer wichtiger und die Anzahl von (Touch)-Displays im Auto nimmt stetig zu. Die Anzeigen kommen im Dashboard, in der Mittelkonsole sowie als Head-up-Display zum Einsatz. Kameras und Displays ersetzen mehr und mehr die konventionellen Spiegel, um tote Winkel zu reduzieren.

Zum Abschluss gab Dr. Ulrich Ruetten ein Feedback zum aktuellen Online Meeting sowie einen Ausblick auf die kommenden Events, die auch auch auf der Internetseite des DFF nachzulesen sind.

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