Empathie für Roboter kann gefährlich werden

| Redakteur: Katharina Juschkat

Je humanoider ein Roboter, desto schwerer fällt es Menschen, ihn zu opfern. Das kann bis hin zur tatsächlichen Gefährdung von Menschenleben führen.
Je humanoider ein Roboter, desto schwerer fällt es Menschen, ihn zu opfern. Das kann bis hin zur tatsächlichen Gefährdung von Menschenleben führen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Wie viel Empathie können Menschen Robotern entgegenbringen? Ein Deutsch-niederländisches Forscherteam ist dieser Frage nachgegangen – und kommt zu dem Ergebnis, dass das Mitgefühl mitunter so weit führt, dass Menschenleben gefährdet würden.

Ob Cobots, Pflegeassistenten oder Haushaltshelfer – wir begegnen immer häufiger Robotern, im Alltag wie auf der Arbeit. Aber wie nehmen wir die Roboter wahr und wie interagieren wir mit ihnen? Das hat jetzt ein Forscherteam der Radboud University aus den Niederlanden und der LMU untersucht und kam zu spannenden Ergebnissen.

Moralisches Dilemma: Roboter oder Menschen retten?

„Wir haben untersucht, inwieweit Erwachsene bereit sind, Roboter zu opfern, um Menschen zu retten“, beschreibt Sari Nijssen der Radboud University die Fragestellung der Studie. Die Teilnehmer der Studie wurden vor ein sogenanntes moralisches Dilemma gestellt: Würden sie einen Einzelnen in Lebensgefahr bringen, um eine Gruppe verletzter Menschen zu retten? In unterschiedlichen Szenarien handelte es sich dabei mal um einen Menschen, mal um einen sogenannten humanoiden Roboter mit menschlichen Zügen und mal um einen Roboter, der klar als Maschine zu erkennen war.

Wie die Studie zeigt, wurde das Dilemma umso drängender, je mehr der Roboter einem Menschen ähnelte. Sobald dieser in kurzen Geschichten als mitfühlendes Wesen oder als Wesen mit eigenen Erfahrungen und Vorstellungen dargestellt wurde, fiel es den Probanden schwerer, diesen zu opfern, um Menschenleben zu retten.

Die Empathie mit der Maschine ging bei manchen der so weit, dass sie bereit waren, die Gruppe verletzter Menschen zu opfern, nur damit dem Roboter nichts passiert. „Je menschenähnlicher die Roboter waren, insbesondere je mehr man ihm Gefühle zusprach, desto weniger waren die Versuchspersonen in unserem experimentellen Szenario geneigt, den Roboter zu opfern“, sagt Markus Paulus, Professor für Entwicklungspsychologie an der LMU. „Das weist darauf hin, dass dem Roboter eine Art moralischer Status zugesprochen wurde. Eine mögliche Implikation ist, dass wir vorsichtig sein sollten, Roboter immer menschenähnlicher zu machen. Dies könnte mit ihrer eigentlichen Funktion, Menschen zu helfen, kollidieren.“

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