Ausblick 2018: Die Automobilbranche am Scheideweg

Seite: 2/3

Firmen zum Thema

NOx – Ein Problem aus bald vergangenen Tagen?

Die Grauzone zwischen Regellücken und gezielter Täuschung ist groß - bei der Schadstoffmessung wie bei den Angaben zu CO2 und Verbrauch. Die Industrie kontert das gern mit dem Verweis auf moderne Tests. Seit dem Herbst durchlaufen neue Autotypen den Zyklus WLTP, der im September 2018 für sämtliche Neu-Pkw bindend wird.

Er ist gründlicher als das alte Verfahren NEFZ - es seien jedoch auch hier Schlupflöcher möglich, so Kritiker. Daher seien Straßentests (RDE) nötig. Ab September 2019 sind diese für EU-Neuwagen Pflicht.

Einige Experten betonen, dass das NOx-Problem mit neuen Motoren keine große Rolle mehr spiele. "Wir reden ausschließlich über Altlasten", sagt Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie. Die Branche finanziert Abwrackprämien für betagte Autos und Software-Updates für jüngere. Aber ohne langfristigen Wechsel zu E-Antrieben werde es eng, mahnt die Commerzbank: "Damit sind Autohersteller gefordert, ihren Strategiewandel in Richtung E-Mobilität erheblich zu beschleunigen."

E-Mobilität: China gegen den Rest der Welt

Der 2016 eingeführte Umweltbonus nimmt kaum Fahrt auf. Bis Ende Oktober gab es 37.700 Förderanträge für E- oder Hybridautos - verglichen mit fast 273.000 Pkw-Neuzulassungen allein in diesem einen Monat. Die Konzerne investieren nun Milliarden in neue Modelle. Auch bei der noch dünnen Ladeinfrastruktur gibt es Fortschritte: Projekte wie Ionity, initiiert von BMW, Daimler, VW, Ford und Shell und von Energieversorgern sollen das Netz ausbauen.

Den Auto-Belegschaften stehen hingegen stürmische Zeiten bevor. E-Antriebe benötigen weniger und andere Teile als Verbrenner, ein Teil der alten Jobs wird verloren gehen. Der IG Metall zufolge hängen über 200.000 der 880.000 Beschäftigten in der deutschen Branche am Diesel. Und US-Rivale Tesla will sich mit günstigeren Exemplaren breitmachen.

China reguliert derweil den Anteil seiner wachsenden Elektro- und Hybridflotte per Quote, was Importeure im wichtigsten Automarkt der Welt unter Druck setzt. Experte Stefan Bratzel betont: "Die globale E-Mobilität wird durch China bestimmt." Ein Mix verschiedener Antriebe - fossil, hybrid, elektrisch, Brennstoffzelle - gilt als bestimmendes Szenario. "Wenn wir zukunftsfähig bleiben wollen", so BMW-Chef Harald Krüger kürzlich, "müssen wir hier und jetzt handeln."

(ID:45040377)