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Assistenzsystem interactIVe Ausweich-Assistent lässt den Fahrer glauben, er würde reagieren

Redakteur: Peter Koller

Taucht plötzlich ein Hindernis im Straßenverkehr auf, muss der Fahrer in Sekundenbruchteilen reagieren – nicht immer möglich. Im EU-Projekt interactIVe (Accident avoidance by active intervention for Intelligent Vehicles) wurde ein Lenkassistent entwickelt, der hilft, solche Zusammenstöße zu vermeiden.

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Der Ausweichassistent interactIVe warnt vor Hindernissen und soll Zusammenstöße verhindern oder zumindest abmildern
Der Ausweichassistent interactIVe warnt vor Hindernissen und soll Zusammenstöße verhindern oder zumindest abmildern
(interactIVe)

Bei einer Abschlussveranstaltung in Aachen/Lommel (Belgien) haben die Forscher nun die Ergebnisse des Forschungsprojektes präsentiert. Das am DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) getestete Lenkassistenzsystem unterstützt den Fahrer bei drohenden Auffahrunfällen durch eine automatische, ausweichende Lenkbewegung. "Öffnet sich zum Beispiel unvermittelt die Tür eines parkenden Autos oder schert auf der Autobahn plötzlich jemand dicht vor dem eigenen Fahrzeug ein, kann so ein Ausweichassistent helfen, eine Kollision zu vermeiden", erklärt Prof. Dr. Karsten Lemmer vom DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik. In drei Simulatorstudien sowie einer Realfahrzeugstudie im Versuchsfahrzeug FASCar untersuchten die Verkehrsforscher des DLR, wie die Testfahrer sich im Zusammenspiel mit dem Lenkassistenten verhalten.

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Für die Testfahrten fuhren die Teilnehmer der Studie im Versuchsfahrzeug FASCar mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde auf einer geraden Teststrecke. Unvermittelt schnellte an einem Seil ein großes Netz als Hindernis auf die Fahrbahn, dem der Fahrer alleine mit Bremsen nicht ausweichen konnte. In dieser Testsituation führte der Ausweichassistent blitzschnell eine automatische Lenkbewegung aus und vermied damit die Kollision.

Das Fahrerverhalten für Situationen in höheren Geschwindigkeitsbereichen dagegen wurde im dynamischen Fahrsimulator des DLR untersucht – in der Simulation ist dies gefahrlos möglich. Die Probanden mussten dabei auf Hindernisse wie zum Beispiel plötzlich einscherende Autos auf der Autobahn reagieren. Getestet wurden unterschiedliche Konzepte der Vorwarnung wie akustische oder optische Hinweise und der Einstellung des Ausweichassistenten wie zum Beispiel die Stärke der Lenkbewegung.

Testfahrer: "Gutes und sinnvolles System"

Die Fahrversuche zeigten, dass das Ausweichassistenzsystem dabei helfen kann, die Zahl der Unfälle mit einem plötzlich auftauchenden Hindernis deutlich zu verringern und die Unfallschwere von nicht zu vermeidenden Kollisionen zu vermindern. Die Unterstützung des Lenkassistenten wurde von den Studienteilnehmern gut angenommen. Viele der Fahrer nahmen den Eingriff des Lenkassistenten nicht einmal bewusst wahr oder dachten, sie selbst hätten mit einer ausweichenden Lenkbewegung auf das Hindernis reagiert.

Ein Kernstück der Forschung war die Entwicklung des sogenannten Perception Layer, der den Fahrzeugen quasi eine Wahrnehmungsebene verschafft. Er besteht unter anderem aus einer Plug&Play-Infrastuktur für verschiedene Arten von Sensoren und Informationsquellen, Modulen zur Verarbeitung der Sensordaten in nahezu Echtzeit und einer integrierten Asugabe der Daten über ein Interface mit einer Aktualisierung alle 100ms.

Im EU-Projekt interactIVe arbeitet das DLR mit 30 Partnern wie Ford, BMW und VW an Systemen zur Fahrerunterstützung in kritischen Situationen zusammen. Mit der Volvo Technology Corporation, dem Centro Ricerche Fiat und der Allround Team GmbH entwickelte das DLR wichtige Erkenntnisse zur Auslegung von Kollisionsvermeidungssystemen.

Die aktuellen Forschungsergebnisse sind auch ein wichtiger Baustein zur Lösung noch ausstehender rechtlicher Fragen zur Automatisierung im Straßenverkehr. Die Partner aus der Fahrzeugindustrie arbeiteten an der technischen Umsetzung eines Ausweichassistenzsystems für den späteren Einsatz in Serienmodellen.

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