Anteil der F&E-Ausgaben nimmt ab Ausgaben für Forschung & Entwicklung steigen, doch Relation zum Umsatz nimmt ab

Von Sebastian Gerstl

Im Zuge der Corona-Pandemie und geopolitischer Unwägbarkeiten scheinen Forschung und Entwicklung in der Chipindustrie derzeit einen geringeren Stellenwert einzunehmen: Nach Erhebungen von IC Insights werden Unternehmen global zwar die Rekordsumme von 80,5 Mrd. US-$ in F&E investieren, was gemessen am weltweiten Umsatz aber nur noch 13 Prozent beträgt.

Anbieter zum Thema

Aufnahme aus dem Reinraum von Intel's D1X-Anlage in Hillsboro, OR. Im laufenden Jahr werden Halbleiterunternehmen voraussichtlich 80,5 Mrd. US-$ in Forschung und Entwicklung investieren. Mit 15,2 Mrd. US-$ stammt der größte Anteil hieraus von Intel, das wieder zur Technologieführerschaft zurückkehren will.
Aufnahme aus dem Reinraum von Intel's D1X-Anlage in Hillsboro, OR. Im laufenden Jahr werden Halbleiterunternehmen voraussichtlich 80,5 Mrd. US-$ in Forschung und Entwicklung investieren. Mit 15,2 Mrd. US-$ stammt der größte Anteil hieraus von Intel, das wieder zur Technologieführerschaft zurückkehren will.
(Bild: Intel)

Laut IC Insights werden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von Halbleiterunternehmen weltweit im Jahr 2022 voraussichtlich um 9 Prozent auf 80,5 Mrd. $ steigen, nachdem sie 2021 um überdurchschnittliche 13 Prozent auf ein Rekordniveau von 71,4 Mrd. $ geklettert waren. Spitzenreiter der F&E-Investitionen ist Intel, das alleine über 15 Mrd. US-$ für den Entwicklungsbereich beiseite stellt.

Mit dem Beginn der globalen Covid-19-Pandemie Ende 2019/Anfang 2020 machte sich bemerkbar, dass einige der globalen Halbleiterlieferanten vorsichtiger und zögerlicher mit ihren Investitionen in Forschung & Entwicklung neuer Produkte wurden. Obwohl der Umsatz der Chipindustrie 2020 trotz Betriebsschließungen und anderer Notfallmaßnahmen zur Eindämmung der tödlichen Pandemie um überraschende 11 Prozent stieg. Statt dessen legten die meisten Hersteller mehr Wert auf inkrementelle Optimierungen vorhandener Produktreihen. Das macht sich nach Aussage von IC Insights an dem Anteil nieder, den die weltweit führenden Chiphersteller von ihrem Umsatz dem Bereich der Forschung und Entwicklung haben zufließen lassen.

Bis 2026 wird die 13-Prozent-Marke wohl nicht mehr überschritten

Demnach sank der Anteil der F&E-Ausgaben für Halbleiter im Jahr 2021 auf 13,1 Prozent in Relation zum Branchenumsatz. 2020 hatte der Wert noch 14,5 Prozent, 2019 sogar 15,1 Prozent betragen - und as, obwohl zu dem Zeitpunkt die Forschungs- und Entwicklungsausgaben in ihrem Gesamtvolumen um 1 Prozent zurückgingen und der Gesamtumsatz auf dem Chipmarkt um 12 Prozent einknickte. Die Marktanalysten prognostizieren sogar, dass sich der Anteil der F&E-Ausgaben am gesamten Umsatz auf dem Halbleitermarkt bis 2026 unterhalb der 13-Prozent-Marke einpendeln dürfte. Damit steigen die absoluten Summen in Forschung und Entwicklung zwar weiter kontinuierlich an, doch der Anteil am Gesamtvolumen des Chipmarktes ist damit niedriger als zuletzt um das Jahr 2000 herum.

