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Automobilindustrie sorgt für Rekordumsatz bei Göpel electronic

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Das Geschäftsjahr 2019 war für Göpel electronic eines der erfolgreichsten seit der Gründung 1991. Getrieben wurde das Wachstum sehr stark von der Automobilindustrie. Macht das Unternehmen etwas anders?

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Am Standort von Göpel electronic in Jena profitierte man 2019 vor allem dank der starken Automobilindustrie.
Am Standort von Göpel electronic in Jena profitierte man 2019 vor allem dank der starken Automobilindustrie.
(Bild: Göpel electronic)

Für Göpel electronic war 2019 der erfolgreichste Geschäftsbereich „Automotive Test Solutions“ und die Automobilindustrie somit auch 2019 der wichtigste Absatzmarkt. Getrieben von der zunehmenden Elektrifizierung der Antriebe sowie der komplexen Kommunikations- und Steuersysteme im Fahrzeug ließen die Nachfrage nach Testlösungen von Seiten der Automobilbauer und Zulieferer steigen. Somit konnte Göpel electronic sein abgelaufenes Geschäftsjahr mit einem Umsatz von 40 Mio. Euro abschließen.

Das größte Wachstum im Unternehmen erzielte im Jahresverlauf der Geschäftsbereich „Inspektionslösungen“ zur optischen Qualitätssicherung elektrischer Baugruppen. Die Systeme werden von Elektronik-Fertigern eingesetzt um Serienfehler im Prozess vollautomatisch zu erkennen und technische Defekte zu vermeiden. Auch der Geschäftsbereich „Embedded JTAG Solutions“ konnte den Markt für Test- und Programmiertechnologien hochkomplexer elektrischer Baugruppen weiter durchdringen und resümiert ein erfolgreiches Jahr 2019.

Der Exportanteil lag mit 42 Prozent ähnlich hoch wie in den Vorjahren. Die Nachfrage kann Göpel electronic auch dank seiner Niederlassungen in den USA, in Großbritannien, China und Indien bedienen. Hohen Stellenwert hatten 2019 auch Forschung und Entwicklung neuer Technologien. Insbesondere bei der Künstlichen Intelligenz und Smart Factory investierte das Unternehmen in allen Geschäftsbereichen. Einige Projekte wurden zudem mit Fördergeldern unterstützt.

Nachgehakt: Was macht Göpel electronic anders?

Die Zahlen von Göpel electronic beeindrucken, vor allem mit Blick auf die Lage der Automobilindustrie und deren Zulieferern. Dazu sprach ELEKTRONIKPRAXIS mit Matthias Müller, der bei Göpel electronic für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Viele große Automobilzulieferer sind bereits 2019 ins straucheln gekommen. Was macht Göpel electronic hier anders?

Die Automobilzulieferer sind zweifelsohne im Umbruch. Zulieferer aus mit Schwerpunkt Antrieb und Fahrwerk haben vermutlich am meisten zu leiden. Bei Elektronik und Interieur sind hingegen große Potenziale und Wachstum zu verzeichnen. Davon profitieren wir, da wir auch strategische Entwicklungsprojekte aus diesen Geschäftsfeldern mit Zulieferern und OEMs begleiten. Konkret sind das Themen wie Displays, ADAS- und Kamerasysteme, autonomes Fahren und weitgehend alles, was mit E/E-Architekturen zu tun hat.

Spürt Ihr Unternehmen eine sich verändernde Automobil-Branche und wie begegnen Sie den Unsicherheiten?

Wie beschrieben, rücken E/E-Themen immer mehr in den Fokus. Automotive und IT wachsen immer stärker zusammen. Im technologischen Umfeld ist Qualitätssicherung in der Entwicklung als auch Produktion beständiges Thema. Gerade Sicherheitsaspekte werden noch genauer unter die Lupe genommen.

Als Beispiel sei hier die Elektromobilität zu nennen. In-Vehicle-Networks sind wie im konventionellen Fahrzeug sehr komplex. Neu sind Konverter/Inverter oder Module für Batteriemanagement (Battery Junction Box (BJB)). Diese Schalteinheiten regeln die Verbindung zwischen Hochvolt-Batterien und Komponenten im Fahrzeug. Die Hochspannungsverbindungen von bis zu 1000 VDC müssen durch die BJB im Gefahrenfall vom elektrischen System des Fahrzeugs getrennt werden, um beispielsweise Rettungskräften keiner Gefahr durch anliegende Hochspannung auszusetzen. Daher werden Testsysteme für Funktionstest oder End-of-Line-Test benötigt, welche die Zuverlässigkeit der Battery-Junction-Boxes überprüfen.

Forschung und Entwicklung helfen, neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt zu bringen. Können Sie hier weitere Details nennen, beispielsweise beim Einfluss von Künstlicher Intelligenz?

Es werden nicht nur neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt gebracht, sondern auch bestehende Technologien optimiert. Beispielsweise bieten wir schon seit Jahren Testsysteme zur Akustikanalyse von mechatronischen Komponenten auf Basis von Körperschall an. Ergänzend dazu kann ein neues Testsystem auf Basis von Luftschall die Produktion analysieren. Die objektive Analyse der Produkte durch vorgegebene mathematische Algorithmen wird nun durch künstliche Intelligenz erweitert. Dadurch werden Störgeräusche (wie durch den Lärm in der Fertigung) mithilfe maschinellen Lernens von den eigentlichen Fehlergeräuschen abgegrenzt. Die Klassifikation wird dadurch viel einfacher und ist im Fertigungsprozess beim Hersteller integrierbar.

Ein weiteres, prominentes Beispiel ist das Thema Smart Factory. Gerade bei der Elektronikfertigung, bei der verschiedene Systeme unterschiedlicher Hersteller interagieren, spüren wir eine große Nachfrage. Die Produktionslinien gab es schon länger, aber effiziente Ressourcenausnutzung, Traceability und Qualitätsmanagement sind sind mehr gefragt denn je. Die Digitalisierung kommt an.

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