Höhe der F&E-Ausgaben für Halbleiter und das Verhältnis zwischen F&E und Umsatz der Branche in den letzten vier Jahrzehnten, sowie die Prognose bis 2026. Auch wenn die Umsätze - und das absolute Investmentvolumen - kontinuierlich steigen, wird der Anteil der Ausgaben für F&E gemessen am Umsatz des globalen Chipmarktes auf einem niedrigeren Niveau als in den letzten 20 Jahren verweilen.
Höhe der F&E-Ausgaben für Halbleiter und das Verhältnis zwischen F&E und Umsatz der Branche in den letzten vier Jahrzehnten, sowie die Prognose bis 2026. Auch wenn die Umsätze - und das absolute Investmentvolumen - kontinuierlich steigen, wird der Anteil der Ausgaben für F&E gemessen am Umsatz des globalen Chipmarktes auf einem niedrigeren Niveau als in den letzten 20 Jahren verweilen.
(Bild: IC Insights)

Generell steigen aber die Ausgaben für F&E weiter an. IC Insights verzeichnet seit den 1980er Jahren nur vier Jahre, in denen auch die Gesamtsummen in diesem Bereich weltweit geschrumpft sind. So gingen die weltweiten F&E-Ausgaben im Jahr 2019 während einer Konjunkturabschwächung um eine Prozentpunkt zurück, im Zuge der Rezession 2009 sogar um zehn Prozentpunkte. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase kurz nach der Jahrtausendwende wurden in den Jahren 2001 und 2002 sogar zwei aufeinanderfolgende Rückgänge von -10Prozent und anschließend nochmals -1Prozent verbucht.

Nach der weltweiten Rezession 2008-2009 erholten sich die F&E-Ausgaben für Halbleiter für einige Jahre stark. Anschließend verlangsamten sich die Ausgaben während des restlichen letzten Jahrzehnts aus einer Vielzahl von Gründen wieder. Das lag unter anderem auch an einer historischen Welle von Rekord-Übernahmen in der Chipindustrie.

Intel investiert am meisten in Forschung und Entwicklung

Die meisten Ausgaben bei Forschung und Entwicklung tätigte einmal mehr Intel: Rund 19 Prozent der Gesamtausgaben der Branche stammte vom US-amerikanischen Chiphersteller. Intel steigerte seine F&E-Ausgaben 2021 um 12 Prozent auf 15,2 Mrd. US-$. Dies ist Teil der Strategie, wieder die Spitzenposition als globaler Chipanbieter zu erlangen, als auch sich als wichtiger Anbieter fortschrittlicher Wafer-Foundry-Dienstleistungen zu positionieren. Im Jahr 2020 stiegen die F&E-Ausgaben von Intel nur um 1 Prozent; 2019 waren sie sogar um 1 Prozent gesunken.

Das weitere Feld ist bei den F&E-Ausgaben deutlich hinterher. Samsung belegte im IC Insights-Ranking für 2021 den zweiten Platz mit Ausgaben, die um 13 Prozent auf geschätzte 6,5 Mrd. US-$ stiegen. Der Löwenanteil seiner F&E-Ausgaben investierte der südkoreanische Elektronikkonzern in den Ausbau modernste Logikprozesse (5nm und darunter), um den Wettbewerb mit dem Foundry-Marktführer Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. zu verstärken. TSMC wiederum hat seine seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Jahr 2021 um 20 Prozent auf etwa 4,5 Mrd. $ erhöht.

Das F&E-Ranking von IC Insights für 2021 zeigt, dass 21 Halbleiterlieferanten 1 Milliarde Dollar oder mehr für Forschung und Entwicklung ausgaben, verglichen mit 19 Unternehmen im Jahr 2020. Die Top 10 des F&E-Rankings steigerten ihre Ausgaben gemeinsam um 18 Prozent auf 52,6 Mrd. US-$, was etwa 65 Prozent der gesamten F&E-Ausgaben der Branche im vergangenen Jahr entsprach. Das Verhältnis F&E/Umsatz der Top 10 lag 2021 bei 13,5 Prozent, verglichen mit 14,5 Prozent im Jahr 2020.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:48296560)